Skandinavischer Brauch in Tilleda Skandinavischer Brauch in Tilleda: Licht und Leckereien beim Lucia-Fest

Tilleda/MZ - Lucy Hartenhauer war sich gar nicht bewusst, dass ihr Name auf Latein „die Leuchtende“ bedeutet. Erst seitdem Donald Hilpert die Idee hatte, in Tilleda das nordische Lucia-Fest zu feiern, weiß sie Bescheid - und mit ihr nun auch viele Tilledaer.
Die Kinder der Christenlehrgruppe zogen am Donnerstag durch den Ort und erzählten die Geschichte der Heiligen Lucia. In Schweden gehört zu dem Fest traditionell die Wahl einer örtlichen Lucia. Darauf konnte man in dem Kelbraer Ortsteil getrost verzichten. Keine Frage: Lucy Hartenhauer übernahm dabei den Part ihrer Namensvetterin.
Kennengelernt hatte Donald Hilpert das Lucia-Fest bei einer Weiterbildung auf dem Schloss Donndorf. Der Literat konnte schnell einige Frauen aus der Tilledaer Qi-Gong-Gruppe dafür begeistern. Und so fertigte Eva Pietsch Kostüme für das geplante Ritual an und Beate Karnstedt zauberte Geschenkbeutelchen. Neben Plätzchen fand sich auch ein Hefeteilchen darin. Karnstedt erklärte: „Es handelt sich dabei um einen Katzenschwanz. Wie der, dem Lucia gefolgt ist“. Sie hatte für das Backwerk extra nach einem schwedischen Rezept Ausschau gehalten. „Allerdings unterscheidet sich der schwedische Teig nur um ein einziges Ei von meinem eigenen Hefeteigrezept“, musste die Tilledaerin belustigt feststellen.
Elf Bewohner, die älter als 85 Jahre sind
Gemeindepädagogin Birgit Patzschke hatte in Vorbereitung auf das Lucia-Fest mit den Kindern nicht nur fleißig an kleinen Gaben gebastelt, sondern auch zwei Lieder eingeübt. Die sang die bunte Truppe dann am Donnerstagnachmittag, als man am Pfarrhaus startete und von Haus zu Haus zog. Besucht wurden die elf Einwohner, die bereits das 85. Lebensjahr erreicht haben. Die Kinder ließen ihre Lieder hören und übergaben die kleinen Aufmerksamkeiten. Allen voran Lucy, gehüllt in ein weißes Gewand und mit leuchtendem Kranz auf dem Kopf.
Paul und Wally Bosse waren die Ersten, die von der Tilledaer Lucia bedacht wurden. Kaum hatten sie sich versehen, stand die ganze Prozession ihm Wohnzimmer der Eheleute. Begleitet wurde die neunjährige Lucy von Brautjungfern, Wichteln und den erwachsenen Organisatoren. „Wir haben den Brauch etwas erweitert“, erklärte Hilpert. Sogar Maria und Josef, die im echten Leben Konfirmandinnen sind, feierten mit beim Lucia-Fest. Der 55-jährige Hilpert, der regelmäßig Gedichte im Gemeindebrief veröffentlicht, scherzte: „Die Eltern von Jesus wollten ihre Kostüme schon einmal Probe tragen“. Den besuchten Senioren machte es nichts, dass Lucia-Fest und Krippenspiel unüblicherweise einher gingen. Es überwog die Überraschung darüber, dass der Donnerstag eben kein üblicher vernebelter Dezembertag blieb, sondern Leben, Licht und Leckereien in die Häuser einzogen.