DrehOrgel-Rolf DrehOrgel-Rolf : Tattoo auf Rennpappe

Tornau - Rolf Becker ist immer wieder für Schlagzeilen gut. Rolf Becker? Drehorgel-Rolf, der ganz modern als D-Rolf daherkommt und mit allerhand flotten Sprüchen und noch mehr verrückten Ideen auf sich aufmerksam macht. „Bisschen verrückt geht immer“, meint der Hallenser, der in der Dübener Heide ein „Mal-Genie“ ausgemacht hat.
In den Fokus des Aktionskünstlers ist Bernd Garbe gerückt. Der gelernte Schriftenmaler frönt seit Jahren seinem Hobby Malerei, hat „137 Projekte im Sinn, 345 Werke geschaffen und 1 001 Erfahrung gemacht“. Klingt nach Märchen, klingt nach Orient. Passt auf jeden Fall zu D-Rolf und dessen neuer Idee.
Haube unterm Hammer
Die Männer brauchten nicht lang. Sie reichten sich die Hand, verstanden sich. Aus der Zufallsbegegnung in der Garbe-Ausstellung im Bad Dübener Heide-Spa wurde ein Projekt. Garbe bemalt eine Trabi-Motorhaube. D-Rolf lässt sie von prominenter Hand signieren, versteigert sie und stellt den Erlös der Hilfsorganisation „Medeor“ zur Verfügung.
„Zu denen habe ich volles Vertrauen. Da siehst du, wo das Geld hingeht.“ Becker hat selbst Hebammenkoffer in entlegene Regionen im Nanga Parbat gebracht. „Da kannst du richtig helfen.“
Aber warum Pyramiden, ein Wanderfalke und der Schriftzug vom gepriesenen Allah auf der Motorhaube aus Pappe? Drehorgel-Rolf hat über andere Ideen schon einmal gesagt, „der Köder muss dem Fisch und nicht dem Angler schmecken“. Bernd Garbe sieht es sachlich. „Auftragskunst muss dem Auftraggeber gefallen. Rolf wollte es so.“
Klar. D-Rolf plant mal wieder. Er will Werbung machen und spannt den Bogen weit. „Von den Pyramiden in Brehna bis Kairo“, ist der Arbeitstitel für eine Trabi-Safari, die von Anhalt-Bitterfeld bis nach Ägypten reichen soll. Wann gestartet wird, ist offen. Die Werbetrommel rühren kann man allerdings schon mal. Pyramiden und Brehna mag verwundern.
„Aber es ist so. Im Gewerbegebiet an der Autobahn steht eine Pyramide“, weiß D-Rolf. Stahlbau Brehna ist anders als andere. „Das darf man doch sagen.“ Also wird der Bogen gespannt von Deutschland bis Ägypten, das ein Highlight in der Liste der von Rolf Becker bereisten Länder ist. Trotz aller Vorurteile und Bedenken. „Mir hat es gefallen.“
Weil das so ist, schaltet D-Rolf einen Gang hoch. Nächste Woche will er mit der von Bernd Garbe handbemalten Motorhaube auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin am Stand Ägyptens aufschlagen. Er hofft, dass Botschafter und Tourismus-Minister die Zusage für ein Treffen einhalten. „Ich mache Werbung für die. Das ist so. Zwar staunen sie, dass ich Trabi und nicht Mercedes fahre.
Aber so bin ich eben.“ D-Rolf ist in Fahrt. Einmal in Berlin, sollte der Abstecher zum Brandenburger Tor drin sein. „Immer gute Bilder“, sagt er. Projekte brauchen Werbung.
„Ich kann auch Werbung gebrauchen“, sagt Bernd Garbe, der zum ersten Mal den richtig großen Rummel um eines seiner Werke erlebt. „Machst du nichts, bist du selbst schuld“, meint der Tornauer, der in Sachen Motorhaube Premiere feiert. Vor gut vier Jahrzehnten hat er zwar bereits den Tank eine Motorrades Marke „Awo“ bemalt. An einen Trabant hat er sich bisher allerdings nicht gewagt. „Jeder fängt an. Ich hatte nie Berührungsängste und habe mich so Stück für Stück weiterentwickelt.“
Ohne diese Unbekümmertheit wäre sicher auch das Projekt mit D-Rolf nicht realisierbar gewesen. „Manchmal musst du einfach machen, auf das Bauchgefühl vertrauen.“ Bernd Garbe ist zufrieden mit seinem Werk, das er am Freitag in Halle persönlich an Rolf Becker übergab.
Hoffen auf Höchstgebote
Auch D-Rolf hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. „Ich habe eine große Fresse, aber auch ein großes Herz. Leben und leben lassen, ist mein Motto. Ich würde mich freuen, wenn die Versteigerung der Motorhaube richtig viel Geld für den guten Zweck bringt.“
(mz)