Sanierung Lutherhaus

Sanierung Lutherhaus: Luther zieht ins Augusteum

Wittenberg - Das Gemälde zeigt Martin Luther auf dem Wormser Reichstag. Ziemlich selbstsicher wirkt er, wie er da vorm Kaiser steht. Seine linke Hand ruht auf einem Dokumentenstapel, die rechte weist nach oben. Auch Luthers Blick ist dorthin gerichtet. „Das ist die blanke Verfälschung“, sagt Jutta Strehle zu diesem Auftreten des Wittenbergers, denn dermaßen selbstbewusst hätte er „da nie gestanden“. Zwar blieb er bekanntlich standhaft, seine Lehren widerrief er ...

Von Corinna Nitz 22.03.2016, 19:36

Das Gemälde zeigt Martin Luther auf dem Wormser Reichstag. Ziemlich selbstsicher wirkt er, wie er da vorm Kaiser steht. Seine linke Hand ruht auf einem Dokumentenstapel, die rechte weist nach oben. Auch Luthers Blick ist dorthin gerichtet. „Das ist die blanke Verfälschung“, sagt Jutta Strehle zu diesem Auftreten des Wittenbergers, denn dermaßen selbstbewusst hätte er „da nie gestanden“. Zwar blieb er bekanntlich standhaft, seine Lehren widerrief er nicht.

Aber wohl war ihm ganz bestimmt nicht. Doch habe man besonders im 19. Jahrhundert in Luther vor allem eins sehen wollen: den Nationalhelden. Und der kriecht nicht und zeigt auch keine Nerven. Noch hängt das Historiengemälde in der großen Dauerausstellung zu Luthers Leben, Werk und Wirkung im Lutherhaus Wittenberg. Ab Ende August ist es in einer Sonderschau im Augusteum zu sehen, welche Kunsthistorikerin Strehle von der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt zusammen mit Nadine Willing-Stritzke (Dessau) kuratiert. Unter dem Titel „Martin Luther. Sein Leben in Bildern“ soll genau das gezeigt werden - und zwar von der Wiege bis zur Bahre, von alten Holzschnitten und Stahlstichen über Malerei bis hin zu den Abrafaxen aus dem Hier und Heute, so man Letztere bekomme.

Dass Strehle und Willing-Stritzke die Sonderausstellung konzipieren, hat mit der Schließung des Lutherhauses zu tun. Ab 28. August ist das Museum wegen Sanierungsarbeiten bis März 2017 geschlossen. „Das Haus hat gelitten“, erklärt Strehle unter Hinweis auf über eine Million Besucher, die seit der Wiedereröffnung des Museums 2003 (nach damals zweijähriger Sanierung und Neugestaltung) inzwischen gekommen sind. Mit durchschnittlich 85.000 Besuchern pro Jahr ist das Lutherhaus Wittenberg das Zugpferd der Stiftung unter ihren mittlerweile fünf Museen.

Über die in der Sonderausstellung „Martin Luther. Sein Leben in Bildern“ präsentierten Bilder heißt es bei der Stiftung Luthergedenkstätten, sie zeigten eindrucksvoll, dass Luthers Leben zu jeder Zeit Stoff für eigene Bilder, Legenden und Mythen bot: „Die Lutherbilder dienten dabei nicht nur als Medien der Geschichtsschreibung, sondern waren zugleich Quelle für Legendenbildungen: Irrtümer nicht ausgeschlossen“. Eröffnet wird die Schau am 28. August im Anschluss an die Schließung des Lutherhauses. Diese sanierungsbedingte Schließung ermöglicht es der Stiftung auch, 97 wertvolle Exponate aus Wittenberg für die Luther-Ausstellung „Here I stand...“ des Auswärtigen Amtes in den USA auszuleihen. (mz/cni)

Auch während der Schließzeit soll den Gästen mit der Sonderschau etwas geboten werden. Die wird im Augusteum präsentiert, wo bis November 2015 im Erdgeschoss Teile der großen Landesausstellung „Lucas Cranach der Jüngere - Entdeckung eines Meisters“ zu sehen waren, zieht nun im Spätsommer Luther ein. Auf 485 Quadratmetern in fünf Räumen werden über 200 Exponate gezeigt, darunter auch Figuren aus dem Kellergeschoss des Lutherhauses, die Luthers Familienleben lebendig werden lassen. Einige Münzen soll es geben, ebenso einen Film, doch den Mittelpunkt bilden die Historiengemälde aus der zweiten Etage des Lutherhauses.

Vielfältig sind die gewählten Themen - Thesenanschlag, Bannandrohungsbulle und Wartburg gehören ebenso dazu wie Bibelübersetzung und Eheschließung. Zum ersten Mal vollständig gezeigt werden soll der 48 Blätter umfassende Zyklus zu Szenen aus Luthers Leben von Gustav König (1808 bis 1869). Auch Grafiken von Lovis Corinth (1858 bis 1925) stellt Strehle in Aussicht. Über ihn, Corinth, sagt Strehle, er kümmere sich wirklich um den Menschen Luther, sie spricht von „seelischer Tiefe“, die den Bildern innewohnt.

Für die Sonderausstellung stehen Strehle zufolge 50.000 Euro zur Verfügung. Darin sei bis zur Reinigung „alles“ enthalten. Viel Geld ist das nicht, weshalb auch die Präsentationswände nicht umgestellt werden können. Stattdessen muss Strehle die Konzeption der Luther-Exposition an die für die Cranach-Landesschau entwickelte und noch vorhandene Ausstellungsarchitektur anpassen. Zu den großen Vorzügen gehört insoweit das ebenfalls seit 2015 vorhandene Beleuchtungskonzept im Augusteum.

Übrigens: Nicht nur Luther zieht ins Augusteum, ab 2. Oktober ist dort eine weitere Sonderschau zu sehen: „Gehrock, T-Shirt und Talar“ wird die 200-jährige Geschichte des Evangelischen Predigerseminars in Wittenberg beleuchten.(mz)