Nach dem Tod

Nach dem Tod: Wie in Zeitz Ruhestätten an Individualität gewinnen

Zeitz - Mensch und Tier in einem Grab auf dem Michaelisfriedhof in Zeitz? Diese Möglichkeit einmal anzubieten, so wie es in Aschersleben geschieht und seit neuestem in Görlitz, hält Ralf Steinbach nicht für ...

Von Torsten Gerbank 07.02.2017, 13:56

Mensch und Tier in einem Grab auf dem Michaelisfriedhof in Zeitz? Diese Möglichkeit einmal anzubieten, so wie es in Aschersleben geschieht und seit neuestem in Görlitz, hält Ralf Steinbach nicht für unmöglich.

Tier- und Mensch auf einem Friedhof in Zeitz? Friedhofsverwalter Rald Steinbach hält das für möglich

Steinbach verwaltet im Auftrag der Evangelischen Kirche Zeitz den Michaelisfriedhof und er sagt, dass sich für ein solches Angebot schon ein Platz finden würde. Allerdings fehle bislang die Nachfrage und damit der Ansatz, Pläne zu schmieden. Dass die Nachfrage nach derartigen Bestattungen nicht da sei, das führt Steinbach vor allem auf die Kosten und den Aufwand zurück. Denn seines Wissens nach dürfen in solchen Fällen Tiere nur eingeäschert bestattet werden. Und Krematorien, die derartige Leistungen anbieten, gebe es nicht viele.

Das Standesamt der Stadt Zeitz hat im Jahr 2016 weniger Sterbefälle beurkundet als im Jahr davor. Nach Angaben der Leiterin des Standesamtes, Marion Poppe, wurden im vergangenen Jahr 497 Sterbefälle beurkundete. Im Jahr zur waren es noch 575.

Die Evangelische Kirchgemeinde Zeitz ist sowohl für den Michaelisfriedhof als auch für den Stephansfriedhof zuständig. Der Michaelisfriedhof ist etwa acht Hektar groß. Diese Fläche ist vergleichbar mit der Grundfläche des Leipziger Hauptbahnhofs. Der Stephansfriedhof hat eine Größe von 1,6 Hektar.

Allein auf dem Michaelisfriedhof stehen rund 800 Bäume. Zu pflegen sind etwa sechs Kilometer Wege. Für beide Friedhöfe gibt es insgesamt sechs Mitarbeiter.

Was die Menschen aber im Gegensatz zu gemeinsamen Bestattungen mit Tieren immer mehr wollen: Die Namen ihrer Toten auf dem Friedhof lesen. Auf dem Michaelisfriedhof in Zeitz ist die Zahl der anonymen Bestattungen gesunken. Lag ihr Anteil vor zwei Jahren noch bei 70 Prozent, so findet heute nur noch jede zweite Beisetzung statt, ohne dass der Name des Verstorbenen später auf der Grabstelle zu lesen ist.

Aus Sicht von Steinbach ist das eine gute Entwicklung. Sie ist Ausdruck dafür, dass das neue Konzept, das seit 2015 auf dem Friedhof umgesetzt wird, Früchte trägt. Denn erklärtes Ziel ist es, individuellere und familiärere Angebote zu unterbreiten und in der Folge weniger namenlose Bestattungen durchzuführen. Damit haben am Ende auch mehr Menschen einen individuelleren Ort zum Trauern. „Der Anfang ist gut. Das neue Konzept muss sich ja erst herumsprechen“, sagt Steinbach.

Mehr Individualität und Personalisierung auf Grabplatten der Gemeinschaftsgräber

So gibt es zwar nach wie vor Gemeinschaftsgräber, aber immer mehr Menschen nutzen das Angebot, den Namen des Verstorbenen auf eine Tafel gravieren zulassen. Diese Angebot gibt es allerdings nicht nur auf dem Michaelisfriedhof, sondern auch auf dem ebenso zur evangelischen Kirche gehörenden Stephansfriedhof und auch auf Gottesäckern auf Dörfern der Region.

Das und die Tatsache, das im Jahr 2016 in Zeitz weniger Menschen gestorben sind als im Jahr zuvor, trug dazu bei, dass die Zahl der Bestattungen auf dem Michaelisfriedhof 2016 im Vergleich zu den Jahren davor gesunken ist. Waren es zunächst etwa 420 beziehungsweise rund 400 Bestattungen, so waren es nun noch 380.

Bestandteil des neuen Konzeptes ist das Angebot von sogenannten Paar- und Freundesgräbern. Dieses Angebot ist unter anderem dazu geschaffen, Hinterbliebenen die Entscheidung für ein separates Grab und gegen ein Gemeinschaftsgrab zu erleichtern. Denn bei diesem speziellen Angebot wird die Pflege der Gräber vom Friedhof übernommen.

Auf die Ruhestätten können Grabsteine gesetzt oder -platten gelegt werden. Es ist Platz, Blumen abzulegen. Ansonsten sind die etwa einen Quadratmeter großen Flächen entweder mit Bodendeckern oder mit Gras bewachsen. Mit dem Angebot können laut Steinbach all jene, die sich nicht regelmäßig um die Gräber ihrer Verstorbenen kümmern können, die Gewissheit haben, dass die Anlagen rund ums Jahr gepflegt sind. Paare oder Lebenspartnerschaften können gemeinsam bestattet werden, auch wenn keine Angehörigen mehr da oder zumindest nicht mehr vor Ort sind.

Von Oktober bis März ist der Michaelisfriedhof von 8 bis 18 Uhr geöffnet, von April bis September von 7 bis 20 Uhr

Der Friedhof im Internet: http://friedhof-zeitz.de

(mz)