Reformationsjubiläum

Reformationsjubiläum: Freiraumgalerie mit Thesentüren in Wittenberg eröffnet

Wittenberg - Wittenberg präsentiert mit den „95 Türen zur Reformation“ außergewöhnliche Ausstellung.

Von Marcel Duclaud 21.09.2016, 04:00

Der Fantasie sind wenig Grenzen gesetzt. Was Heutige mit dem Damals verbinden, mit einer Zeit, als Wittenberg weithin mit unerhörter Erneuerung in Verbindung gebracht wird, man kann das jetzt mitten im Zentrum der Lutherstadt betrachten. Seit Dienstag wartet Wittenberg mit einer Open-Air-Galerie auf, die ihresgleichen suchen dürfte - und bereits vor der Eröffnung auf beträchtliches Interesse stößt.

Entlang des Stadtbaches in Schloss- und Collegienstraße sind 95 ganz besondere Türen aufgestellt. Die Zahl ist kein Zufall, natürlich, sie lehnt sich an an die 95 Thesen Martin Luthers. Und die Türen lehnen sich wiederum an an die berühmte geschichtsmächtige Aktion vor knapp 500 Jahren. Sie sollen „Thesen eigener Art zum Reformationsjubiläum“ sein.

Das sind sie in ganz verschiedenem Maße. Mit sehr unterschiedlichen Handschriften und künstlerischem Können, Ideen und Originalität, mal brav, mal provokant, mal hintergründig haben sich zahlreiche, zumeist junge Menschen aus der Region mit Luther und der von ihm ausgelösten Reformation auseinandergesetzt, haben erkundet, was übrig geblieben ist, was Bestand hat, was die Geschichte dem 21. Jahrhundert zu sagen hat.

Dem Ideengeber der Aktion - der Initiative kik für Wittenberg - ist es wichtig, dass „nichts von außen in die Stadt geholt wird“, dass das kreative Potenzial der Region sichtbar wird. Das ist offenkundig gelungen. Zahlreiche Schulen beteiligen sich, Vereine, Firmen wie die MZ, Privatpersonen. Sie alle bereichern das anstehende Jubiläum, verleihen ihm mit ihrer spezifischen Tür-Gestaltung Bodenhaftung.

Gerne werden Luther-Zitate verwendet, gerne Luther-Porträts, mal verfremdet, mal in knalligen Farben, die Lutherrose ist ein beliebtes Motiv. Collagen sind entstanden und Comics, ein Nagelbild sticht heraus, manche hantieren mit der Form des Puzzles, um Geschichten zu erzählen.

In der Gruppenwertung haben gewonnen:

- Gymnasium Jessen (Tür Nr. 7)

- Grundschule Trebitz (Tür Nr. 25)

- Grundschule Nudersdorf (Tür Nr. 28)

- Kirchspiel Dobien (Tür Nr. 34)

- Gesamtschule im Gartenreich (Tür Nr. 52) -Kunstgruppe Augustinuswerk (Tür Nr. 55)

- Lucas-Cranach-Gymnasium (Tür Nr. 60)

- Förderschule Pestalozzi, Wittenberg (Tür Nr. 80)

Der Sonderpreis für beste Schulen geht an die Berufsbildenden Schulen Köthen.

Die Einzelpreise gehen an: Miriam Jehle (Tür Nr. 79) sowie Marco Glaß und Rami Hariri aus Wittenberg (Tür Nr. 93).

Ein „neuer Martin“ wird gezeigt, mit Basecap und Sonnenbrille, zudem die „noch stärkere Frau“ an Luthers Seite, ein Labyrinth empfiehlt: „Geh Deinen Weg.“ Beliebt ist das Smartphone als Zeichen der Moderne. Es sendet Nachrichten: Luther is back. „Ich denke nach. Die Welt, die gehet auf die Neige. Gott helfe ihr.“ Auch neue Thesen finden sich: „Sei offen für Neues“ heißt es da oder, sehr aktuell: „Wir können andere nicht ausgrenzen, ohne uns selbst einzusperren.“

Am Dienstagnachmittag wird die außergewöhnliche Freiluftschau eröffnet. Mit einem Auftritt von Schülern des Luther-Melanchthon-Gymnasiums, die einen passenden Rahmen schaffen, mit kurzen Reden und einer Preisverleihung. Neben zahlreichen Schulen wird die „Eva“ von Miriam Jehle ausgezeichnet, ihre Arbeit lässt sich nicht übersehen. Anhand des Bibelzitats „Prüfet aber alles“ zeigt sie ein wesentliches Element der Reformation.

Eva hält dem Betrachter den Apfel vom Baum der Erkenntnis entgegen und fordert ihn auf, sich zu bedienen. Im Übrigen vergibt nicht nur die Jury Preise, sondern auch das Publikum. Bis zum Ende der Schau am 31. Oktober kann im Internet abgestimmt werden. (mz)