Lutherhaus

Lutherhaus : Andrang vor der Schließung in Wittenberg

Wittenberg - Bis März 2017 wird das Museum in Wittenberg renoviert.

Von Corinna Nitz 29.08.2016, 16:45

„Wir renovieren“, so haben sie online getitelt und die Tage runtergezählt: Noch drei, noch zwei, noch einen - ist das Lutherhaus Wittenberg geöffnet. Und jetzt? Vorbei! Sonntagabend wurde das Museum der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt für den Publikumsverkehr geschlossen.

Bis 18 Uhr hatten sich trotz tropischer Hitze und späterem Wolkenbruch 384 Menschen auf den Weg gemacht. „Richtig schlimm“, sagte am Nachmittag Silvana Willer-Schinke am Empfang, schlimm sei der Sonnabend gewesen, da drängten sich 669 Besucher durchs Haus - zum Vergleich: 400 pro Tag seien es im Durchschnitt.

Am Sonnabend war es auch, dass die Sonderausstellung „Martin Luther. Sein Leben in Bildern“ eröffnet wurde. Zu sehen ist sie im Augusteum, die Vernissagegäste, unter ihnen die Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, Claudia Perren, und Jutta Fischer (SPD), Oberbürgermeisterin der anderen Lutherstadt - Eisleben -, waren zunächst in den Lutherhof gebeten worden.

Im Schatten der ausladenden Buche überreichten Mitglieder der Wittenberger Hofkapelle heitere Klänge und die Kuratorinnen der Schau, Jutta Strehle und Nadine Willing-Stritzke, eine kurzweilige Einführung in das, was nun an jenem Ort präsentiert wird, der 2015 mit der Landesausstellung „Entdeckung eines Meisters“ für Cranach den Jüngeren seine Premiere als Ausstellungsort hatte.

Die jetzige Sonderschau sei, so Strehle, zwar „nicht so spektakulär“ wie Cranach 2015 und sie werde sich „nicht messen können“ mit der 2017 geplanten nationalen Sonderausstellung. Ihre Stärke aber sei, dass 95 Prozent der Exponate aus den Beständen der Stiftung kommen und mehr als die Hälfte davon überhaupt erstmals gezeigt wird.

Als „mindestens gleichwertig“ bezeichnete Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) die Sonderschau. Und erinnerte auch daran, dass es die Schließzeit ermögliche, kostbare Originale für die Luther-Ausstellungen des Auswärtigen Amtes in den USA auszuleihen: „Die Ikonen gehen nach Amerika - und kommen hoffentlich wohlbehalten zurück.“

Zunächst einmal müssen die relevanten Objekte für den Transport vorbereitet werden. Wie Stiftungssprecher Florian Trott am Sonntag erklärte, beginnen diese Arbeiten am heutigen Montag. Zu den Leihgaben gehört wie berichtet auch der Tisch aus der Lutherstube und die wird laut Trott ebenfalls saniert. Es sei das erste Mal seit 50 Jahren - und es sei sozusagen ein „Projekt im Projekt“, für das Stiftungsmitarbeiterin Karin Lubitzsch habe Geld anwerben können.

Ansonsten müsse die Renovierung des Lutherhauses aus Eigenmitteln der Stiftung finanziert werden. Über 1,2 Millionen Besucher, so Stiftungsdirektor Stefan Rhein zur Vernissage, haben seit der grundhaften Sanierung und der Neugestaltung der Dauerausstellung 2003 das Museum besucht.

Das sieht man, beispielsweise sind Malerarbeiten kein Luxus. Modernisiert werde die Beleuchtung, Medienstationen dito. Wiedereröffnet wird das Lutherhaus Anfang März 2017. Und bis dahin können sich Besucher Luthers Leben in Bildern in der Sonderausstellung im Augusteum erschließen.

Am ersten regulären Tag dieser vielfältigen Schau haben das 25 Gäste getan. Die Mehrzahl der Museumsgänger nutzte wohl die letzte Möglichkeit, sich das Lutherhaus anzuschauen. Das hat vom 1. Januar bis Sonntag 6. 272 Besucher empfangen, allein im August waren es Trott zufolge 12.399. (mz)