Streit um Verkauf der Vorburg

Streit um Verkauf der Vorburg: Berliner Ritter brechen die Zelte in Allstedt ab

Allstedt - Nun wird der Verkauf an einen Interessenten aus Lübeck im Stadtrat behandelt

Von Grit Pommer 24.11.2017, 11:36

Die Schlacht ist geschlagen, die Berliner Ritter räumen das Feld. Der bisherige Vereinsvorsitzende Manfred Zielsdorf formuliert das Ende drastisch: „Ich habe endgültig von Allstedt die Schnauze voll.“

Man werde die Zelte abbrechen und alles verlieren, was man in den vergangenen Jahren in der Vorburg investiert hat. Für Zielsdorf hat das traurige Ende der Berliner Ritter in Allstedt auch persönliche Konsequenzen. Er sei als Vereinsvorsitzender abgewählt worden, erklärt er im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung.

Verein Berliner Ritter hat bisher 200.000 Euro und Tausende Arbeitsstunden in die Allstedter Vorburg investiert

Dass der Verein an die 200.000 Euro und Tausende Arbeitsstunden in die Vorburg investierte, obwohl man nur einen befristeten Pachtvertrag hatte, sei ihm am Ende zum Vorwurf gemacht worden. „Die sagen, ich hätte das Geld zum Fenster rausgeschmissen“, so Zielsdorf.

Von einem Rechtsstreit mit der Stadt um eine Entschädigung für das Geleistete ist zumindest bei Zielsdorf inzwischen keine Rede mehr. „Ich will nicht mehr“, sagt er. Und kündigt die Auflösung des Vereins an. Der Vorburg in Allstedt prophezeit er den Verfall, wenn nicht schnell weitere Sanierungsmaßnahmen passieren. „Spätestens nächstes Jahr wird das Dach einstürzen“, meint Zielsdorf.

Enttäuscht äußerte er sich über den Allstedter Stadtrat. Verschiedene Mitglieder hätten den Berliner Rittern zwar versichert, wie wichtig und richtig sie ihr Engagement für das alte Gemäuer finden. Im Streit um die weitere Nutzung habe ihnen aber keiner geholfen.

Allstedter Stadtrat hat bereits 2015 den Verkauf der Vorburg beschlossen

Ende 2015 hatte der Stadtrat den Verkauf der Vorburg beschlossen. Statt des Vereins, der dort seit 2009 mit viel Eigenleistung unter anderem die beiden Kavaliershäuser und den Spiegelsaal sanierte, beispielsweise das Dach sicherte, Öfen und Fenster reparierte, die Elektrik erneuerte, Bäder einbaute und unter gammeligem Linoleum die alten Dielenfußböden wieder zum Vorschein brachte, wünschten sich die Stadträte einen potenten Investor. Einen, der mit viel Geld eine denkmalschutzgerechte Generalsanierung umsetzt.

Im Frühjahr bot Allstedt die Vorburg in der Denkmalbörse des Landes im Internet an. Und womit viele gar nicht gerechnet hatten, passierte plötzlich doch: Es meldete sich ein Interessent aus Lübeck, der in dem Objekt zunächst eine Druckmanufaktur, eine PR-Agentur und einen kleinen Verlag ansiedeln und in späteren Ausbauschritten ein Restaurant und ein Boutique-Hotel mit zehn bis 15 Zimmern einrichten will.

Die Lübecker hätten sich auf der Denkmalbörse zunächst für Schloss Seeburg interessiert, sagt Allstedts Bürgermeister Jürgen Richter (CDU). Als dort andere den Zuschlag erhielten, wandten sie sich der Allstedter Vorburg zu, die für 79.000 Euro zum Kauf angeboten wurde.

Stadtrat Allstedt wollte Berliner Rittern keinen 30-jährigen Pachtvertrag für die Vorburg geben, er favorisierte stattdessen den Verkauf

Bis zum Ende der Ausschreibung am 31. Oktober habe sich auch kein weiterer Interessent mehr gemeldet, sagte Richter auf MZ-Anfrage. Den Beschluss über den Verkauf an die Lübecker will er jetzt in den Stadtrat einbringen und setzt damit den Beschluss von 2015 konsequent um. Im Hauptausschuss wurde die Vorlage in dieser  Woche schon vorberaten.

Im Stadtrat indes hat sich in den vergangenen Monaten  niemand gefunden, der eine Rücknahme des Verkaufsbeschlusses von 2015 auf die Tagesordnung gebracht hätte. Thomas Schlennstedt, Vorsitzender der Fraktion SPD/FFw, hat zwar die Online-Petition der Berliner Ritter für den Erhalt ihres Domizils in der Allstedter Vorburg unterzeichnet. Auf die Tagesordnung wollte er die Sache aber nicht noch einmal bringen.

Denn bevor 2015 der Verkaufsbeschluss gefasst wurde, hatte Schlennstedt einen 30-jährigen Pachtvertrag für die Ritter auf die Tagesordnung gebracht. Auf dessen Grundlage hätte sich der Verein auch um Fördermittel bemühen können. Schlennstedts Vorlage fand aber keine Mehrheit, stattdessen wurde der Verkauf beschlossen, der nun schon bald besiegelt werden könnte. (mz)