Ärztemangel

Doppeltes Glück für Medizinerin Silvia Strömer in Oranienbaum

Die Allgemeinmedizinerin Silvia Strömer suchte eine Nachfolge für ihre Praxis. Wie und in wem sie diesen gefunden hat.

Von July Wagner
Mit der hausärztlichen Eigeneinrichtung der Kassenärztlichen Vereinigung wurde die Nachfolge in der Praxis von Silvia Strömer auf Aleksandra Mossakowska möglich.
Mit der hausärztlichen Eigeneinrichtung der Kassenärztlichen Vereinigung wurde die Nachfolge in der Praxis von Silvia Strömer auf Aleksandra Mossakowska möglich. (Foto: July Wagner)

Wittenberg - Einen Nachfolger für die eigene Praxis zu finden wird immer schwieriger - vor allem im ländlichen Raum. Das musste auch die Fachärztin für Allgemeinmedizin, Diplommedizinerin Silvia Strömer aus Oranienbaum bei ihrer Suche feststellen. Gründe gäbe es viele. So würde beispielsweise die Landarztquote von fünf Prozent nicht ausreichen, um junge Menschen nach ihrem Studium auch in kleinere Städte zu locken, wie CDU-Bundestagsabgeordneter Sepp Müller betont. Des Weiteren läge es zum Teil an den Hausärzten selbst, da sich viele zu spät und manche auch gar keine Gedanken über eine mögliche Übernahme machen würden.

„Es dauert drei bis fünf Jahre, um eine Arztstelle neu zu besetzen“, erklärt Michael Borrmann, Niederlassungsberater der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalts. Zahlreiche Ärzte würden deshalb auch weit über das Rentenalter hinaus arbeiten. Das möchte Allgemeinmedizinerin Silvia Strömer jedoch nicht: „Ich mache das hier gerne, aber irgendwann ist auch mal gut.“ Umso besser, dass sie das Glück hatte, eine Nachfolgerin zu finden.

Gleich gut verstanden

„Ich hatte auch Glück“, wirft Aleksandra Mossakowska, ebenfalls Fachärztin für Allgemeinmedizin, ein. Denn die beiden Frauen hätten sich schon bei ihrem ersten Treffen sehr gut verstanden. Organisiert wurde dieses von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalts, bei der Allgemeinmedizinerin Mossakowska bereits seit Anfang September 2019 angestellt ist. „Wir haben uns ein paar Tage, nachdem sie bei der KV angefangen hat, hier getroffen und das hat uns beiden zugesagt“, bestätigt Fachärztin Silvia Strömer: „Am 1. Oktober hat sie dann hier angefangen.“

Doch an die Übergabe der Praxis war zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht zu denken. Erst einmal standen für die in Polen ausgebildete Fachärztin Aleksandra Mossakowska, das Bestehen gleich zweier Deutschprüfungen und somit ein zehnmonatiger Intensivsprachkurs bevor. „Das haben nur ganz Wenige in so kurzer Zeit geschafft“, merkt Silvia Strömer an.

Einen kleinen Vorteil für die erste Prüfung auf B2-Niveau hatte sie immerhin: „Ich habe in Polen schon zwei Jahre lang privat Deutsch gelernt - da wusste ich noch gar nicht, dass ich hierherkomme.“ Die Fachdeutschprüfung im Juni 2020 wurde deshalb jedoch nicht leichter, denn dafür sind Sprachkenntnisse im Alltag eines Arztes gefragt.

„Am Anfang war es wirklich schwer, alles war neu“, erinnert sich Aleksandra Mossakowska zurück. Denn die 47-Jährige Allgemeinmedizinerin hat sich nicht nur dazu entschieden, in eine andere Stadt zu ziehen und eine andere Sprache zu lernen, sondern auch all dies ohne ihre Familie und Freunde zu tun.

„Jetzt ist es anders - ich habe mich daran gewöhnt, Freunde gefunden und bin sehr zufrieden.“ Eine große Rolle würde dabei die Unterstützung von Fachärztin Silvia Strömer spielen. Aber auch die Kommune sowie Maik Strömer, Bürgermeister der Stadt Oranienbaum, hätten sich mit bei der Wohnungssuche eingebracht - wofür die beiden Ärztinnen sehr dankbar sind.

Arbeit und Leben

„Für die Stadt ist es ja auch wichtig, dass die medizinische Betreuung weitergeht“, meint Silvia Strömer, nun ebenfalls Angestellte in ihrer ehemals eigenen Praxis: „Ich habe meine Praxis an die Kassenärztliche Vereinigung verkauft - Frau Mossakowska kann sie dann in ein paar Jahren zurückkaufen.“

Bis dahin wäre allerdings noch etwas Zeit, um gemeinsam zu arbeiten, sich gegenseitig zu vertreten und voneinander zu lernen. Das würde momentan nämlich so gut funktionieren, dass die Praxis nicht mehr nur zwei, sondern mittlerweile drei Nachmittage geöffnet hat. „Hier ist es sehr angenehm“, meint Aleksandra Mossakowska. So sollte es auch sein, denn: „Das ist nicht nur Arbeit, das ist auch Leben.“(mz)

Eine Fachärztin für Allgemeinmedizin folgt auf die nächste.
Eine Fachärztin für Allgemeinmedizin folgt auf die nächste.
(Foto: Wagner)