Dauerbaustelle Saalstraße

Dauerbaustelle Saalstraße : Diesen Händlern platzt der Kragen

Weißenfels - Acht Monate sollen die Bauarbeiten in der Saalstraße noch dauern. Geplagte Weißenfelser Unternehmer machen ihrem Unmut Luft. Sie sehen ihre Existenz bedroht.

Von Andrea Hamann-Richter 02.10.2017, 09:44

Die Händler von der Jüdenstraße sind stinksauer. Sie haben erfahren, dass an der Saalstraße nicht bis November sondern bis Juni 2018 gearbeitet wird. Das sind acht Monate länger, als zugesagt.

Händler-Ärger in Weißenfels: Zu wenig Bauarbeiter, zu kurze Arbeitszeiten auf der Baustelle?

Ines Schmidt vom Bistro Suppines findet es unglaublich, dass manchmal nur drei oder vier Bauarbeiter da sind. Das bestätigt auch Annett Straube vom Modegeschäft Fashion Dream. Schmidt kann es nicht fassen, dass freitags spätestens 14.30 Uhr der Hammer fällt. Ihr Mann ist im Baugewerbe. Sie weiß, dass einiges vertraglich hätte vereinbart werden können. „Es hätte Freitag bis 17 Uhr gearbeitet werden können“, sagt sie. Und am Sonnabend auch.

Das sei üblich, denn viele Arbeiter würden im Januar, Februar und März wegen des Wetters zu Hause bleiben und könnten in dieser Zeit die angesammelten Stunden abbummeln.

Erboste Händler in Weißenfels: Baustelle in der Saalstraße bedroht auch Existenzen

„60 Prozent weniger Kunden habe ich“, sagt Kasim Gardash verzweifelt. Dabei ist sein Dönergeschäft erst seit zwei Jahren geöffnet.

Er steht nicht allein da. Ramona Bröckert vom Schreibwaren- und Spielgeschäft schläft schon lange schlecht. „Die Frage ist nicht, wann ich nachts vor Sorgen aufwache, sondern, ob ich überhaupt einschlafe“, sagt sie. „Ich frage mich jeden Morgen, was das wohl wieder für ein Tag wird“, sagt sie und es ist ihr anzumerken, wie sehr sie die Situation belastet.

„Es kommen keine auswärtigen Kunden mehr“, sagt Annett Straube. Ihr Brautmodengeschäft ist vollständig von der Straße abgeschnitten. „Ich habe Messen und keine Ahnung, wie ich die Sachen in das Auto bekommen soll“, beklagt sie. „Ich habe mich jetzt drei Monate zurückgenommen, weil ich dachte, der Termin im November wird eingehalten“, so die Geschäftsinhaberin. „Jetzt ist es so, dass die schlaflosen Nächte nicht mehr aufhören“, sagt auch Straube. Entlassen will sie niemanden ihrer Angestellten. „Eine Mitarbeiterin habe ich das 25. Jahr. Das kann ich ihr doch nicht antun“, so die dynamische Frau.

Baustelle in Weißenfels: Entlassungen beim Juwelier und Uhrmacher

Juwelier und Uhrmacher Olaf Necke hat diesen Schritt bereits getan. Zwei Mitarbeitern musste er kündigen. Momentan steht ihm nur noch eine Aushilfe zur Seite. „Wenn nichts reinkommt, dann kann ich auch niemanden mehr bezahlen“, sagt er. Dabei ist er erst nach Weißenfels gezogen. Vor zwei Jahren kam er aus Bad Lauchstädt mit seinem Geschäft in die Saalestadt. „Bad Lauchstädt war wegen der vielen Bauarbeiten tot“, so der Mann. Ähnliches befürchtet er für Weißenfels.

„Das Weihnachtsgeschäft steht an. Ich kann an nichts anderes mehr denken“, sagt Elke Peschke von der Weinhandlung Ambiente. Sie befürchtet ein finanzielles Desaster.

„Wir merken es auch auf jeden Fall“, sagt Julia Linse von Hair Cash. Diejenigen, die mit dem Bus und dem Auto in die Stadt kommen, hätten entweder das Problem, dass sie erst eine Viertelstunde durch die Stadt laufen müssten, oder für ihren Pkw keine Parkplätze bekommen. „Und dann jagt das Ordnungsamt mit seinen Strafzetteln hinterher“, sagt Annett Straube.

Erboste Händler in Weißenfels wollen mehr Bauarbeiter fordern - das sagt die Stadt

Sie überlegen, beim Oberbürgermeister vorzusprechen. Sie fordern, dass zusätzliche Arbeiter eingestellt werden. Und das in der Hoffnung, dass der Termin November doch noch eingehalten wird. Sie können ihre Sorgen nicht mehr länger für sich behalten.

Thomas Polzer, Sachbearbeiter Planung und Bauleitung von der zuständigen Weißenfelser Abwasseranstalt, sagt, dass immer drei Mannschaften auf der Straße beschäftigt seien. Es gebe außerdem Abschnitte an der Baustelle, da machen mehr Arbeiter keinen Sinn, weil die technischen Abläufe dadurch nicht schneller abgearbeitet werden. Rohre können zum Beispiel nicht zeitgleich an verschiedenen Abschnitten verlegt werden, sagt er weiter. Die Gefahr, dass sie dann nicht zusammenpassen, sei zu groß. Außerdem seien nach der Öffnung der Straße Probleme sichtbar geworden, die vorher nicht absehbar waren.

Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, dass der Händlerverkehr wieder durch die Große Kalandstraße auf die Jüdenstraße gelangt. „Wir wissen, dass es vor allem für die Händler unangenehm ist“, sagt Polzer. „Wir hatten uns das auch anders vorgestellt.“ (mz)