Reformationsjubiläum

Peter Benedix - Woran du dein Herz hängst: Wittenberger Regisseur dreht Langzeit-Doku zum Jubiläum

Wittenberg - Der 36-Jährige wurde in der Lutherstadt geboren, lebt heute in Berlin.

Von Alexander Baumbach 30.01.2017, 15:00

Es ist nichts weniger als ein Mammut-Projekt, das sich Peter Benedix vorgenommen hat. Der Filmregisseur möchte das Reformationsjubiläum in der Lutherstadt Wittenberg in einer Langzeit-Dokumentation begleiten.
„Ich will das aus der Sicht der Stadt, quasi des Wittenberger Bürgers, zeigen“, erklärt der 36-Jährige gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung.

Spannend dürfte das werden - in einer Region, in der ein großer Anteil der Bevölkerung konfessionslos ist und mit diesen religiösen Großveranstaltungen konfrontiert wird. „Obwohl 80 Prozent der Leute hier nicht in der Kirche sind, kommt man ja dennoch nicht um das Thema herum. Wir sind alle damit großgeworden“, erzählt Peter Benedix.

Deswegen sei es auch wichtig, die Ereignisse rund um das Jubiläum festzuhalten.

Euphoriker und Skeptiker: Jeder Wittenberger wird vom Reformationsjubiläum verändert

„Es gibt die Skeptiker und die Euphoriker - und die ganze Bandbreite dazwischen. Egal, wie man dazu steht: Jeder, der nicht völlig desinteressiert an dem Thema ist, wird sich in dem Jahr verändern. Das Jubiläum wird jeden verändern“, gibt sich der gebürtige Wittenberger, der heute in Berlin lebt, überzeugt.

Neben dem optischen Erscheinungsbild der Stadt und seinen Veränderungen über das Jahr 2017 gibt es aber natürlich auch noch Protagonisten aus Fleisch und Blut. Benedix versucht hier, nicht nur mit den „üblichen Verdächtigen“ zu arbeiten. „Natürlich ist Oberbürgermeister Torsten Zugehör als Interviewpartner dabei, und auch Stadtkirchenpfarrer Johannes Block - aber ich drehe auch gern im Alltag, bin regelmäßig etwa im Kronhaus oder im Culinela in der Mittelstraße“, erzählt der Regisseur.

Land und Bund geben keine Fördermittel für Projekt von Peter Benedix

Nur steht Benedix jetzt vor einem großen Problem: Ein Großteil der für den Film notwendigen finanziellen Mittel ist ihm weggebrochen. „Obwohl der Kulturausschuss der Stadt Wittenberg und damit auch der Stadtrat das Projekt befürworten und dafür bereits finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt haben, sind die Fördermittel vom Land nicht zugesagt worden“, erzählt der Filmemacher.

„Die Ablehnung ist nicht wirklich begründet - aber in der Konsequenz wurden die Fördermittel auf Bundesebene auch nicht bewilligt“, berichtet er. Normalerweise ist das der Punkt, an dem man die Flinte ins Korn werfen könnte. „Das kann ich aber nicht tun, es ist ja ein tolles Projekt“, erklärt der Wittenberger im Berliner Exil, der die Dreharbeiten online im einem Weblog begleitet.

Nun gelte es, das benötigte Geld aufzutreiben. Benedix spricht von rund 44.000 Euro für Gehälter, Reisekosten und Technik, die noch fehlen. „Diese große Summe schreckt zwar erst mal ab, aber auch den größten Betrag kann man aus kleinen Teilen zusammensetzen.

Sponsoren für „Woran du dein Herz hängst“ aus der Wittenberger Wirtschaft gesucht

Das Geld, das jetzt da ist, reicht bis Mai“, gibt er sich dennoch optimistisch. Teilweise sind bis zu zehn Leute in der Crew zu bezahlen. „Das ist dann ohne Puffer gerechnet - und ich zahle mir bei dieser Summe selber nichts.“

„Mein Ziel ist es nicht, dass der Film möglichst viel Geld einbringt, sondern dass ihn möglichst viele Leute sehen. Deswegen arbeite ich auch nicht mit einer Produktionsfirma oder einem Sender zusammen, der das Projekt zu einem kleinen Teil finanziert, ein immenses Mitspracherecht genießt und dann den Film irgendwann Dienstagabend um 23.55 Uhr sendet“, erklärt der Diplomingenieur für Computervisualistik, der seinen Lebensunterhalt mit Softwareentwicklung und Filmarbeiten verdient.

Benedix versucht jetzt, an anderer Stelle Fördermittel vom Land Sachsen-Anhalt zu beantragen. Außerdem könnte die internationale Lutherstiftung dem jungen Filmemacher helfen. „Ich bin für jede Hilfestellung und jeden Tipp dankbar. Ich will mich jetzt an die Wittenberger Wirtschaft wenden, vielleicht gibt es da ja auch Unterstützer“, hofft Benedix.

Premiere von Dokumentarfilm zu „Luthers Hochzeit“ 2018

Mit Wikana und der Touristinfo, die jeweils 500 Euro beigesteuert haben, sei bereits ein Anfang gemacht. „Ich würde mich so gerne darauf konzentrieren, einen schönen Film zu machen - aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das nach dieser Durststrecke gestemmt bekommen. Es gibt so viel Zuspruch aus der Stadt, es wäre ja gelacht, wenn das nicht funktioniert“, ist er optimistisch.

Premiere soll „Woran du dein Herz hängst“ dann beim Stadtfest „Luthers Hochzeit“ im Jahr 2018 haben. Die DVD, die für den Endkunden 15 Euro kosten wird, soll für Läden im Ankauf vier Euro kosten. (mz)