K-Gebäude in Wittenberg

K-Gebäude in Wittenberg: Ein Depot wird es nicht

Wittenberg - Der Altbau neben dem Neuen Rathaus ist für die bisher angestrebte Nutzung ungeeignet. Auch die Wiederaufstellung von Schweizer Pavillon und „House of One“ verursacht hohe Kosten.

Von Irina Steinmann 17.10.2019, 10:42

Die Zukunft des so genannten K-Gebäudes ist überraschend wieder offen. Wie erst jetzt im Zuge der aktuellen Haushaltsberatungen öffentlich wurde, ist das historische Backsteingebäude neben dem Neuen Rathaus als Depot für die Städtischen Sammlungen nicht geeignet. Dies habe man bereits vor der Sommerpause festgestellt, räumte Bürgermeister Jochen Kirchner am Dienstag gegenüber der MZ ein.

Zu geringe Tragfähigkeit

Die gegenwärtige Tragfähigkeit gebe ein Depot nicht her und die Decken entsprechend zu verstärken, käme zu teuer, sagte er zur Begründung. Noch kurz vorm Jahreswechsel, Mitte Dezember 2018, hatte die Verwaltung gegenüber der Presse frohlockt, dass nun Fördermittel zur Sanierung des früheren Polizeigebäudes, das seit Jahren leer steht, zur Verfügung stünden - 2,4 Millionen, auf die Stadt entfiel ein Eigenanteil von 800000 Euro. Zwischenzeitlich, nach dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle 2015, war das Haus auch ganz konkret als Heimstadt für Geflüchtete vorgesehen, wurde dann aber doch nicht benötigt.

Jetzt steht inhaltlich wieder alles auf Anfang. Vorrang habe für die Verwaltung nun zunächst die Suche nach einem anderen Depot-Standort für den Sammlungsbestand, so Kirchner. Die Sammlung ist nach wie vor und vorübergehend auf mehrere Orte im Stadtgebiet verteilt, da das Zeughaus, Sitz des Stadtmuseums, selbst keinen Platz dafür hat.

Auch ein „Schau-Depot“, das zwischenzeitlich für Teile des K-Gebäudes im Gespräch war, also ein Lager mit Schauwert fürs Publikum, ist nun - mindestens - in eine weitere Ferne gerückt. Erst nach Lösung der Depot-Frage werde sich die Stadt überhaupt erst wieder mit dem gut 100 Jahre alten Haus befassen, sagte Kirchner am Montag im Bauausschuss.

Rückkehr der Geschenke

Zwei ungleich kleinere Bauwerke sind im Zuge der aktuellen Debatte um den Nachtragshaushalt ebenfalls wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Es handelt sich um zwei der „Geschenke“, die die Stadt nach dem Reformationsjubiläum 2017 bekommen und auch angenommen hat: den so genannten Schweizer Pavillon und die Miniaturausgabe des Berliner „House of One“. Die beiden Holzbauten standen während der Weltausstellung im westlichen beziehungsweise südlichen Teil der Wallanlagen.

Für den Schweizer Pavillon, der wie berichtet im Naturgarten „Vergissmeinnicht“ aufgestellt werden und von diesem auch genutzt werden soll, „erwarten wir in Kürze die Baugenehmigung“, berichtete die Fachbereichsleiterin fürs städtische Gebäudemanagement, Gabriela Günther, vor wenigen Tagen im Bauausschuss. Günther äußerte sich dort zu Änderungen im Nachtragshaushalt.

Für den Pavillon sind darin 63000 Euro eingestellt sowie 85000 für das „House of One“. Günther begründete dies insbesondere damit, dass für beide Bauten neue Fundamente gelegt werden müssen, beim „House of One“ müsse zudem das Dach erneuert werden. „Ein stolzer Preis“, räumte Günther ein, für beide Häuschen wolle man aber Sponsorengelder einwerben. Dies unterstrich im MZ-Gespräch Bürgermeister Kirchner.

Im Bauausschuss hatte es Kritik unter anderem wegen der Kosten gegeben. Ebenfalls in Frage stellte mancher, etwa AfD-Fraktionschef Volker Scheurell, den Nutzen des „House of One“; zudem fürchte er, so Scheurell weiter, Vandalismus auf der Andreasbreite, wo der Bau wieder hinkommen soll. Dass dieser weg war - verliehen nach Berlin - habe doch gar niemand bemerkt, sekundierte sein Parteikollege Dirk Hoffmann.

Gegen die Einwände gab es Widerspruch von Kirchner, der an den zugrundeliegenden Stadtratsbeschluss erinnerte, und auch von Ausschuss-Mitgliedern. Wo, wenn nicht in Wittenberg, hätte ein Gebäude, das dem Austausch zwischen den Religionen dienen soll, eine Berechtigung, erklärten Reinhild Hugenroth (Grüne) und Stefan Kretschmar (Freie Wähler). Beide mahnten allerdings eine „Vernetzung“ mit den Berlinern an.

Mehr als dass das Wittenberger „House of One“ wie die große Schwester in Berlin dem interreligiösen Dialog dienen soll, ist bisher nicht bekannt.

(mz)