Belastetes Abwasser

Belastetes Abwasser: Klärt Gericht Vorgänge im Klärwerk Weißenfels?

Weißenfels/Halle (Saale) - Stadt Weißenfels sieht sich in dem Fall nicht allein in der Verantwortung.

Von Andreas Richter 09.03.2017, 09:07

Wie konnte vor fast genau elf Jahren belastetes Abwasser in die Saale gelangen? Wer war im Weißenfelser Klärwerk für welche Abläufe verantwortlich? Antworten auf diese höchst komplexen Fragen haben am Mittwoch die Teilnehmer einer Verhandlung am Landgericht in Halle gesucht.

Die Ausgangslage: Zwischen den Jahren 2006 und 2011 ist vom Weißenfelser Klärwerk aus mehrfach Abwasser in die Saale gelangt, in dem die Grenzwerte für bestimmte Schadstoffe zum Teil deutlich überschritten wurden. Deshalb hat das Land Strafen in einem Gesamtumfang von mehr als zehn Millionen Euro verhängt.

Strafgeld: Stadt Weißenfels sieht sich in dem Fall nicht allein in der Verantwortung

Die Stadt, die dieses Strafgeld mittlerweile vollständig gezahlt hat, sieht sich in dem Fall jedoch nicht allein in der Verantwortung. Deshalb hat sie die Stadtwerke als damaligen Betriebsführer, ein Ingenieurbüro, das das Betriebsregime der Kläranlage betreut hat, und das Fleischwerk als Haupteinleiter von Abwasser auf Schadenersatz verklagt.

In den vergangenen beiden Jahren hatten sich die Vertreter der einzelnen Parteien bereits in einem umfangreichen Schriftverkehr mit der komplizierten Materie auseinandergesetzt. Nun standen bei der gestrigen Zeugenvernehmung der Umbau der Kläranlage im Februar 2006 und dessen Auswirkungen auf die Aufnahmekapazität der Anlage im Mittelpunkt der Betrachtung.

Im Klärwerk Weißenfels wurde ein defekter Reaktor demontiert und durch eine zweite Zentrifuge ersetzt

Mehr als drei Stunden lang wurde der damalige Wärter der Anlage, der heute 64-jährige Rentner Klaus Rauer, zu den technologischen Vorgängen in der Zeit zwischen 14. und 20. Februar 2006 befragt. In jenem Zeitraum, in dem die erste Strafe für belastetes Abwasser verhängt worden war, wurde im Klärwerk ein defekter Reaktor demontiert und durch eine zweite Zentrifuge zur Eindickung von Klärschlamm ersetzt.

In den Jahren 2014/15 ist die Kapazität des Weißenfelser Klärwerkes von 76.500 auf nunmehr 125.000 Einwohnerwerte erhöht worden. Rund elf Millionen Euro wurden in die von der Weißenfelser Abwasseranstalt betriebene Anlage investiert, etwa die Hälfte davon sind Fördermittel. Pro Tag werden im Durchschnitt etwa fünf Millionen Liter Schmutzwasser in das Klärwerk eingeleitet. An Regentagen können es bis zu zwölf Millionen Liter Mischwasser sein. Für den Transport des Abwassers sorgt ein insgesamt rund 200 Kilometer langes Netz aus Kanälen. 14 Pumpstationen und weitere Sonderbauwerke komplettieren das Netz. ari

Anhand des Betriebstagebuchs und von Aufzeichnungen über die damals angefallenen Schlammmengen hangelten sich die Rechtsvertreter beider Seiten durch eine technisch höchst anspruchsvolle Materie, die zum Teil auch die vorsitzende Richterin Karen Lachs zu überfordern schien.

Klarwerk Weißenfels: Probleme bei der lückenlosen Dokumentation der technologischen Vorgänge

Dabei hinterließ die Zeugenvernehmung beim neutralen Beobachter den Eindruck, dass es durchaus Probleme bei der lückenlosen Dokumentation der technologischen Vorgänge jener Zeit gibt. Die Rechtsvertreter der Stadtwerke sahen es zumindest als erwiesen an, dass sich anhand der vorliegenden Betriebsberichte im genannten Zeitraum keine erhöhte Belastung mit Flotatschlamm, möglicherweise als Ursache für die Einleitung von belastetem Abwasser, ableiten lässt.

Die Frage nach der Verantwortung wird die Beteiligten noch lange beschäftigen. Mittlerweile sollen weitere Termine bis nach der Sommerpause vereinbart werden. (mz)