Botenläufer statten neuen Städtern einen Besuch ab
ABTSDORF/MOCHAU/MZ. - Der traditionelle Neujahrslauf diente quasi als Lockerungsübung, im Anschluss machten sich sechs Läufer und drei Radfahrer auf den Weg, um die neuen Wittenberger Ortsteile Abtsdorf und Mochau willkommen zu heißen. "Wer feiern kann, kann auch laufen", verkündete ein gut gelaunter Bernd Güldner und verriet, dass er gegen 5 Uhr am Morgen erst ins Bett gekommen war.
Kein Grund, die von Olaf Kurzhals geplante sportliche Aktion am ersten Tag des Jahres 2009 zu verschlafen. "Papiere wurden genug beschrieben", befindet der stellvertretende Vorsitzende der Botenläufer. Die Idee zu solch einer symbolischen Tour hatte er schon im vergangenen Jahr, als Griebo zu Wittenberg kam. Jetzt hat Olaf Kurzhals sie in die Tat umgesetzt, nicht zuletzt deshalb, weil er der Meinung ist, dass bei aller notwendiger bürokratischer Arbeit die Bürger ein wenig in den Hintergrund zu geraten drohen. "Außerdem wollen wir zeigen, dass Abtsdorf und Mochau gar nicht weit weg sind."
Dass derartige Ideen auf Widerhall stoßen, erwies sich auf beeindruckende Art bei der ersten Station. Rund 30 Abtsdorfer hatten sich versammelt, um die Boten aus der Stadt, die nun auch die ihre ist, in Empfang zu nehmen. Sie wurden mit Beifall, Böllern und Sekt erwartet. Die Wittenberger ihrerseits hatten als Präsent eine Art Ortsschild im Gepäck, worauf zu lesen stand: Die Botenläufer begrüßen den Ortsteil Abtsdorf. Dort hält sich übrigens die Trauer, die Eigenständigkeit zu verlieren, offenbar in Grenzen. "Es gab keine Alternative und wir gehen zum richtigen Zeitpunkt", ist Gerd Deeken, der langjährige Bürgermeister, der jetzt Ortsbürgermeister heißt, überzeugt. Die großen Investitionen seien erfolgt, die Verhandlungen mit Wittenberg "fair wie keiner es erwartet hat" gewesen. Deeken rät denn auch allen Gemeinden, die zögern, diesen Weg zu gehen.
Dass er ein bisschen hadert, gibt der Abtsdorfer Dieter Schmidt, der gleichwohl zur Begrüßung der Botenläufer gekommen ist, zu. "Mir wäre die Eigenständigkeit lieber. Aber da wir keine Wahl haben, ist Wittenberg eindeutig die bessere Variante." Seine Tochter, Ricarda Mählis, hingegen scheint zufrieden: "Ich arbeite in Wittenberg, ich kaufe in Wittenberg ein, Wittenberg ist unser Bezugspunkt."
Nach einem Becherchen Sekt und einem Schwätzchen machten sich die Boten auf ins vielleicht sechs Kilometer entfernte Mochau (Thießen). Auch dort wurden die Läufer herzlich begrüßt - wenn auch nicht von ganz so vielen Bürgern. Dafür gab es einen Imbiss und eine warme Stube, nicht zu verachten bei den Temperaturen. "Wenn man so viele Jahre selbständig war, ist die Eingemeindung nicht einfach", bekennt Bürgermeister Erich Schmidt. Er verweist aber auf deutliche Zustimmung in seinem Dorf - sämtliche Gemeinderäte votierten für Wittenberg, bei der Bürgeranhörung waren es um die 80 Prozent. Zudem lobt er die Verhandlungen: "Die Stadt ist uns entgegen gekommen." Jetzt gelte es, Traditionen zu pflegen und darauf zu achten, dass etwa Kindergarten und Bibliothek erhalten bleiben. Und einen großen Wunsch haben die Mochauer: Dass der Ort einbezogen wird ins Netz des Wittenberger Busverkehrs.