Mühlgrabenbrücke

Mühlgrabenbrücke: Eine Tonnendecke trägt Bahngleise

Weißenfels - Die Schalung wird abgebaut. Darunter ist der glatte blanke Beton sichtbar. Die Sanierung der sogenannten Mühlgrabenbrücke an der Ecke Merseburger/Markwerbener Straße in Weißenfels geht ihrer Fertigstellung ...

Von Holger Zimmer 22.10.2016, 10:03

Die Schalung wird abgebaut. Darunter ist der glatte blanke Beton sichtbar. Die Sanierung der sogenannten Mühlgrabenbrücke an der Ecke Merseburger/Markwerbener Straße in Weißenfels geht ihrer Fertigstellung entgegen.

Doch bis zur Übergabe vergehen noch Monate. Zwischen zwei Meter im unteren Bereich und 80 Zentimetern oben ist die eingezogene Tonnendecke unter der Brücke stark.

Steffen Jauernig, Projektleiter der DB Netze, erläutert, dass man von einem Abriss und einem kompletten Neubau im Interesse des Bahnverkehrs abgesehen habe.

Er sagt: „Was wir jetzt sehen, ist eine gute technische Lösung.“ Im Klartext heißt das, dass eine Betonschale dem rund 100 Jahre alten Bauwerk nun Halt gibt. Auch die Zeit, in der von oben Sickerwasser wie in einer Höhle herabtröpfelte, ist vorbei. Alles ist mit Drainagematten abgedichtet worden und das Wasser wird abgeleitet.

Mühlgrabenbrücke ist Teil des Sanierungskonzepts der Bahn

2,5 Millionen Euro investiert die DB Netze laut Jauernig. Ein paar Meter weiter hat er bereits vor zehn Jahren gearbeitet. Damals wurde die benachbarte Brücke über die Merseburger Straße neu gebaut.

„Das war angesichts des dichten Verkehrs auf der Straße und den Schienen eine besondere Herausforderung.“ Immerhin sind auf dieser Hauptstrecke in Richtung Frankfurt täglich 500 Züge unterwegs, rein rechnerisch also alle drei Minuten einer.

Die Weißenfelser Brücke ist übrigens eine von 875, die von der Deutschen Bahn im Fünf-Jahres-Zeitraum bis 2019 saniert werden muss. Und 2022 soll es mit der Sieben-Bogenbrücke, die die Saale in Weißenfels in Richtung Naumburg überspannt, weitergehen.

Mühlgrabenbrücke bekommt 2.000 Tonnen neues Beton

Deshalb arbeitet die Firma Hentschke aus Bautzen bei laufendem Bahnverkehr, was auch eine logistische Meisterleistung darstellt. Denn Kran, Bagger, Baucontainer und Material mussten wegen der fehlenden Zufahrt vorab ans Saaleufer transportiert werden, weil das später nicht mehr möglich war.

Begonnen hatten die Arbeiten im Februar. Dabei kamen wegen des Baugrundes in Flussnähe 152 Pfähle mit einem Durchmesser von 15 Zentimetern in die Erde. Insgesamt werden 2.000 Tonnen Beton, also 5.000 Kubikmeter verarbeitet.

Derzeit versperren 300 Stützen den Weg, von denen jede eine Tonne des Gewichtes von Schalung und Beton abfängt. Gegossen worden war die erste Hälfte der Tonnendecke, die dem Brückendurchlass den Eindruck eines Kirchenschiffes verleiht, am vergangenen Dienstag.

Verschiedene Arbeiten an der Mühlgrabenbrücke durchgeführt

Nach zwei Tagen war der Beton so ausgehärtet, dass die Schalung bereits wieder abgenommen werden konnte. Verwendet werden kann sie für den zweiten Teil des Gewölbebogens in Richtung Markwerbener Straße nicht mehr. Wegen eines anderen Radius’ müssen neue Teile her.

Derzeit wird auf der Saaleseite das Gießen der sogenannten Betonkappe als oberer Abschluss vorbereitet. Daniel Rendke stemmt mit dem Presslufthammer alten Beton ab und Michael Wobst schaufelt ihn auf einen Berg, den Detlef Kepstein mit seinem Bagger abträgt.

Derweil sind Henri Wittke und Andreas Jentschel bereits dabei, die Schalung für die Kappe zusammenzubauen. In den nächsten Tagen sind Eisenflechter gefragt, um den Bewehrungsstahl zu platzieren.

Freigabe der Mühlgrabenbrücke im kommenden Jahr

Wegen des Gewichtes wird er mit Profilstahl an der Decke befestigt. Darunter kommt die Schalung und im Dezember wird die Brücke mit ihrer Betonschale fertig.

Die Freigabe aber wird laut Jauernig erst Mitte des nächsten Jahres erfolgen. Denn einiges bleibt noch zu tun. So müssen noch Wände beidseitig zwischen Brücke und Merseburger Straße saniert werden.

Ebenso soll eine der schräg auslaufenden Stützwände des Bahndamms instand gesetzt werden. Die 100 Jahre alte Oberfläche wird dabei gekonnt imitiert. Allerdings nicht mehr mit Natursteinen, sondern mit Beton in der Optik von sogenanntem Lausitzer Granit. Schablonen machen das möglich. Und letztlich gilt es, den Rad- und Fußweg fertigzustellen. (mz)