Raubtier gesichtet

Ein Wolf im Zeitzer Forst? Behörden prüfen Fall

Lonzig - Fotos zeigen ein junges Exemplar in dem Waldgebiet nahe der Landesgrenze. Experten bestätigen, dass es sich um das Raubtier handelt.

Von Sebastian Münster

Es ist offiziell: Der Wolf wurde im Zeitzer Forst gesichtet. Mehrere am Sonntag entstandene Fotos belegen, dass es sich um ein junges Exemplar handelt. Das sagte Antje Weber, Wolfsbeauftragte des Naturschutzbundes, der MZ.

Nicht erkennbar ist das Geschlecht des fotografierten Tieres, so die Diplom-Biologin aus der Altmark. Geklärt werden müsse nun, ob es sich nur um einen Durchwanderer handelt oder ob Isegrim dauerhaft im Zeitzer Forst heimisch wird.

Bereits im Januar sagte die Wolfsexpertin der MZ, dass sich das Waldgebiet als Lebensraum für das Raubtier eigne. „Er muss den Zeitzer Forst nur finden“, so Weber damals. Das ist nun offenbar passiert. Ein aktives Wolfsmonitoring hat es an Sachsen-Anhalts südlicher Landesgrenze bislang nicht gegeben. Lediglich eingehende Hinweise werden behördlich geprüft. Hinzu kommt: Rund 900 des insgesamt 4.000 Hektar großen Waldgebietes hat der Bund 2013 an die Deutsche Bundesumweltstiftung übertragen. Betreten darf diesen Teil des Forstes aus Sicherheitsgründen niemand. Der Grund sind Munitionsreste in dem Waldstück.

Woher der Wolf im Zeitzer Forst kommt, könnten nur Genproben klären, so Wolfsforscherin Weber. Solche Proben, die sich etwa aus Kotspuren gewinnen lassen, gleichen Experten dann mit einer internationalen Datenbank ab. Erst dieses aktive Monitoring könnte auch klären, ob es sich um einen Einzelgänger oder um mehrere Tiere handelt. Aufklärungsarbeit bei Anwohnern und Tierhaltern vor Ort sei dann, falls nötig, der nächste Schritt.

Keine verstärkten Sicherheitsvorkehrungen im Zeitzer Forst

Einer, der den Wolf bereits kennt, ist Heinz Bley. Der Öko-Landwirt und Bürgermeister der thüringischen Gemeinde Crawinkel (Landkreis Gotha) betreibt als Dienstleister mit Rindern und Pferden Landschaftspflege auf den Flächen der Deutschen Bundesumweltstiftung im Zeitzer Forst. Bleys Betrieb in Thüringen liegt wenige Kilometer entfernt vom Truppenübungsplatz Ohrdruf. Die Region gilt als ausgewiesenes Wolfsgebiet, seit dort 2015 die Ansiedlung einer allein lebenden Wölfin nachgewiesen werden konnte.

Im Zeitzer Forst wird Bley keine verstärkten Sicherheitsvorkehrungen treffen. Bley nutzt einfache Elektrozäune. Im Schadensfall stünde ihm so keine Entschädigung zu. „Da springt der Wolf drüber oder kriecht drunter durch. Das Risiko gehe ich ein.“ Vor einer Herde dieser Größe schrecke das Raubtier in der Regel zurück, so die Erfahrung des Nutztierhalters.

Wolfsfotos aus dem Zeitzer Forst werden behördlich überprüft

Ohnehin plädiert der Thüringer Kommunalpolitiker bereits seit längerem für einen Wegfall des aufwendigen Entschädigungssystems und will stattdessen eine pauschal höhere Vergütung für die Landschaftspflege mit Tieren in ausgewiesenen Wolfsgebieten erreichen. Denn für den Öko-Landwirt ist klar: „Dann geht das Geld auch an die Bauern und nicht an Gutachter.“

Die Wolfsfotos aus dem Zeitzer Forst werden nun behördlich überprüft, so Andreas Berbig. Der Rissgutachter des im Aufbau befindlichen Wolf-Kompetenzzentrums Sachsen-Anhalt hofft außerdem auf weitere Hinweise, etwa durch die im Forst aktiven Jagdpächter. Der Wolf gehört in Deutschland bereits seit 1990 zu den streng geschützten Tierarten. (mz)