„Der lange Weg zur Freiheit“

Lesung in Weißenfels mit ungeschminkter Realität

Von Holger Zimmer
Klaus-Dieter Kunick mit seinem Buch, aus dem er gelesen hat. Foto: Peter Lisker

Weißenfels - Irgendwann ist alles Geschichte. Die Wende vor 32 Jahren ist es längst. Umso bemerkenswerter ist das Buch „Der lange Weg zur Freiheit“, in dem der Journalist Klaus-Dieter Kunick (69) 30 Frauen und Männer erzählen lässt, wie sie die Wende erlebt haben. Ungeschminkt wird die DDR-Realität dargestellt, aber auch die Wende-Zeit, die Gewinner und Verlierer hervorgebracht hat.

Die Gäste am Freitag waren der SPD-Landtagsabgeordnete Rüdiger Erben, der im Herbst 1989 seinen Wehrdienst in Weißenfels leisten musste. Sah es zunächst so aus, als sollte man mit Schlagstöcken gegen das Volk vorgehen, verschwanden die Lkw plötzlich wieder, die sie zu solchen Einsätzen fahren sollten. Unumwunden spricht er von der Angst, die er damals hatte. Der Großkorbethaer Pfarrer Uwe Hoff verwies auf die Schizophrenie, die herrschte. Man musste sich anpassen, im Jugendverband FDJ sein, um auf die erweiterte Oberschule gehen zu können.

„Sollen sich die Kinder ihre Zukunft verbauen?“

Andererseits wurden Gespräche mit Eltern geführt, deren Kinder zum Konfirmandenunterricht gingen: „Sollen sich die Kinder ihre Zukunft verbauen?“. Er jedenfalls ist nicht zu den Leipziger Montagsdemos gefahren, sondern hat sich in Weißenfels engagiert. Er verweist darauf, dass man sich in Sachsen bei den Demos in der Masse verstecken konnte. Das ging in Weißenfels nicht, wo man bekannt war. Und da waren die Rufe zunächst „Wir bleiben hier“, ehe daraus wurde: „Wir sind ein Volk“. Und heute: Zu oft gehe es um billige Wurst und Klamotten und viele PS unter der Motorhaube.

In der leider zu kurz gekommenen Diskussion meldeten sich auch zwei Schüler zu Wort. Da ging es um die eigene Verantwortung, egal in welchem Staat, wie Dominik Zeymer sagte. Und Lara Vocke verwies darauf, dass man auch die Meinungen Andersdenkender akzeptieren müsse. (mz)