Kleingartenverein „Schloßblick“

Kleingartenverein „Schloßblick“: Warum dem Allstedter Verein nun das Aus droht

Allstedt - Zu dem Verein gehören drei Anlagen mit 120 Parzellen.

Von Grit Pommer 10.04.2018, 11:10

Strahlender Sonnenschein, fast 20 Grad und der Boden schon richtig schön abgetrocknet - am Wochenende gab es für die Kleingärtner kein Halten mehr. Überall wurde auf der Scholle gewerkelt.

In den drei Kleingartenanlagen, die in Allstedt zum Verein „Schlossblick“ zusammengeschlossen sind, wird der eine oder andere Gartenfreund dabei vielleicht auch ein bisschen nachdenklich geworden sein. Denn der Verein, zu dem immerhin 120 Gärten gehören, steht vor dem Aus. Am 15. April sind alle Mitglieder zur Versammlung eingeladen. Einziges Thema wird die Abwicklung des Vereins sein.

Allstedter Verein „Schlossblick“ hat keinen Vorsitzenden mehr

Das Problem beim „Schlossblick“: Er hat keinen Vorsitzenden mehr. Harry Rensch, der den Verein seit über 20 Jahren geleitet hat, will die Aufgabe in andere Hände geben. „Ich hatte schon bei der letzten Wahl erklärt, dass ich es zum letzten Mal mache und dass man sich überlegen soll, wer als Nachfolger in Frage käme“, sagt Rensch im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung.

Doch es fand sich niemand. Und Rensch, der sich schon seit so vielen Jahren um die Geschicke des eingetragenen Vereins kümmert, lässt sich auch nicht noch einmal breitschlagen. „Es wäre gut, wenn mal jemand jüngeres mit neuen Ideen das Ruder übernimmt“, meint er.

Ohne ordentlichen Vorsitz kann der „Schlossblick“ aber nicht weiterbestehen. Die Folge: Der beim Gericht eingetragene Verein muss offiziell abgewickelt werden. Harry Rensch und ein weiterer Gartenfreund wurden als Liquidatoren bestellt und haben sich auch schon mit einem Notar in Verbindung gesetzt, der mit ihnen das weitere Prozedere abgesprochen hat.

Am 15. Aprill soll der Allstedter Verein abgewickelt werden

Die Versammlung am 15. April ist der nächste Schritt. Alle Mitglieder wurden schriftlich dazu eingeladen. Es wird noch einmal gefragt werden, ob sich ein neuer Vorsitzender findet. Der könnte dann eingesetzt werden und der Verein weiterbestehen, sagt Rensch.

Findet sich niemand, dann müssen die Liquidatoren für den „Schloßblick“ beim Gericht die Austragung aus dem Vereinsregister beantragen. Damit wäre der Gartenverein in absehbarer Zeit Geschichte.

Angst um ihre Gärten müssen die Pächter aber trotzdem nicht haben, sagt Rensch. „Die Flächen der drei Anlagen gehören der Stadt Allstedt und die hat bereits signalisiert, dass sie die Verträge fortführen wird“, erklärt er. Bürgermeister Jürgen Richter (CDU) bestätigt das. „Wir wollen den Verein bei der Abwicklung unterstützen“, sagt er auf MZ-Anfrage.

Droht Kleingärtnern in Allstedt nun eine höhere Pacht?

Für die Pächter wäre dann nicht mehr der Verein, sondern die Stadt direkt der Ansprechpartner. Rechtlich ist es dann allerdings so, dass sie nicht mehr durch das Bundeskleingartengesetz geschützt sind, das beispielsweise einen Höchstbetrag für die Pacht festlegt.

Zurzeit zahlen die Mitglieder für einen Garten nur 15 Euro Pacht im Jahr sowie 15 Euro Vereinsbeitrag. Die Parzellen im Grünen sind also wirklich für jeden erschwinglich.

Wird der „Schloßblick“ abgewickelt, dann geht eine lange Vereinsgeschichte zu Ende. Gegründet wurde er in den 30-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, berichtet Harry Rensch. Ursprünglich war er sogar noch größer, zählte 150 Gärten. Doch die Entwicklung nach der Wende ging auch am Kleingartenwesen in Allstedt nicht spurlos vorüber.

Immer mehr Kleingärten in Allstedt stehen leer

In den Anlagen „Kosakenwiese“, „Hornberg“ und „Zwinger“ standen immer mehr Gärten leer, letztere wurde bereits verkleinert. Am Zwinger hat auch Harry Rensch seinen Garten - und will ihn weiter bewirtschaften. Denn das ist zwar die einzige Anlage ohne Stromanschluss. „Aber der Boden ist dort am besten“, sagt er.

Weil in dieser Anlage besonders viele Gärten leer stehen, soll sie weiter schrumpfen, aus leeren Parzellen sollen Streuobstwiesen werden. Dabei hoffe man auf die Unterstützung der Stadt, sagt Rensch. Denn vor allem der Rückbau von Lauben, die asbesthaltiges Material enthalten, sei sehr teuer.

Der Verein habe mal für die Beseitigung und Entsorgung von sechs solcher Lauben ein Angebot bei einer Firma eingeholt, berichtet Rensch. Es belief sich auf rund 11.000 Euro. (mz)