Militärübung im Schutzgebiet

Militärübung im Landschaftsschutzgebiet Kuhndorftal: Worüber sich Kommunalpolitiker Uwe Kraneis dabei ärgert

Zeitz - Die Bundeswehr rückt am Sonnabend zu einer Übung in das idyllische Kuhndorftal ein. Warum das den Kommunalpolitiker Uwe Kraneis ärgert.

Von Yvette Meinhardt 19.01.2017, 07:00

„Ich bin entsetzt, dass ich aus der Mitteldeutschen Zeitung erfahre, dass die Bundeswehr am Sonnabend im Landschaftsschutzgebiet Kuhndorftal eine Übung machen will“, sagt Kommunalpolitiker Uwe Kraneis. Denn das Kleinod vor den Toren der Stadt dient gerade am Wochenende vielen Zeitzern als Ausflugsgebiet. Vor allem im Winter wird hier gern gerodelt und bei genügend Schnee auch Ski gefahren. Früher war das Gebiet rund um den sogenannten Oettlerhang als Klein-Oberhof bekannt.

In einer Anzeige bittet der Landrat des Burgenlandkreises jetzt die Bevölkerung darum, sich an diesem Sonnabend „von der übenden Truppe fernzuhalten“.

Bundeswehr meldet im Kuhndorftal ein Winterbiwak an

Für Sonnabend hat die Bundeswehr jetzt in der Zeit von 8 und 17 Uhr ein sogenanntes Winterbiwak angemeldet. Die MZ fragte beim Landeskommando Sachsen-Anhalt nach. „Es handelt sich um eine Übung der Reservisten. Genauer gesagt um einen zehn Kilometer langen Fußmarsch durch das Kuhndorftal und rund um den Ort Kuhndorf“, sagt Oberstleutnant Thomas Poloczek, Sprecher der Bundeswehr Sachsen-Anhalt. An der Übung nehmen rund 50 Reservisten teil.

Es gibt dabei drei Stationen. An der ersten soll ein Unfall und die daraus resultierende medizinische Erstversorgung simuliert werden. An der zweiten Station soll es um Waffentechnik gehen. Und an der dritten Station soll das Einrichten und Zielen geübt werden. „Auf der Schießanlage in Kuhndorf soll dann mit dem Gewehr G 36 und mit Pistole geschossen werden“, erklärt der Oberstleutnant weiter.

Militärübung der Bundeswehr: Im Kuhndorftal selbst soll nicht geschossen werden

Im Kuhndorftal selbst soll nicht geschossen werden. Aus diesem Grund sei es auch nicht gesperrt. „Der Marsch führt nur über öffentliche Wege und nicht ins Gelände. Wir haben keine Probleme damit, wenn Besucher uns dabei zuschauen. Bei großen Übungen wie zum Beispiel dem Blüchermarsch der Reservisten im vergangenen Juni in Laucha seien Zuschauer sogar willkommen. „Wohl wissend, dass die Übung in einem Landschaftsschutzgebiet stattfinden wird, haben wir alle Teilnehmer schriftlich darauf hingewiesen, dass im Kuhndorftal nicht geschossen werden darf und dass im Gelände kein Abfall entsorgt werden darf“, sag Poloczek.

Warum wird nicht im Zeitzer Forst geübt? „Wir möchten nicht heimlich und versteckt üben, sondern uns ganz bewusst der Öffentlichkeit präsentieren“, sagt Oberstleutnant Poloczek.

Ordnungsamtsleiter: „Mit Einschränkungen der Bevölkerung ist nicht zu rechnen“

„Wenn es sich wirklich nur um einen Marsch der Reservisten handelt, kann ich damit leben. Doch grundsätzlich wird mit diesem Vorgehen eine rote Linie überschritten, weil im Kuhndorftal am Wochenende viele Leute unterwegs sind“, sagt Kraneis. Er könne es nicht verstehen, dass die Bundeswehr neben ihrem militärischen Übungsgebiet im Zeitzer Forst neue Territorien beansprucht. „Ich hoffe mal, dass das nächste Manöver nicht im Schlosspark stattfindet“, sagt Kraneis.

Der Burgenlandkreis sieht das anders. „Mit Einschränkungen der Bevölkerung ist nicht zu rechnen“, teilt Peter Hoekstra mit. Er ist Leiter des Rechts- und Ordnungsamtes der Kreisbehörde. Da die Übung keinen Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet darstelle, sei sie nach Ansicht der Behörde auch zulässig. Die örtlichen Ordnungsbehörden seien darüber informiert. Sollten wider Erwarten Schäden entstehen, so sei die Bundeswehr ersatzpflichtig. „Die Veröffentlichung der Übung erfolgt nur deshalb in der Presse, da im fraglichen Gebiet insbesondere samstags die freizeitliche Benutzung durch die Bevölkerung sehr groß ist“, heißt es weiter in der Pressemitteilung. (mz)