Kreisvolkshochschule in Wittenberg

Kreisvolkshochschule in Wittenberg: Die 100-Jährige hält sich jung

Wittenberg - Zum Jubiläum gibt es eine Zeitreise. Diese führt von der Stickstoffgewinnung aus der Luft über Opernaufführungen bis zum Nähkurs.

Von Sonja Poppe

Locker und festlich zugleich geht es an diesem Mittwochabend in der gut gefüllten Aula des Bildungszentrums Lindenfeld zu. Die Besucher des Festaktes zum 100-jährigen Bestehen der Kreisvolkshochschule Wittenberg kennen sich. Neben ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern sind auch Vertreter der Politik, anderer Bildungsträger und Ämter gekommen.

Thomas Sagner, der Direktor der Kreisvolkshochschule, begrüßt unter anderem Landrat Jürgen Dannenberg (Linke), dessen Stellvertreter Jörg Hartmann (CDU), Wittenbergs Bürgermeister Jochen Kirchner und den gerade neu gewählten Vorsitzenden des Beirates der Kreisvolkshochschule Reinhard Rauschning.

Bildung sei das „Rückgrat des Lebens“, streicht Landrat Dannenberg in seiner einleitenden Rede heraus. Die wichtigste Aufgabe der Kreisvolkshochschule sei daher die Förderung des lebenslangen Lernens, betont er und würdigt das Engagement aller Beteiligten vom Techniker bis zur Verwaltungsangestellten.

Einst nur für Eingeweihte

Unterhaltsam führt Thomas Sagner durch die Geschichte der Volkshochschule Wittenberg von ihrer Gründung im Oktober 1919 bis heute. Den ersten wissenschaftlichen Vortrag, erfahren die amüsierten Gäste, hielt damals der Direktor der Reichs-Stickstoffwerke Piesteritz zum Thema „Stickstoffgewinnung aus der Luft“ - folgen konnten diesem Vortrag allerdings nur Eingeweihte.

Ganz anders heute. In einprägsamen Schlaglichtern fängt Thomas Sagner den Zeitgeist einzelner Jahrzehnte ein und erläutert, was das für die Volkshochschule bedeutete. Zunächst sei das Programm geprägt gewesen durch Opern- und Theateraufführungen, wissenschaftliche Vortragsreihen und (Auffrischungs-)Kursen im Lesen, Schreiben und Rechnen.

Während Grundbildungskurse bis heute ein wichtiger Teil des Programms geblieben sind, sei man von den nur wenigen verständlichen Vortragsreihen bald wieder abgekommen und habe sich von da an eher am Bedarf der Menschen orientiert. Es sei wichtig, dass eine Volkshochschule sich den gesellschaftlichen Herausforderungen stelle und sich an den Zielgruppen orientiere, betont dann auch der ehemalige Direktor der Kreisvolkshochschule Stephan Köcke, der die Entwicklungen von der Wende bis zum Jahr 2018 beschreibt.

Das greift auch Thomas Sagner in seinen abschließenden Worten noch einmal auf und erklärt mit Blick auf die Anfangszeiten: „Wir bieten auf keinen Fall mehr Kurse und Vorträge an, die dem Publikum völlig unverständlich bleiben.“

Musikalisch unterlegt

Das Paul-Gerhardt-Orchester, Schüler und Mitarbeiter der Kreismusikschule lassen die Zeitreise durch passende Musikstücke und Sketche lebendig werden. So wird die Einführung der Schreibmaschinenkurse illustriert durch den durch Jerry Lewis bekannten „Schreibmaschinen-Sketch“. Ein passendes Musikstück zum Thema Nähkurse zu finden, sei allerdings schwierig gewesen, meint der Leiter der Kreismusikschule Markus Biedermann - bis er auf eine Arie aus „Figaros Hochzeit“ gestoßen sei, dort nämlich heiße es: „Oh säume länger nicht, geliebte Seele.“ Das Lebensgefühl der 70er Jahre beschwört eine kleine Band durch E-Gitarrenklänge herauf.

Der Walzer Nr. 2 von Dimitri Schostakowitsch geleitet die Gäste schließlich zum Buffet, wo sie noch eine ganze Weile lang angeregt miteinander plaudern. (mz)