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Ausstellung : Schau in Wittenberg setzt Luthers Leben neu in Szene

Wittenberg - Am Samstag wird im Augusteum eine neue Luther-Ausstellung eröffnet.

Von Petra Buch 25.08.2016, 16:38

Ob als großes Kino, Gemälde oder Comic-Serie: Unter dem Motto "Martin Luther. Sein Leben in Bildern" setzt eine Ausstellung in Wittenberg die Biografie des Reformators anhand von 260 Bildern und Objekten aus dem 16. bis 21. Jahrhundert in Szene. Dazu gehören Arbeiten bedeutender Künstler wie Ernst Barlach, Lovis Corinth und Adolf von Menzel. Neueste Handzeichnungen der Abrafaxe-Comic-Serie mit Luther als Held sowie 3-D-Bilder und Ausschnitte aus 30 Filmen - vom Stummfilmklassiker bis zum preisgekrönten Kinofilm - sind ebenfalls zu sehen.

Zentrale Themen der Schau auf rund 500 Quadratmetern sind Luthers Thesenanschlag an die Schlosskirche am 31. Oktober 1517, der Auftritt vor dem Reichstag in Worms am 17. April 1521 und sein Leben als Vater von sechs Kindern in der Ehe mit der Ex-Nonne Katharina von Bora.

Bei Luthers ging es lebhaft zu: Bis zu 40 Personen sollen täglich am Tisch der Familie in Wittenberg gesessen, diskutiert und getafelt haben. Schicksalsschläge gab es im Leben der Luthers aber auch, etwa der frühe Tod der Tochter Magdalena.

"Die Schau vermittelt eindrucksvoll, dass Luthers Leben zu jeder Zeit Stoff für eigene Bilder, Legenden und Mythen bot", sagte der Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten Stefan Rhein am Donnerstag. "Wir zeigen hier erstmals unbekannte Schätze aus unserer Sammlung", sagte er mit Blick auf die umfangreichen Bestände der Lutherstätten in Sachsen-Anhalt. "Das Besondere an der Schau ist, dass wir nicht das einzelne Porträt von Luther in den Mittelpunkt stellen, sondern Situationen und Begebenheiten aus seinem Leben", sagte Rhein.

Dazu gehört, dass er seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel der Kirche - sich von Sünden freikaufen zu können - mit einem Hammer und einem ganzen Korb an Nägeln an die Schlosskirche geschlagen haben soll.

Der Augustinermönch Martin Luther (1483-1546) aus Wittenberg hat weltweit Kirchengeschichte geschrieben. Am 31. Oktober 1517 schlug er der Überlieferung nach 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Wittenberger Schlosskirche. Das Datum markiert den Beginn der weltweiten Reformation und jährt sich 2017 zum 500. Mal. Luther verurteilte in seinen Thesen den von der Kirche praktizierten Verkauf von Ablassbriefen - sich von Sünden freikaufen zu können.

Die Reformationsbewegung im 16./17. Jahrhundert führte zur Trennung von Rom und zur Gründung der protestantischen Kirchen. Kritiker sprechen von Spaltung der Kirchen. Luther musste sich für seine Rebellion vor obersten Kirchengremien verantworten. Umstritten ist er bis heute wegen seiner Schriften zum Judentum.

Der Theologe sorgte laut Historikern auch mit seinem Privatleben für Aufsehen. Verheiratet mit der Ex-Nonne Katharina von Bora (1499-1552) wurde im Hause Luther der Überlieferung nach mit derben Sprüchen bei Tisch ausgiebig gefeiert. Seine Wurzeln hatte der Mönch im Mansfelder Land, wo er am 10. November 1483 in Eisleben als Sohn einer wohlhabenden Bergmannsfamilie geboren wurde. In die Kleinstadt zog es ihn auf seiner letzten Reise. Luther starb dort am 18. Februar 1546.

Das Ereignis gilt als Beginn der weltweiten Reformation der Kirche, in deren Folge die evangelische Kirche entstand. Kritiker sehen in der Reformationsbewegung bis heute als ein Spaltung der Kirche an. Die Wittenberger Ausstellung ist zugleich Teil der Vorbereitungen zum Reformationsjubiläum 2017 - wenn sich zum 500. Mal der Thesenanschlag jährt.

Der Luther nachgesagte Satz «Hier stehe ich, ich kann nicht anders» zähle bis heute zu den lebendigen Legenden, sagte Kuratorin Jutta Strehle beim Rundgang durch die Schau, die am Samstag eröffnet wird. Die Reflexionen auf Luthers Leben in Bildern reichten vom unerschütterlichen Helden, braven Zeitgenossen in der Biedermeierzeit bis zum verzweifelten Mann, erklärte Strehle.

Sie hat zusammen mit der Kuratorin Nadine Willing-Stritzke die Schau zusammengestellt. Auch ein Luther-Bild des Historienmalers Arthur Kampf wurde als Teil einer Bilderwand aufgehängt. Er galt als gefeierter Maler des NS-Regimes. Die Ausstellung ist bis zum 29. Januar zu sehen. (dpa)