Prozess gegen Adrian UrsacheAdrian Ursache: Geleakte Polizeivideos: Verteidiger wehren sich gegen Verdacht

Halle (Saale) - Im Internet veröffentlichte Videos von SEK und Bereitschaftsbeamten, die den Polizeieinsatz am 25. August 2016 zeigen, bei dem ein Polizeibeamter und der selbsternannte "Staatsgründer" Adrian Ursache verletzt wurden, sorgen für unüberhörbare Nebengeräusche im Verfahren wegen versuchten Mordes, bei dem der frühere Mister Germany aus Reuden in der Elsteraue seit Oktober vor dem Landgericht in Halle ...

Von Steffen Könau 11.01.2018, 11:47

Im Internet veröffentlichte Videos von SEK und Bereitschaftsbeamten, die den Polizeieinsatz am 25. August 2016 zeigen, bei dem ein Polizeibeamter und der selbsternannte "Staatsgründer" Adrian Ursache verletzt wurden, sorgen für unüberhörbare Nebengeräusche im Verfahren wegen versuchten Mordes, bei dem der frühere Mister Germany aus Reuden in der Elsteraue seit Oktober vor dem Landgericht in Halle steht.

Nach dem Umzug in einen neuen, größeren Saal forderte der Vorsitzende Richter Jan Stengel zu Beginn des 18. Prozesstages eine Zusicherung von den drei anwesenden Verteidigern, dass von ihnen keine Video- oder Tonaufnahmen an die Öffentlichkeit weitergegeben werden.

Anwalt Manuel Lüdtke  gab daraufhin eine ungewöhnlich emotionale Erklärung ab, in der im Namen seiner beiden Kollegen Dirk Magerl und Hartwig Meyer versicherte, dass keine Bestandteile der Akten durch ihn oder die anderen beiden Verteidiger an Unbefugte weitergegeben worden seien.

Auch der Angeklagte könne nicht hinter der Veröffentlichung zweier Filme beim Videoportal Youtube stehen, weil er die Filme nur in Anwesenheit seiner Anwälte gesehen, sie aber nicht selbst in Besitz habe. Der vierte Verteidiger Martin Kohlmann war auch diesem Verhandlungstag nicht erschienen.

Lüdtke ergänzte diese Erklärung um persönliche Bemerkungen, in denen er auf andere ungewöhnliche Ereignisse im Umfeld des Verfahrens einging. So habe eine Familienangehörige des Angeklagten versucht, ihn telefonisch zu erreichen, das sei aber nicht gelungen.

Allerdings habe die Frau kurze Zeit später einen Rückruf von einem Unbekannten erhalten, der sich selbst als "Mario" vorgestellt habe. Er, Manuel Lüdtke, halte es "nicht für einen Zufall", dass ein Artikel bei einem großen Internetportal ihn kurz zuvor fälschlich als "Mario Lüdtke" zitiert habe.

Ebensowenig glaube er, dass es ein Zufall sei, dass ihn Polizeibeamte nach einem Besuch bei Familie Ursache in Reuden "nicht einmal 900 Meter vom Haus entfernt" angehalten hätten, um seine Personalien zu überprüfen. Lüdtke: "Das sind Aktionen, die sich gegen meine Person richten." Er sei wegen der Vorfälle noch immer "sehr, sehr aufgeregt", werde sich aber "nicht beugen lassen", sagte Lüdtke.

"Ich halte nichts von den politischen Meinungen meines Mandanten, aber ich werde ihn durch jede Instanz verteidigen", versicherte der erfahrene Strafverteidiger, der früher selbst als Staatsanwalt gearbeitet hatte.

Lüdtke nahm Bezug auf den italienischen Staatsanwalt Giovanni Falcone, der für ihn ein großes Vorbild sei. "Ich lebe in einer Demokratie und ich will den Glauben an sie nicht verlieren", sagte er. Seine beiden Verteidigerkollegen schlossen sich der Erklärung Lüdtkes an.

Als Zeugin sagte dann die Leiterin des Polizeieinsatzes von Reuden aus. Annett W. hatte die damals geplante Zwangsräumung des Hauses der Familie Ursache als Chefin des Polizeireviers Burgenland federführend mitgeplant – angesichts des ihr bereits bekannten Adrian Ursache mit höchster Konzentration darauf, „dass niemand dabei zu Schaden kommt“.

Aus Sicht der Polizei habe es sich bei dem Einsatz, bei dem W. und ihre Beamten eigentlich nur einem Gerichtsvollzieher Amtshilfe leisten sollten, um eine außerordentliche Lage gehandelt. „Herr Ursache war früher schon verbal aggressiv gegen Beamte geworden“, sagte die 42-Jährige.
Diese Vorgeschichte ebnete dann wohl auch den Weg zur Eskalation am 25. August. Da die Einsatzleitung zum Schluss gekommen war, dass eine vernünftige Kommunikation mit Ursache vor Ort nicht möglich sein werde, „weil er Behördenmitarbeiter generell nicht anerkennt“, verzichtete man darauf, psychologisch geschulte Beamte als Verhandler einzusetzen. Kurz zuvor sei bekannt geworden, dass Ursache angekündigt habe, dass er sich eine scharfe Waffe besorgen wolle. 

Am Ende des Verhandlungstages erklärte Ursache, er habe seinem  Verteidiger Kohlmann das Mandat entzogen. Ihm sei zugetragen worden, dass Kohlmann, dem eine Nähe zu rechten Bewegungen nachgesagt wird, „Ansichten vertrete, die ich schlicht ablehne“. Deshalb trenne er sich von dem Chemnitzer Anwalt. Der Prozess wird im Februar fortgesetzt. (mz)