Die teure „Waschschüssel“

Die teure „Waschschüssel“: Millionenschweres Bauvorhaben soll fortgesetzt werden

Weissenfels - Warum die umstrittene Investition nun doch kommen soll.

Von Andreas Richter 06.04.2019, 07:00

Eine millionenschwere Investition, die in Weißenfels im vergangenen Jahr auf Eis gelegt wurde, soll nun doch noch kommen. Wie Andreas Dittmann, Vorstand der Abwasseranstalt, bestätigte, soll der umstrittene Bau eines Regenüberlaufbeckens (RÜB) in der Großen Deichstraße in diesem Jahr erneut europaweit ausgeschrieben werden.

Die teure „Waschschüssel“

Das unterirdische Becken sollte ursprünglich bereits im vergangenen Jahr in Angriff genommen werden. Im Mai 2018 wurde das Vorhaben jedoch verschoben, weil der Bau nach den Ausschreibungen deutlich teurer wurde als ursprünglich geplant. Waren es anfangs 5,7 Millionen Euro, so war später von mehr als neun Millionen Euro die Rede.

Mit der Verschiebung des Projekts ist zunächst auch ein großer Schandfleck in der Großen Deichstraße an der Saale geblieben. Nachdem die alte Grünanlage für den Bau des Beckens abgetragen wurde, soll dort eine Parkanlage nach historischem Vorbild entstehen. Grundlage ist ein Foto aus dem Jahr 1930.

Millionenschweres Bauvorhaben soll fortgesetzt werden

Der Bau des Beckens soll nun laut Dittmann im Juni dieses Jahres ausgeschrieben werden. Im Dezember, so der Plan, soll der Verwaltungsrat über die Vergabe der Bauleistungen für das Becken und ein modernes Hochwasserpumpwerk entscheiden. Baubeginn soll im April 2020 sein.

Was die nunmehr kalkulierten Kosten für das Bauvorhaben betrifft, so hält sich Dittmann vor der Ausschreibung zurück. Er widerspricht allerdings jenen Stadträten, die in der Vergangenheit mehrfach gefordert haben, den Bau des RÜB zu verschieben, bis die Baupreise wieder niedriger sind. „Die Fachwelt sagt derzeit eher das Gegenteil voraus: Die Baupreise werden weiter kräftig steigen“, so der Chef der Abwasseranstalt.

Andere Becken wurden für weniger gebaut

Dabei beruft sich Dittmann unter anderem auf eine Prognose des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Dieses sage für dieses Jahr einen Anstieg der Baupreise von rund 4,5 Prozent voraus, für das Jahr 2020 sollen es weitere 3,5 Prozent sein.

Stadtrat Manfred Rauner (CDU) ist dennoch skeptisch. Als Mitglied des Verwaltungsrates wird er über die Vergabe der Bauleistungen mit entscheiden. „Wir müssen uns genau ansehen, wie viel Geld wir für eine solche Waschschüssel ausgeben“, meint er. Und erinnert daran, dass andere Becken für deutlich weniger Geld gebaut wurden. So kostete die Anlage in der Markwerbener Straße rund 4,5 Millionen Euro.

Fünfte und letzte dieser Art in Weißenfels

Die Kosten für das geplante Becken in der Deichstraße können indes den Eigentümern von neu anzuschließenden Grundstücken nicht egal sein. Denn sie werden mit einmaligen Beiträgen an der Finanzierung beteiligt. Unklar ist derzeit jedoch, wie sich das Bauvorhaben genau auf die künftige Beitragshöhe auswirkt.

Das geplante Becken wird das fünfte und letzte dieser Art in Weißenfels sein. Die Anlagen dienen dazu, das Wasser bei starken Niederschlägen aufzunehmen und später dosiert an das Klärwerk abzugeben. Notwendig ist der Bau, weil in großen Teilen von Weißenfels ein Mischwassersystem besteht. Das heißt, Schmutz- und Niederschlagswasser werden in einem Kanal aufgenommen.

Abwassers aus der überlasteten Weißenfelser Kläranlage überschritten

Zwischen 2006 und 2011 hatte das Land Strafabgaben in einer Gesamthöhe von rund zehn Millionen Euro verhängt, weil Grenzwerte für Schadstoffe bei der Einleitung des Abwassers aus der überlasteten Weißenfelser Kläranlage in die Saale zum Teil erheblich überschritten wurde. In den folgenden Jahren wurden in Weißenfels die Kapazität des Klärwerkes erweitert und mehrere Regenüberlaufbecken gebaut. (mz)