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Risiken für Kinder auf TikTok und Instagram Zwischen Suchtgefahr und Selbstbestimmung: Droyßiger Schüler diskutieren über ein Social-Media-Verbot

TikTok, Instagram & Co. sollen erst ab 14 Jahren online sein. Eine Debatte rund um das Thema ist entfacht. Welche klare Meinungen Schüler der Sekundarschule in Droyßig haben.

Von Margit Herrmann 26.02.2026, 07:00
Für viele Jugendliche ist das Smartphone ständiger Begleiter. Verbieten oder begleiten?Schüler der Sekundarschule in Droyßig beziehen Position zum Thema Social Media.
Für viele Jugendliche ist das Smartphone ständiger Begleiter. Verbieten oder begleiten?Schüler der Sekundarschule in Droyßig beziehen Position zum Thema Social Media. (Foto: Margit Herrmann)

Droyßig/MZ. - Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche – ja oder nein? Die Diskussion darüber wird derzeit intensiv geführt. Hintergrund sind unter anderem Studien, die auf hohe Nutzungszeiten und zunehmende psychische Belastungen junger Menschen hinweisen.

Kaum vorstellbar: eine Woche ohne Handy

Demnach zeigt mehr als jeder vierte Jugendliche problematische oder suchtähnliche Nutzungsmuster. Doch was sagen Betroffene über ein mögliches Verbot? Die MZ hat in der Sekundarschule in Droyßig mit Schülern einer achten Klasse gesprochen.

Start in digitale Welt mit zeitlicher Begrenzung

Gleich zu Beginn der Unterrichtsstunde fällt auf: Kaum betreten die Jugendlichen den Klassenraum, wandert das Handy wie selbstverständlich in eine dafür vorgesehene Tasche an der Wand. Den meisten in der Klasse macht das nichts aus. Auch wenn sich nur wenige eine längere Handy-Auszeit vorstellen können.

Ein generelles Verbot von Social Media macht für mich keinen Sinn. Wichtiger ist, auf jugendfreie Inhalte zu achten, die auch kontrolliert werden.

Yannik, 14 Jahre, aus Kretzschau

Für Yannik zum Beispiel wäre schon eine Woche ohne Handy kaum denkbar: „Das würde mir echt weh tun“, gibt der 14-Jährige zu. Er hat sein Handy, seit er sieben Jahre alt ist – damals noch mit zeitlicher Begrenzung. Heute kann er daddeln, so viel er mag.

Auf TikTok und Snapchat unterwegs

„Ich bin auf TikTok und Snapchat unterwegs“, erzählt der Sekundarschüler. „Eine Altersbegrenzung finde ich Schwachsinn. Man sollte lieber die Inhalte und die Nutzungsdauer besser kontrollieren.“

Social Media macht einen großen Teil im Leben eines Jugendlichen aus. Es gehört einfach dazu!

Leandro aus Quesnitz

Auch Leandro aus Quesnitz findet ein Verbot für Kinder unter 14 Jahren nicht angebracht. „Social Media macht einen großen Teil im Leben eines Jugendlichen aus. Es gehört einfach dazu.“

Vertrauen oder doch lieber Kontrolle?

Er hat sein Handy mit Eintritt in die Grundschule bekommen. Mittlerweile ist dem 15-Jährigen vom Elternhaus freigestellt, wie lange er es nutzt. Für ihn sind Sport und Hip-Hop relevant.

Ich habe ein Handy, seit ich acht Jahre bin. Für mich bietet Social Media schnelle und gute Unterhaltung. Dabei interessiere ich mich für so ziemlich alles.

Finlay, 15 Jahre, aus Wetterzeube

Sein Mitschüler Finlay aus Wetterzeube verbringt laut eigener Aussage zwischen fünf und acht Stunden am Bildschirm. „Mein erster Griff am Morgen ist zum Handy – schauen, was es Neues gibt“, sagt er. Social Media nutze er vor allem zur Unterhaltung. „Meine Eltern haben keinen Überblick über meinen Konsum. Sie können mir da aber auch vertrauen.“

Gefahren auf Social Media

Seine Mitschülerin Johanna weist auf die Gefahren hin, die ein zu früher Kontakt zu Social Media mit sich bringen kann. „Es gibt einige pädophile Nutzer, die Kinder gezielt anschreiben. Wer da nicht aufpasst, riskiert, dass aus einem harmlosen Chat schnell eine gefährliche Situation wird“, warnt die 14-jährige Kretzschauerin.

Sie selbst ist auf Instagram aktiv, stellt Fotos von Unternehmungen und Freunden rein. „Natürlich nur, wenn ich deren Zustimmung erhalte.“

Und genau das sei bei jüngeren Nutzern oft das Problem, wie Fynn meint: „Es gab bei uns an der Schule schon Fälle aus der fünften Klasse, bei denen einfach Fotos von Schülern oder Lehrern ins Netz gestellt wurden. Das geht einfach nicht.“

Handyprojekt – Schüler informieren Schüler

Der 14-Jährige ist einer von fünf Schülern, die beim „Handyprojekt – Schüler informieren Schüler“ mitmachen. Im Projekt sprechen sie offen mit den Fünftklässlern über den richtigen Umgang mit dem Handy.

Denn gerade die Jüngeren seien es, die in der Pause am Handy rumhängen. Die älteren Schüler würden sich miteinander beschäftigen oder für die nächste Stunde lernen, wie Fynn das Pausengeschehen beschreibt.

Ich nutze Social Media oft als Inspiration für meine Hobbys. Problematisch wird es, wenn Kinder nichts anderes mehr im Sinn haben, als am Handy zu scrollen.

Niklas, 14 Jahre, aus Wetterzeube

Und genau das ist es auch, was Niklas wichtig findet: „Wer neben dem Handy auch noch eigene Interessen hat und rausgeht, ist nicht so abhängig von dem, was online passiert.“ Für ihn geht es um Balance – darum, das Digitale nicht zum Mittelpunkt werden zu lassen.

Auf Inspirationssuche

Er selbst hat deshalb eine Begrenzung seiner Handyzeit: in der Woche 90 Minuten, am Wochenende jeweils zwei Stunden am Tag. So bleibe ihm genügend Zeit, um am Moped rumzuschrauben. Inspiration hole er sich gern bei TikTok – Social Media dürfe man also nicht nur verfluchen.

Da es immer wieder zu Cybermobbing und gefährlichen Challenges auf verschiedenen Kanälen kommt, wäre eine Altersbegrenzung nicht schlecht.

Emina, 13 Jahre, aus Osterfeld

Auch Emina aus Osterfeld genießt das Scrollen auf TikTok und Instagram. „Ich liebe es, mir Tänze anzuschauen. Mir ist aber bewusst, dass nicht alle Inhalte für Kinder zugänglich sein sollten.“

Cybermobbing und gefährlichen Challenges

Vor allem bei Cybermobbing und gefährlichen Challenges sollte man einen Blick darauf haben. Schließlich seien schon etliche Mutproben tödlich verlaufen. Sie selbst wurde schon von älteren Menschen angeschrieben, die sie dann sofort blockiert und gemeldet hat. Sie gibt den Tipp, sein Profilbild für Fremde zu verbergen. Ein Verbot für jüngere Kinder findet die 13-Jährige nicht schlecht. „Aber 16 Jahre ist zu alt. Da wäre ich ja auch davon betroffen.“

Für ihre Banknachbarin (Name soll nicht erscheinen) wäre das kein Problem. Sie nutzt als Einzige in der Klasse kein Social Media. Die 14-Jährige kennt das Risiko und findet es richtig und wichtig, dass Eltern Zugriff haben sollten.

Um die jüngeren Schüler auf ein digitales Leben vorzubereiten, macht sie auch beim Handyprojekt mit, das es seit 2014 an der Schule gibt und das von Schulsozialarbeiterin Elke Weiland geleitet wird.

Sie selbst ist übrigens der Meinung, dass es eine Alterseinschränkung geben sollte. „Aber vor allem mehr Aufklärung zur Nutzung und unbedingte Aufsicht der Eltern“, wie sie sagt. „Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu informieren und Hilfe anzufragen. Man muss nur wollen und Interesse zeigen.“