Teucherner Geschichten

Teucherner Geschichten: Wie beim Ditschen die Murmel rollt

Teuchern/MZ. - Ein großes Hallo setzt ein, als die MZ in der Teucherner Gaststätte "Angermann" eintrifft. Ja, es ist schon eine lustige Stammtisch-Runde, die da unbedingt einiges los werden will. Um einen der ältesten Stadtteile von Teuchern, den so genannten Bauberg, soll es ...

Von Anka Stolper-Heinike 19.07.2002, 14:40

Ein großes Hallo setzt ein, als die MZ in der Teucherner Gaststätte "Angermann" eintrifft. Ja, es ist schon eine lustige Stammtisch-Runde, die da unbedingt einiges los werden will. Um einen der ältesten Stadtteile von Teuchern, den so genannten Bauberg, soll es gehen.

Seit zwei Jahren treffen sich Wilfried Ludwig, Karl Lohse, Walter Behr, Lutz Reinhardt, Klaus Wagner, Klaus Kohlbach, Rudolf und Dirk Angermann immer sonntags um 16 Uhr in der Gaststätte. "Gerade in der Punktspielzeit ging es um die Partien unserer Mannschaft am Tag zuvor", erzählt Lutz Reinhardt, der sich in Teuchern vor allem für diese Sportart engagiert. Doch irgendwann glitten die Gespräch ab in die gute alte Zeit. Vieles drehte sich um den Stadtteil, in dem die sieben Männer aufgewachsen waren und teilweise heute noch leben - den Bauberg. Er umfasst die heutige Goethestraße (früher Pegauer Straße), die Osterstraße, die Hohe Straße, die Schillerstraße, die Bergstraße und die Straße des Aufbaus, den früheren Ochsenweg.

Die Idee, aus den Geschichten von früher und den Erinnerungen von heute eine Art Chronik zu machen, entstand während einer der vielen Stammtisch-Runden im Kopf von Walter Behr, dem jüngsten in der gestandenen Männertruppe. Wilfried Ludwig, dessen Leidenschaft für die Geschichte von Teuchern in der gesamten Stadt bekannt ist, arbeitete alles während vieler Stunden auf. Zu den Texten kamen originale Fotos, die der Rentner über Jahrzehnte hinweg gesammelt hatte oder auch von ihm selbst angefertigte Aufnahmen aus der jüngeren Zeit. Viele davon zeigen Gebäude, die es heute in der Kleinstadt nicht mehr gibt.

"Prost Bauberg", rufen die Männer und gönnen sich einen kleinen Puffer, ehe sie die liebevoll gefertigte Chronik mit der Aufschrift "Rund um den Bauberg - Die Pegauer Straße, heute Goethestraße" aufschlagen. "Mensch, guck mal, kennst du das noch?", ruft Klaus Kohlbach, der Spaßvogel in der humorvollen Truppe, der gern auch mal ein Liedchen über sein Teuchern trällert. Dann zeigt er auf ein altes Foto aus dem Jahr 1939, das die untere Pegauer Straße mit der Ritterguts-Brennerei, dem Speicher sowie den Häusern vom Bäcker Hanemann, Klempner Hamann und den Familien Christ und Nochten-Winkler zeigt. "Klar", meint Wilfried Ludwig schmunzelnd. Er zeigt auf eine kleine Gestalt auf dem Foto und sagt: "Das da unten bin ich als Kind."

Erinnerungen ruft auch das Bild von 1933 hervor, auf dem die alte Rittergutsscheune zu sehen ist, vor der einer der Festwagen für den Umzug zur 1000-Jahr-Feier Teucherns steht. Und selbst von der Demonstration am 1. Mai 1911 findet sich in der Bauberg-Chronik ein Foto.

Ein paar Seiten weiter gibt es etwas ganz Besonderes - die Spitznamen einiger Teucherner. So wurde Kurt Pfeifer vom Lebensmittelgeschäft in der Osterstraße nur Kokelmann gerufen. Der Atscher war Fritz Fricke aus der Pegauer Straße. Und Kurt Eberhardt, den Sohn vom Lichtmann in der Pegauer Straße, rief man überall in Teuchern nur die Kuller. Walther Thrandorf, der zum Neulehrer umgeschulte Friseur, war bei den Teuchernern der Pinsel oder Schaumschlag.

Dann sind da noch jede Menge festgehaltene Aussprüche, Sitten und Bräuche. Selbst die Beschreibung von Kinderspielen wie Ditschen oder Hixen findet sich auf den Seiten der Chronik vom Bauberg. "Eigentlich ist das hier alles viel zu schade für die Schublade", meint Walter Behr. Doch Wilfried Ludwig hütet die Chronik wie seinen Augapfel. Zu besorgt ist er, dass das wertvolle Zeitzeugnis in falsche Hände gerät. Zu erzählen haben sich die Baubergler noch eine ganze Menge. Vielleicht so viel, dass irgendwann noch eine kleine Chronik entsteht.