Wanderlehrpfad geplant

Wanderlehrpfad in Sangerhausen geplant: Verein will an Künstler Wilhelm Schmied erinnern

Sangerhausen - Auch Werke der Tochter Ursula Rein sollen einbezogen werden.

Von Frank Schedwill

Seit dem Umbau des Sangerhäuser Bahnhofs strahlt das Mosaik des Sangerhäuser Malers Wilhelm Schmied in neuem Glanz. In diesem Jahr soll Schmieds wohl bekanntestes Werk auch Ausgangspunkt eines neuen Wilhelm-Schmied-Wanderlehrpfades werden, der an den 1984 verstorbenen Künstler und dessen Tochter Ursula Rein (1936 - 2014) erinnert.

„Wir wollen den Sangerhäusern und den Besuchern der Stadt damit die Werke beider Künstler nahebringen. Schmied und Rein haben in Sangerhausen große Spuren hinterlassen“, sagt Iris Ziegler, die Vorsitzende des Schmiedvereins.

Stadtbibliothek Sangerhausen soll in Lehrpfad einbezogen werden

Um die Besucher neugierig zu machen, ist geplant, im Bahnhof eine Figur des Künstlers auszustellen. „Diese Idee hatte Oberbürgermeister Ralf Poschmann (CDU), der Schirmherr unseres Vereins ist“, sagt Ziegler. Zu finden sein soll die Figur im sogenannten Mitropa-Fenster, das sich im Eingang zur früheren Gaststätte im Westflügel des Gebäudes befindet.

Von dort hat man eine gute Sicht auf das riesige Wandbild mit den Motiven aus der Kreisstadt. Dann soll die Stadtbibliothek in den Lehrpfad einbezogen werden. In den Räumen will die Stadt das Schmiedbild „Sangerhäuser Blumenstrauß“ aufhängen, das früher im Standesamt im Rathaus zu finden war.

Zahlreiche Stationen in Sangerhausen vorgesehen

Als weitere Stationen sind unter anderem die Galerieschaufenster des Schmiedvereins in der Kylischen Straße 18, das Wandbild von Ursula Rein am Haus 1 des Hortes Poetengang sowie Schmieds früheres Atelier in der Wilhelm-Koenen-Straße vorgesehen, das heute vom Alpenverein als Kletteratelier genutzt wird.

Auch auf die Sgraffito-Arbeiten an der Berufsschule in der Karl-Liebknecht-Straße und an den Fassaden der Häuser in der Engelstraße soll mit Tafeln hingewiesen werden, sagte Ziegler.

Geplant ist so ein Schild ebenso an der Brachfläche im Stadtteil Südwest, auf der sich bis zu ihrem Abriss im Jahr 2011 die Juri-Gagarin-Schule (das spätere Schillergymnasium) befand. An dem Gebäude hing ein großes von Schmied geschaffenes Wandbild mit dem Namen „Juri Gagarin“. Zum Ärger vieler Sangerhäuser wurde es damals nicht gerettet, sondern ist mit dem Gebäude der Abrissbirne zum Opfer gefallen. Jetzt soll zumindest ein Bild an das Werk erinnern.

Wilhelm Schmied wurde 1910 in Dresden geboren. Er verbrachte seine Jugend in Riesa. Danach begann er eine Lehre als Dekorationsmaler und Lackierer. Er arbeitete als Malergeselle in Nürnberg, Staffelstein und Schkeuditz. 1930 studierte er ein Semester an der Kunstschule Nürnberg und legte 1934 die Meisterprüfung als Maler und Lackierer in Halle ab. Im gleichen Jahr heiratete er Johanna Lutze aus Schkeuditz. 1936 wurde die gemeinsame Tochter Ursula geboren, die auch als Künstlerin tätig war.

Bis 1940 arbeitete Wilhelm Schmied als selbstständiger Malermeister in Sangerhausen. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ er sich erneut in Sangerhausen nieder, um nach jahrelangem Selbststudium eine freiberufliche Tätigkeit als Maler und Grafiker zu beginnen. 1951 gewann er den Wettbewerb zur künstlerischen Ausgestaltung des Maxim-Gorki-Theaters in Magdeburg. Zusammen mit Karl Erich Müller schuf Schmied eine ganze Reihe von Mosaiken und Wandbildern, so auch für das chemische Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und die Leunawerke.

Von 1959 bis 1976 leitete er den Verband Bildender Künstler des Bezirkes Halle und war ab 1974 ordentliches Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Aus dem 1959 abgeschlossenen Freundschaftsvertrag mit dem Mansfeld-Kombinat und dem Thomas-Münzer-Schacht Sangerhausen resultierten viele Auftragsarbeiten und das 1969 für ihn eigens errichtete Atelier in Sangerhausen-Südwest. Wilhelm Schmied leitete viele Jahre einen Malzirkel in Sangerhausen, zu dessen Mitgliedern Eva Maria Müller, Dieter Gerbot und seine Tochter Ursula Rein zählten. Schmied erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen der DDR. Er verstarb am 7. Dezember 1984 in Sangerhausen. (mz)

Integrieren in den Lehrpfad will der Schmiedverein künftig auch ein Mosaikbild, das noch immer in der ehemaligen Abfüllstation der Mammut-Brauerei hängt. Der Verein plant, es in Zusammenarbeit mit dem Schollgymnasium abzunehmen und an einer repräsentativen Stelle im Stadtgebiet zu montieren.

Termin für Eröffnung des Wilhelm-Schmied-Lehrpfads ist noch offen

Wann der Wanderlehrpfad eingeweiht werden kann, ist noch offen. Ein möglicher Termin wäre das „Hafenfest“, das der Verein im August dieses Jahres im Bahnhof plant. Hintergrund: Das Motorschiff „Sangerhausen“, das Schmied gemalt hat, würde dieses Jahr 40 Jahre alt - wenn es nicht 1990 verschrottet worden wäre.

Ziegler hat wegen des Jubiläums gemeinsam mit ehemaligen Besatzungsmitgliedern der MS Sangerhausen Pläne geschmiedet. Sangerhäuser Schüler sollen im Vorfeld des Festes Gemälde des Schiffes, sogenannte Kapitänsbilder, erstellen.

„Wir als Verein stellen das Recherchematerial zur Verfügung, etwa über die verschiedenen Reiserouten der MS Sangerhausen und über die Besatzungsmitglieder als Ansprechpartner und natürlich das Schiff selbst. Die Schüler sollen dann verschiedene Häfen im Internet als Hintergrundlandschaft auswählen, wo die MS Sangerhausen ankerte“, sagte Ziegler.

Zum Hafenfest ist eine Schülervernissage geplant, auf der die neuen Kapitänsbilder mit dem Original von Schmied gezeigt werden. Schmied hatte im Jahr 1984 die MS Sangerhausen vor der Kulisse von Hongkong gemalt. Als Vorlage dienten ihm damals aber noch keine Bilder aus dem Internet, sondern eine Postkarte. (mz)

Mehr zum Verein im Internet:  www.wilhelm-schmied.de