Shutdown vor Weihnachten

Händler in Sangerhausen und der Umgang mit dem erneuten Lockdown

Sangerhausen - Händler in Sangerhausen und der Umgang mit dem erneuten Lockdown

Von Frank Schedwill

Am Sangerhäuser Schützenplatz hing am Montag noch das große rote Plakat mit der goldenen Schrift. Der Gewerbeverein lud damit zum Adventsshopping am kommenden Samstag, 19. Dezember, in die Innenstadt ein. Die Veranstaltung wird es nun nicht mehr geben. Stattdessen müssen fast alle Geschäfte im Rahmen des mittlerweile dritten Corona-Shutdowns bereits ab dem morgigen Mittwoch wieder schließen und das kurz vor Weihnachten.

Sangerhausens Gewerbevereinschef Marco Dauer gibt sich trotzdem diplomatisch. „Schön ist es nicht. Es ist aber, wie es ist, und nicht zu ändern“, sagt er. Dabei sei die Zeit vor den Festtagen die normalweise umsatzstärkste des Jahres und die Händler hätten einen dritten Einkaufssamstag gut gebrauchen können. Der zweite am vergangenen Wochenende sei aus seiner Sicht sehr gut gelaufen. „Eine Wiederholung hätte uns allen nach dem schwierigen Jahr gut getan“, betonte Dauer, der die wirtschaftlichen Probleme vieler Innenstadthändler kennt.

„Wir lassen so lange auf, wie noch Kunden unterwegs sind“

Allerdings waren trotz Appellen von Stadt und Gewerbeverein beim zweiten Adventsshopping die Coronaregeln nach Ansicht von Teilnehmern auch nur bedingt eingehalten worden. In sozialen Netzwerken ist davon die Rede, dass die Stadt voller Menschen gewesen sei. „Nichts mit Abstand, nichts mit Masken. Überall Menschengruppen mit Glühwein in der Hand. Würde mich nicht wundern, wenn das heute das letzte Mal war“, hieß es dort.

Viele Händler haben nun am Montag die gesetzlich möglichen Ladenöffnungszeiten ausgenutzt und wollen das auch an diesem Dienstag tun, dem letzten Tag, an dem sie bis 10. Januar noch einmal regulär öffnen dürfen. „Wir lassen so lange auf, wie noch Kunden unterwegs sind“, sagte Dauer. Nur eine einheitliche Regelung, für die sich der Gewerbeverein immer eingesetzt hatte, lasse sich in den zwei Tagen nicht mehr finden. Das sei leider viel zu kurzfristig. Jeder kämpft deshalb nun auch ein bisschen für sich allein.

Händler setzen auf Onlineshops oder ihren Telefonservice

Viele Händler in Sangerhausen und umliegenden Orten verweisen auf Bestellmöglichkeiten wie Onlineshops oder ihren Telefonservice: Elke Brückner von eb-Design in der Göpenstraße schrieb an ihre Kunden: „Erinnern Sie sich an den Film ,Dirty Dancing?'“ In einer Szene habe es gehießen: „In diesem Jahr hat mir jemand verboten, den letzten Tanz der Saison zu tanzen.“ Nun heißt es für den Einzelhandel: „In diesem Jahr hat uns einer verboten, Weihnachtsgeschenke zu verkaufen.“ Aber eb-Design lasse sich nichts verbieten. „Rufen Sie uns an und wir liefern Ihre Weihnachtswünsche, weihnachtlich verpackt, zu Ihnen nach Hause.“ Es dürften auch Gutscheine sein.

So äußerten sich eine ganze Reihe Händler aus Sangerhausen und Orten der Umgebung. So betonte beispielsweise das Juweliergeschäft von André Kutzleb in Roßla, man müsse sich an die von der Regierung verhängten Vorschriften halten. „Trotzdem soll es möglich sein, unsere Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Wir beraten, verkaufen, versenden und reparieren auch in diesen schweren Zeiten. Kontaktieren Sie uns.“

Gewerbeverein wirbt für sein Online-Schaufenster

Der Vorstand des Sangerhäuser Gewerbevereins hatte sich bereits vergangene Woche, als sich die Corona-Lage zuspitzte, in einer Rundmail an die Händler und Gewerbetreibenden der Kreisstadt gewandt und vehement für das Online-Schaufenster www.sangerhausenkauftein.de geworben. „Händler haben auf der Plattform die Möglichkeit, ihre Angebote zu präsentieren und mit den Kunden zu kommunizieren“, sagte Christina Griesing von der Werbeagentur „New Face“, die das Angebot im Auftrag des Vereins erstellt hat. Seit Anfang Oktober dieses Jahres ist es bereits online.

Nur ist das Schaufenster im Internet bisher weit davon entfernt, das komplette Handels- und Dienstleistungsangebot der Berg- und Rosenstadt im Internet abzubilden, wie es der Vorstand der Vereinigung eigentlich wollte. Denn bisher sind nur 22 Händler und andere Gewerbetreibende vertreten. Allein der Gewerbeverein hat nach eigenen Angaben aber deutlich über 40 Mitglieder. Und: Wer jetzt nicht im Online-Schaufenster vertreten ist, dürfte erstmal Pech haben: Aufgrund der Weihnachtsferien der Werbeagentur waren Neuanmeldungen auf der Plattform nur noch bis einschließlich diesem Montag möglich. Händler auf „sangerhausenkauftein.de“ aufzunehmen, geht dann erst wieder im kommenden Jahr, ab 7. Januar. (mz)