Zerstochene Reifen - Zerkratzter Lack

Zerstochene Reifen - Zerkratzter Lack: Der Kleinkrieg in Borau artet aus

Borau - Zerstochene Reifen, zerkratzte Autos - das ist der derzeitige Höhepunkt des Kleinkrieges in Borau. Seit Monaten gibt es Zoff zwischen den Bürgern und den Menschen, die die Selauer Straße passieren. Pöbeln, hupen, parkende Pkw mit Essen beschmieren, Bürgerdemonstrationen - das war Regelmäßigkeit. Mit den demolierten Pkw erreicht der Zoff nun eine neue ...

Von Andrea Hamann-Richter 22.10.2016, 08:00

Zerstochene Reifen, zerkratzte Autos - das ist der derzeitige Höhepunkt des Kleinkrieges in Borau. Seit Monaten gibt es Zoff zwischen den Bürgern und den Menschen, die die Selauer Straße passieren. Pöbeln, hupen, parkende Pkw mit Essen beschmieren, Bürgerdemonstrationen - das war Regelmäßigkeit. Mit den demolierten Pkw erreicht der Zoff nun eine neue Dimension.

Die Autos gehören Diana Schmidt und Klaus Wessalowski. Beide sind sauer. Die Anzeigen gegen Unbekannt trösten die Anwohner wenig. Sie wissen, dass die Chance, die Täter zu fassen, gering ist. Sie wissen auch, was in Borau los ist, seitdem im Frühjahr auf der einen Seite der Selauer Straße das Parken erlaubt wurde. Das sollte bewirken, dass der Durchgangsverkehr quasi ausgebremst wird und so nicht mehr durch den Ort rast. Das ging aber gewaltig nach hinten los. Denn Fahrzeugführer fühlen sich offenbar schikaniert. Es werden auch am Freitagvormittag Mittelfinger gezeigt, es wird gehupt, gebremst und mit quietschenden Reifen beschleunigt.

Mit Kaffee bekippt und mit Obst beworfen

Diana Schmidt war vorher schon Opfer. „Mein Auto wurde meistens mit Kaffee bekippt und mit Obst beworfen“, sagt die 32-Jährige. Daher hatte sie in der Nacht zum Freitag einen Plan. Nachdem sie die Tochter ins Bett gebracht hatte, stellte sich die berufstätige Servicekraft ihren Wecker auf 3 Uhr. Trotz ihrer schweren Erkältung stand sie da auf und guckte draußen nach, ob ihr Auto wieder beschmiert wurde.

Sie sah bis auf den mittlerweile üblichen Kaffeefleck nichts. Da fiel ihr aber der schief stehende Wagen von Klaus Wessalowski auf. Die junge Frau entdeckte die platten Reifen auf der Beifahrerseite und dann bemerkte sie den Platten auf der Fahrerseite ihren Wagens und sah den tiefen Kratzer auf der Motorhaube.

Tempo-30-Begrenzung und ein Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen?

Davon ahnte Klaus Wessalowski noch nichts. Das Auto wird von seinem studierenden Sohn genutzt. Als sich dieser nach einem Besuch bei seinen Eltern in Borau am Freitag mit dem Pkw wieder auf den Weg zur Universität machen wollte, bemerkte auch er den Schaden. Später entdeckte sein Vater den langgezogenen Kratzer auf der rechten Seite des Autos. „Es ist schon unfassbar“, sagt der Borauer.

Adelheid Pricha ist währenddessen am Auto von Diana Schmidt anzutreffen. In einer Initiative engagiert sie sich mit anderen Bürgern dafür, dass wieder Ruhe in Borau einkehrt. Ihrer Meinung nach ist eine Tempo-30-Begrenzung und ein Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen unabwendbar. Denn viele Lastkraftwagen würden dann endlich wieder Umgehungsstraße und Autobahn benutzen. Über Borau kürzen sie nämlich ab und sparen sich darüber hinaus Maut.

1.100 Lkw pro Tag durch Borau

Seit langem bemühen sich die Einwohner darum, dass diese Belastung des Verkehrs eingedämmt wird. Daher hatte die Stadt Weißenfels zugestimmt, das Parkverbot aufzuheben. Danach ging aber nicht nur der Kleinkrieg los. Denn es ist laut geworden in Borau. Der Krach, der durch die bremsenden und wieder anfahrenden Fahrzeuge verursacht wird, ist unglaublich, so Adelheid Pricha. „Das ist Wahnsinn von der Lautstärke her“, sagt sie. Die Frau, die mit ihrem Mann eine Arztpraxis führt, ist Oma. Die 55-Jährige möchte nicht daran denken, was wird, wenn der kleine Junge laufen kann. „Ich fühle mich hilflos und voller Wut.“

Eine Verkehrszählung ergab, dass durch den Ort täglich mehr als 1.100 Lkw fahren. Die Auswertung einer jüngsten Zählung steht noch an. Dann erst kann in den Behörden weiter entschieden werden.

Wie Dirk Seyfarth, Sprecher des Polizeireviers Burgenlandkreis sagt, ist seit Frühjahr eine größere Anzahl von Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten eingegangen. Aktuell werden drei Anzeigen wegen Straftaten bearbeitet. Er kündigte an, dass es Kontrollen geben wird. (mz)