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Stadtmuseum im Zeughaus Stadtmuseum im Zeughaus: Bald wird eröffnet!

Von Irina Steinmann 08.12.2018, 14:26
Noch ist längst nicht alles an Ort und Stelle. Dieses Schweinchen etwa harrte am Freitag noch in einem schnöden Umzugskarton aus.
Noch ist längst nicht alles an Ort und Stelle. Dieses Schweinchen etwa harrte am Freitag noch in einem schnöden Umzugskarton aus. Klitzsch

Wittenberg - Dies ist kein Naturkundemuseum und es will auch keine völkerkundliches sein. Das Wittenberger Zeughaus, das am 21. Dezember als Weihnachtsgeschenk an Einwohner und Gäste eröffnet wird, versteht sich als ein Ort, der mit Stadtgeschichte vertraut macht und auf diese Weise auch identitätsstiftend wirkend möchte. Zur Stadtgeschichte gehört Julius Riemer (1880 bis 1958), der große Sammler, nach dem einst das Museum im Schloss benannt war.

Und deshalb sind jetzt auch die Affen wieder da, eine ganze Vitrine voll empfangen sie den Besucher gleich am Eingang im zweiten Obergeschoss, das sämtlich „Riemers Welt“ vorbehalten ist.

Etwa 1500 Objekte, darunter zahlreiche Stücke, „die niemals zuvor ausgestellt waren“, bekommen die Besucher allein hier zu Gesicht, verspricht Andreas Wurda, der Leiter der Städtischen Sammlungen. Aber natürlich auch Altbewährtes wie den prächtigen Sarkophag mit der ägyptischen Mumie.

Der Sammler in seiner Zeit

Die „Geschichte“, die die Stadt Wittenberg hier mit Hilfe der Leipziger Agentur „Kocmoc“ erzählen möchte, ist der Sammler in seiner Zeit. Riemer, umgeben von großen dunklen, historisch anmutenden Vitrinenschränken, Riemer beim Auspacken von groben Kisten mit Neuzugängen, dies ist die Atmosphäre, die in diesem Obergeschoss geschaffen wird.

Am Eröffnungstag bietet das neue Museum freien Eintritt und abendliche Öffnungszeiten von 18 Uhr bis Mitternacht. Die Wittenberger Hofkapelle macht Musik und die Mitarbeiter der Städtischen Sammlungen stehen für Informationen und spontane kleine Führungen bereit. Der Berliner Ethnologe Nils Seethaler, Mitglied des Riemer-Freundeskreises, wird einen Vortrag halten. Rundum fertig wird das Haus zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht sein. Dies gilt etwa für die Museumspädagogik im zweiten Obergeschoss, der Raum soll Anfang 2019 fertig werden. Auf Audioguides wird komplett verzichtet, es wird aber Hör- und Medienstationen direkt an Vitrinen geben, etwa am „Karussell“ in „Riemers Welt“.

„Diese Idee wird tragen“, zeigte sich Kocmoc-Mitarbeiter Jan Wünsche am Freitag bei einer Vorbesichtigung für die Presse zuversichtlich. Seit vielen Jahren begleitet der Museologe mit seinen Kollegen die Entstehung des Museums, die ungleich länger ausfällt als bei vergleichbaren Projekten, insbesondere wegen der Zwangspausen durch Zwischennutzer des Gebäudes.

Im ersten Obergeschoss, das zu „Streifzügen durch die Stadtgeschichte“ von der Nacheiszeit bis heute einladen will, braucht man noch deutlich mehr Fantasie um zu glauben, dass all dies binnen der verbleibenden zwei Wochen bis zur Eröffnung im Wesentlichen tatsächlich fertiggestellt sein soll. Handwerker werkeln eifrig an den hellen, flachen Vitrinenbändern, die, geordnet nach Themenbereichen, etwa 400 Exponate beherbergen werden.

Ein komplett anderer Eindruck als im heimeligen Dachgeschoss. „Der Raum wird erkennbar bleiben“ als solcher, erläutert Wünsche die komplette Abwesenheit von Trennwänden.

Nashorn mit Riss

Über zweieinhalb Jahre hinweg, so Museumschef Wurda, sind die für die Ausstellungen bestimmten Stücke entsprechend restauriert worden. Ganz abgeschlossen ist dieser Prozess noch nicht, wie beispielsweise ein kleines Nashorn zeigt, das im Erdgeschoss herum- und damit noch nicht am vorgesehenen Platz steht, gleich neben einer komplexen Mausefalle aus der Zeit um 1700 und Original-Schlössern aus dem Cranach-Haus Schloss-Straße 1 und Dutzenden weiteren Exponaten, die in den nächsten Tagen noch plaziert werden sollen.

Das Nashorn, frühes 20. Jahrhundert, hat einen Riss, der Präparator müsse es erst noch „ausstellungsfit“ machen, so Wurda. Das graue Tierchen zeigt auch eines sehr deutlich: Über die naturkundlichen Stücke ist die Geschichte ebenfalls hinweggegangen, es hat sie historisiert.

Ob dieser Freibrief des „Es war einmal“, diese in Anspruch genommene Zeitzeugenschaft auch für tote Menschen gelten darf? Der Schrumpfkopf ist, gottlob, ein Imitat. Doch die „Inka-Mumien“, sie sind nach wie vor echt. (mz)

Aus Privatbesitz stammt dieses Original-Schloss vom Haus Schloss-Straße1.
Aus Privatbesitz stammt dieses Original-Schloss vom Haus Schloss-Straße1.
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It’s teatime! Andreas Wurda mit Teegebäck von Wikana aus den 1970ern
It’s teatime! Andreas Wurda mit Teegebäck von Wikana aus den 1970ern
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Na, du Nase?! Ein Objekt aus der Affenschar, die den Besucher in  „Riemers Welt“ empfängt. Dem Sammler Julius Riemer ist das gesamte Obergeschoss des Zeughauses gewidmet.
Na, du Nase?! Ein Objekt aus der Affenschar, die den Besucher in  „Riemers Welt“ empfängt. Dem Sammler Julius Riemer ist das gesamte Obergeschoss des Zeughauses gewidmet.
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