Elb-Oratorium

Elb-Oratorium: Uraufführung von „Alles im Fluss“

Wittenberg - Mit einer umjubelten Uraufführung von „Alles im Fluss“ hat die Stadt jetzt auf der gut besuchten Schlosswiese ihren ersten „Wittenberger Abend“ präsentiert.

Von Corinna Nitz 26.06.2017, 09:15

Ein gut disponiertes Orchester, engagierte Chöre und Solisten. Dazu schöne Texte sowie eingängige Melodien. Nicht zu vergessen ein mitreißender Dirigent und Pianist mit Entertainerqualitäten. Und ein Sprecher, der launig, wo’s drauf ankommt aber durchaus mit dem gebotenen Ernst durch die Handlung führt.

Das sind die Zutaten für ein überaus erfreuliches Musikereignis, wie es am Freitagabend mehr als 500 Besucher auf der Wittenberger Schlosswiese erlebt haben: Da hatte das Elb-Oratorium „Alles im Fluss“ seine gefeierte Uraufführung.

Von einem grandiosen Auftakt sprach später am Abend zwischen zwei Zugaben Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos). Tatsächlich hätte sich die Stadt als Auftraggeberin dieses Werkes keinen gelungeneren Start für ihre vier „Wittenberger Abende“ wünschen können, die wie berichtet ein Beitrag zu diesem Reformationssommer 2017 sind.

Zwei Kunststücke

Vollbracht wurden zwei Kunststücke: Zum einen ist es dem Dessauer Theaterautor Andreas Hillger gelungen, innerhalb von höchstens 80 Minuten eine facettenreiche Flussfahrt von der Quelle der Elbe bis zu ihrer Mündung hinzulegen - mit Bezügen in die Historie ebenso wie in die Gegenwart.

Zum anderen hat der Komponist und Pianist Christoph Reuter aus Berlin (in Zusammenarbeit mit der Sängerin Cristin Claas) eine Musik geschrieben, die besonders Klassiker der Hochkultur zitiert (von Smetana über Weber, Weill, Luther, Telemann...) und doch auch den zeitgenössischen Sound (der Jugend) mit einbezieht.

Der Begriff „Einbeziehen“ bekommt bei diesem Elb-Oratorium mit seinen fast 120 Mitwirkenden noch eine ganz andere Dimension. Denn Reuter ist es gelungen, die unterschiedlichsten Temperamente und Fähigkeiten der verschiedenen Ensembles, deren Mitglieder im Alter von fünf bis 82 Jahren sind, zu einem homogenen Ganzen zusammenzufügen.

Das muss man erst mal hinbekommen, noch dazu in vergleichsweise kurzer Zeit - die ersten Proben waren im März. Bei allem hat Reuter dann noch Instrumentalisten einen Platz gegeben, die man nicht auf Anhieb in einem Oratorium verorten würde. Exemplarisch seien die „Kellerasseln“ genannt, jene lautstarke Percussion-Truppe aus der Gräfenhainichener Außenstelle der Kreismusikschule.

In Wittenberg, am Hauptstandort der Bildungseinrichtung und dem angegliederten Paul-Gerhardt-Orchester mit dem Violinisten Michail Marinow an der Spitze, liefen unter der Leitung von Direktor Markus Biedermann auch die Fäden für diese musikalische Flussfahrt zusammen. Und noch am Abend der Uraufführung saß die Gesangspädagogin Mechthild Andersch vor der Bühne, ihre Eleven und die Noten im Blick.

Stehende Ovationen

Dass nun die Akustik bei dieser Open-air-Veranstaltung nicht immer optimal war - geschenkt. Denn in die Programmhefte waren zum besseren Verständnis die Liedtexte gelegt worden. Stets gut verständlich war der Schauspieler Patrick Rupar, der auch Kritisches vortrug: „Leben am Fluss, so schön es auch ist / Wird doch ständig bedroht von der Flut. / Kommt dem Strom nicht zu nah. Bedrängt ihn nicht/Ihr riskiert und verliert Hab und Gut.“

Grundiert wurden solche Mahnungen vom Chor: „Ach, wie hat man ihn geschunden, Ihn begradigt und bedrängt / Fremde Wege ihm gefunden, Zwischen Deiche eingezwängt!“

Zum Grand Finale der doch überwiegend sehr heiteren Reise, an deren Anfang vier Videoeinspielungen ehemaliger Wittenberger standen, um, das musste wohl sein, den Heimatbezug zu verdeutlichen, am Ende also klang es fröhlich von der Bühne: „Jeder Bach will zum Fluss, jeder Fluss will zum Meer / Gib mir Meer, gib mir Meer.“ Und sowieso ist am Ende dieser Reise noch lange nicht Schluss, denn es ist ja „alles im Fluss“. So sei es.

Mit stehenden Ovationen forderte das Publikum seine Zugaben. Zwischen denen meldete sich ein enthusiasmierter Zugehör noch mal zu Wort: „Mit dem Stück müssen wir uns nicht verstecken, egal, wo an der Elbe es gespielt wird!“ Das lässt sich als Versprechen interpretieren, noch aber ist ein konkreter weiterer Termin hier nicht bekannt.

(mz)