Kreis Wittenberg

Kreis Wittenberg: «Auferstehung» geht in Erfüllung

WITTENBERG/MZ. - "Zerstörung ist leicht", sagt Martin Treu, Wiederherstellung dagegen manchmal eine ausweglose Angelegenheit. Ausweglos erschien in der Vergangenheit der Zustand eines lebensgroßen Porträts von Philipp Melanchthon: Die "Ruine des Bildes" (Treu) im Bestand des Lutherhauses Wittenberg war letztmalig 1972 erwähnt worden. Damals habe eine Gutachterin empfohlen, das Werk aus Pietätsgründen aufzubewahren. Hoffnung auf eine "Auferstehung" sah sie aber ...

Von CORINNA NITZ

"Zerstörung ist leicht", sagt Martin Treu, Wiederherstellung dagegen manchmal eine ausweglose Angelegenheit. Ausweglos erschien in der Vergangenheit der Zustand eines lebensgroßen Porträts von Philipp Melanchthon: Die "Ruine des Bildes" (Treu) im Bestand des Lutherhauses Wittenberg war letztmalig 1972 erwähnt worden. Damals habe eine Gutachterin empfohlen, das Werk aus Pietätsgründen aufzubewahren. Hoffnung auf eine "Auferstehung" sah sie aber keine.

Ethischer Anspruch

Das hat sich geändert, seit 2009 läuft an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) in Dresden das "Melanchthon-Projekt". Mit Mandy Hellinger, Tilly Laaser und Helena Dick kamen am Sonnabend drei Vertreterinnen jener Projektgruppe der HfBK ins Lutherhaus, die mit der Restaurierung des Bildes unter Leitung von Ursula Haller in der Fachklasse für Kunsttechnologie betraut wurde. Die Restauratorinnen erläuterten kenntnisreich und überaus detailliert die konservatorischen Arbeiten am Porträt

sowie die wissenschaftliche Vorbereitung und Realisierung der Gesichtsrekonstruktion. Erfreulich sei gewesen, dass das Bild von restauratorischen Eingriffen verschont geblieben war, was nicht eben oft vorkomme bei Gemälden aus dem 16. Jahrhundert. Erschütternd war der Allgemeinzustand: Abgesehen von 30 Rissen, die das Gemälde überzogen, war die Stelle, an der einst Melanchthons Antlitz zu sehen war, fast vollständig zerstört. Immer wieder war in diesem Zusammenhang von einer ethisch anspruchsvollen Aufgabe die Rede. Gerecht wurde man ihr auch durch Sorgfalt: über 100 Melanchthon-Porträts desselben Typus' waren wie berichtet verglichen worden. Und man zog eine Fotografie heran, auf der das Gemälde im Großen Hörsaal des Lutherhauses zu sehen ist (wo es bis zu seiner Zerstörung von 1883 bis 1945 hing). Bereits im März hatte Hellinger erste Rechercheergebnisse bei Karin Lubitzsch, Restauratorin im Lutherhaus, vorgestellt. Was zu diesem Zeitpunkt digital und malerisch entstanden war, zeigte Melanchthon mit vollem Haar und dichtem Bart. Ein Lächeln umspielte den Mund. Das Lächeln ist geblieben, sein Haar erscheint jetzt dünner.

Seinerzeit hatte Hellinger erklärt, sie werde wohl von dem Gesicht träumen. Es wäre interessant, vielleicht sogar unterhaltsam gewesen zu hören, was ihr in diesen Träumen begegnet ist. Doch wie ihre Vorrednerinnen beschränkte sich Hellinger in ihrem Vortrag auf Fakten. Am Ende waren gleichwohl zwei Stunden verstrichen, was daran lag, dass eine Lesung zu Beginn zeitlich offenkundig aus dem Ruder gelaufen war. Angelina Schüler, Freiwillige im Lutherhaus, und der Autor Klaus Seehafer präsentierten ihr Projekt "Bildung gefällig.?!", in dem Melanchthon selbst zu Wort kommt.

Spende macht's möglich

Ermöglicht wird die gut 40 000 Euro teure Restaurierung des Gemäldes, für welche die Stiftung Luthergedenkstätten eine Kooperation mit der HfBK einging, vor allem durch die Privatspende eines Mediziners aus Köln. Nachdem man noch bis vor kurzem das Porträt, das ein zentrales Exponat in der neuen Dauerausstellung im Melanchthonhaus werden soll, Lucas Cranach d. J. zugeschrieben hatte, wurde das jetzt relativiert. Treu sprach am Sonnabend vom "Umkreis" des Jüngeren. Das war neu.