Kostenlose FFP2-Masken: „Alles etwas chaotisch“

Kostenlose FFP2-Masken: „Alles etwas chaotisch“: Ansturm auf Apotheken in Weißenfels

Weissenfels/Lützen - Darüber, wer denn nun der nächste in der Warteschlange sei, gerieten zwei Frauen am Dienstagvormittag vor der Augustusapotheke in der Weißenfelser Jüdenstraße in Streit. Die nach eigenen Worten „Klügere“ gab schließlich nach, wenngleich sie sich doch im Recht wähnte. Viele Ältere wollten sich schnell ihre FFP2-Masken sichern. Denn die gab der Staat seit Dienstag an Risikogruppen nicht nur in Weißenfels, sondern bundesweit ...

Von Andrea Hamann-Richter und Martin Walter

Darüber, wer denn nun der nächste in der Warteschlange sei, gerieten zwei Frauen am Dienstagvormittag vor der Augustusapotheke in der Weißenfelser Jüdenstraße in Streit. Die nach eigenen Worten „Klügere“ gab schließlich nach, wenngleich sie sich doch im Recht wähnte. Viele Ältere wollten sich schnell ihre FFP2-Masken sichern. Denn die gab der Staat seit Dienstag an Risikogruppen nicht nur in Weißenfels, sondern bundesweit ab.

Ein Anrecht auf je drei kostenlose Masken hatte jeder Bundesbürger, der mindestens 60 Jahre alt ist. Bereits nach Öffnung der Apotheken bildeten sich in der Saalestadt teils lange Schlangen. Die große Masse wartete geduldig, bis sie an der Reihe war.

„Da freuen wir uns sehr“, sagte die Seniorin Irene Hopf, als ihr die Apothekerin Yvonne Camien drei Masken überreichte. Bislang habe die Seniorin ihre selbstgenähte Maske getragen und nun erhoffe sie sich in der Pandemie einen größeren Schutz vor einer Ansteckung, sagte sie.

Apotheken sind nich vom bundesweiten Lockdown betroffen

Routiniert arbeiteten Yvonne Camien und der Inhaber der Augustusapotheke, Ulrich Rothe, die Kunden ab. „Alle denken, wir machen im Lockdown zu, deswegen der Ansturm“, sagte er, machte aber klar, dass die Apotheken nicht von der bundesweiten Schließung vieler Geschäfte und weiteren Einrichtungen, die ab dem heutigen Mittwoch gilt, betroffen sind.

Die Menschen seien schon in der vergangenen Woche gekommen und hätten nach den Masken gefragt, so Rothe. Teilweise hätten sie dabei auch ihren Unmut geäußert, dass sie noch nicht vorrätig waren. Denn Gespräche, dass die Entscheidung für eine kostenlose Ausgabe fallen würde, habe es in der Regierung schon in den vergangenen Tagen gegeben.

Der Beschluss für die Ausgabe sei aber erst an diesem Montag rückwirkend erlassen worden, sagte er. „Es ist heute daher alles etwas chaotisch, denn niemand wusste, wie es ablaufen soll“, so der Apotheker weiter. Seine Mitarbeiter hatten bei ihren Lieferanten bestellt und gehofft, dass die Masken rechtzeitig kommen.

Lieferung der Masken kommt spät an

Genau wie Curt Wenzel, Inhaber der Weißenfelser Marien-Apotheke. Obwohl er bereits vorige Woche eine größere Menge FFP2-Masken geordert hatte, kamen sie erst am frühen Dienstagnachmittag an. „Es fehlte den meisten Apotheken genügend Vorlauf zur Bestellung, bevor die Aktion bekannt gegeben wurde“, kritisierte er die Politik.

Den Lieferanten könne er jedenfalls keinen Vorwurf machen. „Wenn circa 20.000 Apotheken bundesweit gleichzeitig auf große Stückzahlen zugreifen, sind die armen Paketdienste mit Sicherheit an ihre Kapazitätsgrenze gelangt.“

Gleiches berichtete Peggy Goblirsch, Inhaberin der Lützener Schloss-Apotheke. Bei ihr mussten die Kunden am Dienstag leer ausgehen, wie sie bedauerte. „Die Zeit war einfach zu knapp“, sagte sie. Zwar habe sie am Freitag eine Maskenbestellung abgegeben, doch „sie sind noch auf dem Postweg und werden hoffentlich am Mittwoch ankommen.“ Für die Lieferungen mussten sie und die anderen Apotheker in Vorkasse gehen.

Erstattet werden sollen die Masken später durch eine Pauschale aus dem Nacht- und Notdienstfonds des Deutschen Apothekerverbandes, bei dem es sich um eine zentrale Abrechnungs- und Verwaltungsstelle handelt. Ulrich Rothe und sein Team kalkulierten die Menge der Masken selbst. „Wir haben viele Stammkunden und konnten daher ganz gut rechnen und hoffen, dass wir mit der Bestellmenge hinkommen“, sagte der Apotheker.

Einige versuchen, in mehreren Apotheken an Masken zu kommen

Er konnte das Verhalten mancher Bürger nicht verstehen. Es hätte Personen gegeben, die nacheinander mehrere Apotheken ansteuerten, um sich weitere Masken abzuholen. Nachgeprüft werden könne das nicht, denn für die Ausgabe der Maske müsse nur der Ausweis gezeigt werden, um das eigene Alter nachzuweisen. Erst ab Januar werde für die Masken auch ein Formular der Krankenkassen notwendig.

Egon und Gisela Kroh aus Weißenfels holten sich ihre Maskentation bei Rothe ab. Der 84-Jährige und seine 81-jährige Frau freuten sich über das Angebot und erfuhren, dass die FFP2-Masken bei einer Tragedauer von etwa drei bis vier Stunden am Tag für bis zu vier Tage einen gewissen Schutz vor dem Virus bieten. (mz)