Saaleüberquerung Leißling

Saaleüberquerung Leißling: Was der alte Fährmann über die neue Brücke denkt

Leißling - Thorsten Preußner hat Einheimischen und Touristen viele Jahre lang über den Fluss geholfen. Was er nach Einweihung der neuen Brücke denkt.

Von Andreas Richter 16.01.2017, 09:05

Wenn es jetzt nachts schneit, dann gehört er zu den „guten Geistern“, die in aller Frühe ausrücken - damit am Morgen der Verkehr rollen kann. „Wenn ich Frühschicht habe und es schneit, dann werd’ ich um 2.30 Uhr aus dem Bett geholt“, erzählt Thorsten Preußner. Um drei Uhr geht’s dann los, damit um sechs die wichtigsten Straßen möglichst frei sind.

Der 49-Jährige ist seit mehr als 25 Jahren Gemeindearbeiter, früher in der selbstständigen Gemeinde, heute im Weißenfelser Ortsteil Leißling. Und er hat eine besondere Vergangenheit. Zusammen mit seinem Kollegen Uwe Pruy ist er der letzte Leißlinger Fährmann. „Manchmal guckt man schon noch runter auf den Fluss und denkt: Hier bist du mal gefahren“, sagt Preußner. Runter von der neuen Saalebrücke zwischen Leißling und Lobitzsch, die Anfang Dezember letzten Jahres mit einem großen Menschenauflauf eingeweiht wurde. Das neue Bauwerk, jahrzehntelang ersehnt und viele Jahre lang vorbereitet, war zugleich das endgültige Aus für ein gutes Stück Nostalgie am Fluss.

Fährmann im Ruhestand: „Es waren schöne Zeiten da hinten“

„Es waren schöne Zeiten da hinten“, erinnert sich Preußner. Als 2006 der bisherige Fährmann aus gesundheitlichen Gründen ausschied, war es seine Sache, die mehr als hundertjährige Fährtradition in Leißling fortzusetzen. Den Führerschein für ein solches Gefährt hatte er als bisheriger Ersatzmann schon in der Tasche. Von Mai bis Oktober zog er an den Wochenenden das Stahlseil, um mit seinen Passagieren die an dieser Stelle gut 60 Meter breite Saale zu überwinden.

„Ich hatte viele Stammgäste, die von einem Ort zum anderen wollten“, blickt Preußner zurück. Und dann die Touristen, viele nutzten die Fähre auf ihren Touren durch das Saale-Unstrut-Land. „An Himmelfahrt war immer viel los“, erzählt der Fährmann außer Dienst. Jahrelang sei da ein besonders Wagemutiger immer ins Wasser gesprungen und nebenher geschwommen. Mit fortschreitendem Alter sei auch er lieber auf die schwimmende Plattform umgestiegen.

Mit dem Saale-Hochwasser 2013 kam das endgültige Aus für die Fähre

Bis zum Frühsommer 2013 ging das so mit der Fähre, die schon mehr als 30 Jahre auf dem Buckel hatte. Eine Havarie? Nein, die habe es all die Jahre nicht gegeben, versichert Preußner. Mit dem Saale-Hochwasser 2013 kam dann jedoch das endgültige Aus für die Fähre, deren Finanzierung schon bis dahin immer mal wieder umstritten war. In den vergangenen Jahren hat Gemeindearbeiter Preußner genau verfolgt, wie die feste Saaleüberquerung erst auf dem Papier und später in der Realität Gestalt annahm. Was blieb, war ein zwiespältiges Gefühl. Auf der einen Seite die moderne Brücke, über die man nun zu jeder Tages- und Nachtzeit den Fluss überqueren kann. Auf der anderen Seite sind ein gutes Stück Romantik und Nostalgie verloren gegangen. „Manches Kind weiß doch heute gar nicht mehr, was eine Fähre ist“, denkt der Fährmann von einst.

Zwei Wochen vor der offiziellen Einweihung ist Preußner zum ersten Mal über die neue Brücke gegangen, um Schilder zu beiden Seiten aufzustellen. „Das war schon ein komischer Moment“, gibt er zu. Als sich dann Tausende über das Bauwerk wälzten, war auch der Leißlinger dabei. Viele nennen ihn bis heute „den Fährmann“, obwohl er als Gemeindearbeiter mittlerweile eher der Brückenwärter ist. Auf dem Bauhof-Stützpunkt in Leißling liegen noch die Rettungsringe der schwimmenden Saaleüberquerung. Die neue heißt einfach nur Fährbrücke. Gut so, meint Thorsten Preußner. So lebt immerhin im Namen ein bisschen Flussromantik weiter. (mz)