700. Leißlinger Eierbetteln

700. Leißlinger Eierbetteln: Fünf Gründe, warum diese Veranstaltung so einzigartig ist

Leißling - Das Leißlinger Eierbetteln jährt sich an diesem Sonntag zum 700. Mal. Die MZ nennt fünf Gründe, warum diese Veranstaltung so einzigartig ist.

Von Jan Iven 25.05.2018, 05:00

Schräg, schräger, Eierbetteln - in Leißling jährt sich die verrückte Veranstaltung rund um den Strohbären am Sonntag zum 700. Mal. Zwar sind in diesen Tagen auch in Markwerben die Eierbettler unterwegs. Doch zum Jubiläum hat Leißling die Nase vorn. Die MZ nennt fünf Gründe, warum das Eierbetteln so einzigartig ist.

Um das Eierbetteln ranken sich viele Geschichten

Das heutige Eierbetteln wirkt auf den Besucher wie ein fröhlicher Karneval im Frühling. Hunderte Feierwütige ziehen in Gruppenkostümen durch den Ort. Früher sollten mit dieser Tradition böse Geister und der Winter ausgetrieben werden.

Der Strohbär und die Masken symbolisieren das Böse, die Eier und die als Maie gesetzten Birken das Leben. Das Betteln geht möglicherweise auf Hirten zurück, die sich ihren Lohn erbitten mussten. Heute gibt es beim Rundgang durch den Ort vor allem Schnaps und Bier.

Der Strohbär als zentrale Figur des Eierbetteln

Der Strohbär gehört zum Leißlinger Eierbetteln wie der Tannenbaum zu Weihnachten. Er steht für das Böse, möglicherweise auch für den Winter. Verbreitet ist die Tradition vor allem in Süddeutschland, aber auch in Teilen von Mitteldeutschland. Jedes Jahr wird ein Leißlinger mit kiloweise Stroh als Strohbär verkleidet. Das Binden der Halme ist eine Kunst für sich, die Stunden in Anspruch nimmt und nur noch von wenigen beherrscht wird. Begleitet wird der Strohbär stets von seinem Strohbärführer. Wichtig zu beachten: Beide dürfen nur zusammen fotografiert werden.

Beim Leißlinger Eierbetteln macht das ganze Dorf mit

Es ist erstaunlich, aber fast jeder Leißlinger scheint ein Blasinstrument zu beherrschen. Zumindest lassen die vielen Kapellen beim Eierbetteln darauf schließen. Und wer nicht musiziert, der verkleidet sich und feiert oder schaut zumindest zu.

Von den Kindern der Kita Strohbär über die Eierbettler in schrägen Gruppenkostümen bis hin zu den Senioren, die das Treiben vom Bürgersteig aus verfolgen: Wirklich alle Leißlinger sind dabei. Außerdem werden an diesem Wochenende in der Ortschaft mit gerade 1.500 Einwohnern wieder bis zu 4.000 Besucher erwartet.

Das Eierbetteln lässt den Kölner Karneval gefrieren

Kein Witz! Als vor 700 Jahren - also 1318 - das erste offiziell erwähnte Eierbetteln in Leißling gefeiert wurde, hat es laut frühen Wetteraufzeichnungen in Köln im Sommer geschneit. Sogenannter Mummenschanz und Fastnacht als frühe Form des heutigen Karnevals wurden damals schon zur Winteraustreibung auch am Rhein gefeiert. Der erste offizielle Rosenmontagsumzug fand in Köln aber erst 1823 statt - und damit mehr als 500 Jahre nach dem ersten Eierbetteln.

Nur Leißlinger können das Eierbetteln verstehen

Besucher dürfen beim Eierbetteln mitfeiern, werden aber eher geduldet. Dabei sollten sie keine vermeintlich „doofen Fragen“ stellen. Sei es, weil die Leißlinger sie selbst nicht beantworten können oder nur Einheimische das Eierbetteln wirklich verstehen. Vor allem sollten Auswärtige nicht versuchen, das Eierbetteln zu erklären. Das geht mit Sicherheit schief. Auch der Verfasser dieser Zeilen wird vermutlich schon bald vom Strohbären...

››700. Leißlinger Eierbetteln. Sonntag. 8 Uhr: Kindereierbetteln. 11.30 Uhr: Platzkonzert. Buntes Maskentreiben: ab 12 Uhr. Großer Festumzug: 18 Uhr. Kostenloser Pendelbusverkehr von 12 bis 20 Uhr vom Parkplatz am Einkaufszentrum „Schöne Aussicht“ in Leißling. (mz)