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Gastronomie im Landkreis Wittenberg Nach Senkung der Mehrwertsteuer: Schnitzel wird nicht billiger

Trotz gesenkter Mehrwertsteuer gehen Preise in Restaurants eher nicht zurück. Das scheint auch auf die Region zuzutreffen. Mit welchen Argumenten das begründet wird.

Von Marcel Duclaud und Corinna Nitz 10.01.2026, 10:00
Stephan Ziegler: Der Wörlitzer Gastronom betreibt das „Zieglers“ und die „Elbterrasse“. Er begrüßt die Absenkung der Mehrwertsteuer.
Stephan Ziegler: Der Wörlitzer Gastronom betreibt das „Zieglers“ und die „Elbterrasse“. Er begrüßt die Absenkung der Mehrwertsteuer. (Foto: Thomas Klitzsch)

Wittenberg/MZ. - Wird im Lokal das Schnitzel jetzt billiger, die Kartoffelsuppe, die Pizza? Diese Hoffnung verbinden nicht wenige Restaurantbesucher mit dem Absenken der Mehrwertsteuer von 19 auf nun sieben Prozent am Beginn des neuen Jahres.

Allerdings ist solchen Erwartungen in etlichen Berichten bereits im Vorfeld ein Dämpfer verpasst worden mit dem Verweis auf steigende Preise und Ausgaben in verschiedenen Bereichen. Und dass die Gastronomie unter Druck steht, das ist ja offensichtlich und ablesbar nicht zuletzt an einer wachsenden Zahl von Betrieben, die ihre Türen schließen.

Eine stichpunktartige Umfrage im Landkreis Wittenberg bestätigt, dass die Preise in Gaststätten trotz niedrigerer Mehrwertsteuer eher nicht zurückgehen werden.

Team der Schönen Aussicht hat hin- und hergerechnet

Patrick Florack zum Beispiel, der das beliebte Ausflugslokal „Schöne Aussicht“ bei Bad Schmiedeberg betreibt, winkt ab: „Wir haben hin- und hergerechnet, wir haben definitiv überlegt, können die Preise aber leider nicht senken.“ Der Gastronom spricht insbesondere die Kosten beim Einkauf an, die deutlich gestiegen seien und zudem die Lohnkosten.

Die „Schöne Aussicht“ bei Bad Schmiedeberg ist auch im Winter einen Besuch wert.
Die „Schöne Aussicht“ bei Bad Schmiedeberg ist auch im Winter einen Besuch wert.
(Foto: Th. Klitzsch)

Bei der „Schönen Aussicht“ sind nach seinen Worten sieben festangestellte Mitarbeiter beschäftigt, hinzu kommen etliche Aushilfen, die gerade in den Stoßzeiten im Sommer benötigt werden. Weil der Mindestlohn aber bekanntlich von der Politik ein weiteres Mal heraufgesetzt worden ist, muss ein Abstand geschaffen werden zwischen Aushilfen und dem Personal, das ständig vor Ort ist. Das treibe die Kosten nach oben.

Also: Die Preise werden in der „Schönen Aussicht“ wohl nicht zurückgehen, dafür verspricht Patrick Florack, sie stabil zu halten.

Generell laufe das Geschäft recht ordentlich, berichtet der Bad Schmiedeberger: „Im Sommer natürlich besser als im Winter. Aber das ist ja vielerorts der Fall. Wir können uns nicht beklagen.“ Allerdings sei spürbar, dass bei zahlreichen Gästen das Geld nicht mehr so locker sitze: „Es wird in den Gaststätten nicht mehr so viel ausgegeben.“

Gäste in den Restaurants achten aufs Geld

Eine Erfahrung, die auch Stephan Ziegler gemacht hat. „Die Leute achten mehr aufs Geld“, sagt der 43-jährige Wörlitzer Gastronom. Im Ort betreibt er das „Zieglers“ und etwas entfernt das idyllisch am Fluss gelegene Hotel-Restaurant „Wörlitzer Elbterrasse“. Während sich letztere aktuell in der Winterpause befindet, werden im „Zieglers“ weiter kulinarische Genüsse bereitet. Über die Kaufbereitschaft der Kundschaft sagt Ziegler, der auch Vorsitzender des Anhaltischen Kochvereins ist, dass es manchmal eben nur ein Getränk sei und nicht immer auch eine Vorspeise bestellt würde. Unzufrieden sei er aber nicht.

Die geänderte Mehrwertsteuer in der Branche sei gut und sinnvoll. Wie andere, so verweist aber auch Stephan Ziegler zugleich auf gestiegene Kosten für Löhne, Lebensmittel und Betriebsaufwendungen. Trotzdem könne geschaut werden, ob und gegebenenfalls wo im Einzelfall ein Preis womöglich gesenkt werden könnte.

Nur ein Teil der Gastronomie: Bar profitiert nicht

Dass zwar Restaurants, nicht aber Bars von der jetzt in Kraft getretenen Mehrwertsteuersenkung profitieren, erklärt Martin Kramer von Charles Bar in Wittenberg. Und das ärgert den mehrfach ausgezeichneten Cocktail-Mixer hörbar: „Es betrifft uns nicht: Bars nicht, Discos oder Clubs nicht.“

Es heiße immer, der Gastronomie werde geholfen, aber tatsächlich sei nur ein Teil der Gastronomie gemeint: „Wir haben null Mehrwert.“ Klagen will der Wittenberger trotzdem nicht. Das Geschäft mit dem umfangreichen Angebot an Cocktails in Charles Bar laufe: „Aber wir tun auch eine Menge dafür.“