Ausstellung im Zeughaus

Ausstellung im Zeughaus: Lobi bleiben in Wittenberg

Wittenberg - Diverse Objekte aus der Sammlung Rainer Greschik bleiben auf Dauer in der Lutherstadt. Der Berliner Sammler religiöser Holzplastik aus Westafrika schenkt dem Verein „Freundeskreis Julius-Riemer-Sammlung“ gut ein Dutzend dieser „Lobi“, wie er am Donnerstag anlässlich der Finissage seiner Ausstellung in Wittenberg ...

Von Irina Steinmann 30.12.2016, 11:15

Diverse Objekte aus der Sammlung Rainer Greschik bleiben auf Dauer in der Lutherstadt. Der Berliner Sammler religiöser Holzplastik aus Westafrika schenkt dem Verein „Freundeskreis Julius-Riemer-Sammlung“ gut ein Dutzend dieser „Lobi“, wie er am Donnerstag anlässlich der Finissage seiner Ausstellung in Wittenberg erklärte.

Der Verein könnte sich gut vorstellen, die Figuren und Figürchen seinerseits den Städtischen Sammlungen als Dauerleihgabe für die entstehende Dauerausstellung im Stadtmuseum Zeughaus zur Verfügung zu stellen, sagte Vereinschef Michael Solf.

Verein freut sich über Resonanz

Bei Pizza, Trauben und Rotkäppchen (halb-)trocken hatten sich zwischen den Jahren insbesondere Vereinsmitglieder in den Räumen der Dauerausstellung im Erdgeschoss zusammengefunden, um den Abschluss der Schau „Die Entdeckung des Individuums - Skulpturen aus der Sammlung Rainer Greschnik“ zu feiern, die dort - mit einer nicht geplanten sechswöchigen Unterbrechung im September und Oktober - seit Mitte Juli zu sehen ist.

Und zu feiern gibt es laut Solf in der Tat etwas. Alle Beteiligten könnten stolz sein darauf, dass diese Ausstellung in Wittenberg zu sehen sein konnte. Ohne konkrete Gesamtzahlen nennen zu können, zeigte sich der Verein, der die Exposition gemeinsam mit der Stadt - und handfester Unterstützung des Sammlers - realisiert hatte, sehr zufrieden mit der Resonanz, auch und gerade in Fachkreisen.

Von weit her seien Experten angereist, um Greschiks Lobi zu begutachten. Und mindestens zur Erlebnisnacht hätten diese auch die breite Masse erreicht, an die 1.500 Besucher wurden da gezählt. Überhaupt seien derartige Sonderausstellungen, so Solf, eine „schöne Ergänzung dessen, was oben geschieht“ - in der zweiten Etage des Stadtmuseums soll künftig bekanntlich der Sammler Julius Riemer gewürdigt werden.

Greschik lobt Ambiente

Greschik selbst, der für Interessierte zur Finissage noch einmal eine kleine Führung durch die etwa 120 Exponate umfassende Ausstellung anbot, sagte, er habe sich „wahnsinnig gefreut“, in Wittenberg die Möglichkeit bekommen zu haben, in diesem Ambiente, dieser „perfekten räumlichen Umgebung“ ausstellen zu können; das „Feedback aus der Szene“ sei denn auch „sehr, sehr positiv“ ausgefallen.

Jetzt, fügte er augenzwinkernd hinzu, „kommt auf mich ein Riesen-Problem zu“: In seiner Berliner Wohnung gelte es wieder Platz zu schaffen für die Figuren... „Sie können doch wiederkommen“, schlug eine Besucherin da flugs vor.

Auch Wittenbergs parteiloser Oberbürgermeister war, wie schon zur Vernissage, zur Abschlussveranstaltung der Sonderschau gekommen. „So ’ne Engel“, sagte Torsten Zugehör in christlicher Übersetzung der Lobi-Funktion, seien „durchaus geeignet, schwierige Verhältnisse zu befrieden“.

Er meinte damit die früher sehr konfliktreiche Beziehung zwischen Stadt und Verein. „Da haben die Lobi einen guten Job getan“, fand das Stadtoberhaupt, das seit Juli selbst einen Lobi auf seinem Schreibtisch im Rathaus sitzen hat, quasi als Ergänzung der meterhohen Lutherfigur in Plastik nebenan. „Der Prozess des Ringens“ habe „gute Früchte getragen“, sagte Zugehör.

Wie diese Früchte aussehen werden, kann sich die Öffentlichkeit 2017 ansehen: Mitte des Jahres soll wie berichtet dann das gesamte Stadtmuseum fertig sein, dessen obere Etagen derzeit noch vom Predigerseminar belegt sind.

Die nächste Sonderausstellung wird dann freilich noch ein Weilchen auf sich warten lassen, sie soll laut Zugehör erst nach Eröffnung der Dauerausstellung entstehen; das Thema stehe auch noch nicht fest.

Fest steht demgegenüber, dass die für die Lobi-Schau hergestellten (und von Architekt Greschik selbst entworfenen) Vitrinensockel aus Holz dann weiter genutzt werden können, wie auch die vom Verein selbst angeschafften zusätzlichen Vitrinen-Böden aus Glas. Letztere schenke man der Stadt, erklärte der seinerseits von Greschik mit den Lobi beschenkte Verein.

Und hier jetzt noch eine gute Nachricht für alle, die immer mal zu den Lobi schauen wollten, es aber bisher noch nicht geschafft haben: Am heutigen Freitag und dann wieder ab dem 3. Januar werden die Lobi aus der Sammlung Rainer Greschik nun doch noch für einige Tage im Zeughaus zu sehen sein (9 bis 17 Uhr, außer montags).

Der Sammler verzichtet ein bisschen länger als eigentlich geplant auf deren Gesellschaft beim abendlichen Fernsehen. (mz)