„Gefahr für Leib und Leben“

„Gefahr für Leib und Leben“: Unfallhaus birgt Risiken für Fußgänger und Bauarbeiten

Weissenfels - Seit Monaten scheint es am Unfallhaus in der Naumburger Straße in Weißenfels keinen Fortschritt zu geben. Das Gebäude gegenüber der Tankstelle ist bei zwei Unfällen im Herbst 2018 schwer beschädigt worden und seither nur notgesichert. Vor allen Dingen für Fußgänger bringt das Einschränkungen mit sich, da der Gehweg vor dem Gebäude gesperrt ...

Von Alexander Kempf 27.06.2019, 07:00

Seit Monaten scheint es am Unfallhaus in der Naumburger Straße in Weißenfels keinen Fortschritt zu geben. Das Gebäude gegenüber der Tankstelle ist bei zwei Unfällen im Herbst 2018 schwer beschädigt worden und seither nur notgesichert. Vor allen Dingen für Fußgänger bringt das Einschränkungen mit sich, da der Gehweg vor dem Gebäude gesperrt ist.

SPD: Gebäude muss aufgrund fehlender Standsicherheit abgerissen 

Mittlerweile hat sich der Landtagsabgeordnete Rüdiger Erben (SPD) eingeschaltet und Kritik geäußert. Er sorgt sich um Fußgänger, die an der „gefährlichen und unübersichtlichen Bundesstraße“ die Straßenseite wechseln müssen. Für eine vermeintliche Wendung sorgte seine Anfrage im Landtag. Hieß es seitens des Hauseigentümers bisher, dass das Gebäude samt eines Nebenhauses in der Rudolf-Götze-Straße aufgrund fehlender Standsicherheit abgerissen werden muss, erhielt der Landtagsabgeordnete eine andere Auskunft.

Demnach sei dem Unternehmen des Hauseigentümers in einem Schreiben der unteren Bauaufsichtsbehörde bereits am 11. Juni mitgeteilt worden, dass das Gebäude entweder abschließend zu sichern oder ein Abriss in Auftrag zu geben sei. Denn der Nachweis der statischen Standsicherheit sei erbracht. Demnach ist der Eigentümer am Zug, eine Entscheidung zu treffen und für mehr Sicherheit für die Weißenfelser Fußgänger zu sorgen.

Gebäude wieder bewohnbar zu machen, wäre unwirtschaftlich und ein Risiko für Bauarbeiter

Vertreten lässt er sich von Diplom-Bauingenieur Christian Wackermann. Der bestätigt auf Nachfrage, dass tatsächlich eine entsprechende Aufforderung der unteren Bauaufsichtsbehörde vorliegt, das Gebäude zu sichern oder abreißen zu lassen. Aus Sicht des Eigentümers kommt aber nur ein Abriss infrage, da sich der untere Sockel des Gebäudes verzogen hat. „Die Hütte muss abgerissen werden“, sagt Christian Wackermann.

Denn um das Gebäude wieder bewohnbar zu machen, wäre es notwendig, große Teile des Mauerwerks abzutragen. Das wiederum würde den Einsatz von zwei Spezialkränen und eine längere Vollsperrung der Naumburger Straße nach sich ziehen. So ein Vorhaben sei nicht nur unwirtschaftlich, sondern auch mit Risiken für die ausführenden Bauarbeiter verbunden. „Da besteht Gefahr für Leib und Leben“, warnt er.

Christian Wackermann versichert, dass auch er und der Eigentümer ein Interesse an einer schnellen Klärung des Falls haben. Er wirft den Versicherungen der beiden Unfallverursacher vor, das Verfahren auszusitzen. Im Oktober des vergangenen Jahres war zunächst ein Lastwagen durch die Hauswand des Mehrfamilienhauses gebrochen. Nur acht Tage später krachte ein alkoholisierter Autofahrer mit seinem Wagen in dieselbe Stelle.

Versicherungen der Unfallverursacher  müssen in die Pflicht genommen werden 

Christian Wackermann steht vor dem Problem, dass die Versicherungen der Unfallverursacher ein Gutachten zum Abriss noch nicht anerkannt haben. Umso wichtiger sei es, alles lückenlos zu dokumentieren, um alles später im Falle eines Rechtsstreits belegen zu können. „Es geht hier nicht um Peanuts“, so Christian Wackermann. Der entstandene Schaden könnte sich auf bis zu zwei Millionen Euro summieren.

Hätte der Hauseigentümer eine bessere Versicherung abgeschlossen, wäre das Gebäude laut Christian Wackermann wohl längst abgerissen. Doch bei Aufprallschäden durch Fahrzeuge zahlt diese nur bis zu 10.000 Euro. Umso wichtiger sei es, dass die Versicherungen der Unfallverursacher in die Pflicht genommen werden und der Hauseigentümer nicht auf einem Schaden sitzen bleibt, für den er nichts kann. (mz)