Interview mit OB Robby Risch

Interview mit OB Robby Risch: „Die Richtung in Weißenfels stimmt“

Weißenfels - Oberbürgermeister Robby Risch findet, dass 2017 für Weißenfels nicht so schlecht war, wie es sich angefühlt hat. Was er sich für 2018 wünscht.

29.12.2017, 09:25

Das Jahr 2017 war ein bewegendes für die Stadt Weißenfels. Über die vergangenen zwölf Monate sprach Reporter Andreas Richter mit dem Weißenfelser Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos).

Baustellen ohne Ende, Ärger in der Neustadt, Aus für die Geburtenstation - War 2017 ein besonders schwieriges Jahr für den Weißenfelser Oberbürgermeister?
Robby Risch: Sagen wir mal so: Das Jahr war nicht so schlecht wie es sich vielleicht auf den ersten Blick anfühlt. Es ist leider nun mal so, dass negative Dinge oft die größere öffentliche Aufmerksamkeit finden. Natürlich war es ein Jahr der Baustellen. Besonders die längere Bauzeit in der Saalstraße hat erhebliche Einschränkungen für Händler und Dienstleister zur Folge. Beim Marktplatz liegen wir im Plan. Im November 2018 wird er fertig sein.

Ich blicke auf das Jahr jedenfalls mit dem Gefühl zurück, dass in der Stadt wichtige Weichen für die Zukunft gestellt wurden. Die Richtung stimmt. Nur zwei Beispiele: Nach jahrelangen Bemühungen haben wir eine moderne Feuerwache. Die Weichen sind gestellt für neue Kitas in Großkorbetha, Tagewerben und Uichteritz.

Das Aus der Geburtenstation am Krankenhaus lässt sich aber nicht wegdiskutieren.
Risch: Das will ich auch gar nicht. Die Schließung der Geburtenstation an der Asklepios-Klinik ist definitiv ein Verlust für die Stadt. Doch wir als Kommune konnten diese Entwicklung nicht verhindern. Bei aller Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung kann ich der Klinik den Vorwurf nicht ersparen, dass sie den Gesprächsfaden zu schnell hat abreißen lassen.

Stichwort Neustadt. Wie soll es hier gelingen, einen wirklichen Bürgerdialog in Gang zu setzen?
Risch: Zuallererst: Stadt und Stadtrat können nicht alles selbst organisieren. Wir können nur in gewissem Maße anschieben und begleiten. Wir als Stadt werden uns im kommenden Jahr um die Einrichtung eines Stadtteilzentrums kümmern. Um einen Anlaufpunkt für eine sehr differenzierte Bevölkerung in der Neustadt. Und dann wollen wir die Infrastruktur in dem Stadtteil verbessern.

Ich denke da unter anderem an die Herder-Grundschule oder die Neustadtschule. Bei Letzterer hoffen wir, dass der Landkreis mitzieht. Ich werde dem Stadtrat vorschlagen, einen Teil des Geldes, das die Stadt voraussichtlich als Schadenersatz im Ergebnis des Abwasser-Rechtsstreits erhält, für investive Maßnahmen in der Neustadt zu verwenden.

Sie haben in diesem Jahr bei mehreren Gelegenheiten von den sogenannten weichen Standortfaktoren, unter anderem den Freizeitangeboten, gesprochen, die in Weißenfels verbessert werden müssen. Wie soll es da vorangehen?
Risch: Ich denke da vor allem an die Sanierung des Freibades, das daher im nächsten Jahr geschlossen bleiben muss. Auf Fortschritte hoffe ich auch bei der Suche nach einem neuen Standort für die Bibliothek und der Vorbereitung eines möglichen Umzugs des Heimatnaturgartens.

Wie schätzen Sie aktuell die Stimmung in der Weißenfelser Bevölkerung ein?
Risch: Will man etwas zur Stimmungslage erfahren, dann wird die Antwort sehr davon abhängen, wen man fragt. Denn wir haben es mit einer sehr differenzierten Stadtgesellschaft zu tun - von engagierten Bürgern bis hin zu jenen, die sich als Abgehängte der Gesellschaft fühlen. Da fällt mir eine Begebenheit beim jüngsten Adventskonzert ein. Ich traf jemanden aus Nordrhein-Westfalen wieder, der noch vor fünf Jahren sagte, er werde niemals nach Weißenfels ziehen. In diesem Jahr ist derjenige nun doch zu uns gezogen und fühlt sich wohl.

Welche Botschaft möchten Sie den Weißenfelsern für das neue Jahr mitgeben?
Risch: Ich würde mir vor allem wünschen, dass die Bürger mehr noch als bisher registrieren, dass sich in ihrer Stadt Vieles zum Positiven verändert. Wir müssen einer fortschreitenden Individualisierung der Gesellschaft entgegenwirken, bei der sich jeder selbst der nächste ist. Was die Politik betrifft, so sollte es uns gelingen, mehr noch davon zu profitieren, dass wir ein Teil des Ballungsraumes Halle/Leipzig sind. Diese Lage ist schließlich eine große Chance für Weißenfels.

(mz)