Ritter erobern Burg Querfurt

Ritter auf Burg Querfurt: Alles, was Sie zum Ritterorden wissen müssen

Querfurt - Einer der ältesten Orden Europas wählt Querfurt zu seinem Stammsitz.

Von Dirk Skrzypczak 14.02.2017, 15:22

1815 dürften die letzten Ritter und Adligen Burg Querfurt verlassen haben. Damals fiel die als uneinnehmbar geltende Festung den Preußen in die Hände, die das mächtige Bollwerk in eine Domäne umbauen ließen. 200 Jahre später kehren die Ritter zurück.

Am Freitag soll die Burg offiziell zum Stammsitz für den Orden des Heiligen Erlösers von Mont-Réal ernannt werden, mit knapp 900 Jahren ist er nach der eigenen Vita einer der ältesten Ritterorden in Europa.

Wie richten sich die Ritter auf Burg Querfurt ein?

Bekommen die Ritter nur einen Raum auf der Burg? Zahlen sie Miete? Zu den Details des Vertrags hüllen sich die Verantwortlichen des Saalekreises, des Burg-Fördervereins und des Ordens zunächst in Schweigen. „Wir wollen dem Termin nicht vorgreifen“, sagt Querfurts Alt-Bürgermeister und Fördervereins-Vorsitzender Peter Kunert (FDP), seit 2015 Ehrenmitglied im Orden.

Seinerzeit hatten sich Ritter und Knappen zum Großkapitel auf der Burg getroffen. Und Generalprior Heino Graf Möller, der höchste Gesandte des Ordens in Deutschland, hatte von Querfurt geschwärmt: „Der Ort liegt in der Mitte Deutschlands und wäre für unsere Zwecke ideal“.

Warum der Ritterorden in Deutschland seine Anhänger verlor

Dazu muss man wissen, dass der „Ordre Equestre du Saint-Sauveur de Mont-Réal“ zwar seit 1118 ununterbrochen in Europa besteht, durch die Weltkriege aber in Deutschland seine Anhänger verlor.

Erst seit 1975 gibt es die „Montrealeser“ wieder in der Bundesrepublik. 1996 errichteten sie ihr eigenes Priorat, allerdings ohne Stammsitz. Der Ritterorden hat heute etwa 50 aktive Mitglieder in Deutschland und rund 200 in Europa, vor allem in Spanien, Frankreich und Belgien.

Was macht der Ritterorden heute?

„Mit dem Ritterorden bekommen wir ein Alleinstellungsmerkmal. Für die Popularität und Vermarktung der Burg kann das nur gut sein“, frohlockt Kunert. In Querfurt wird aber keine militante Burschenschaft einziehen. Zwar bekennt sich der Orden zu seinen ritterlichen Traditionen, die Waffen hatte er aber schon im 15. Jahrhundert niedergelegt.

Seitdem kümmern sich die Ritter mit dem Kreuz, der Rose und dem Schwert als Symbol um gemeinnützige Zwecke. Der Orden unterstützt nach eigenen Angaben beispielsweise Kinderhospize und Waisenhäuser und will eine Akademie zur Förderung von Kunst und Wissenschaft aufbauen, wie sie bereits vor den Weltkriegen unter dem Dach des Ordens existierte. 2018 wollen die Montrealeser in Querfurt ihren 900. Geburtstag feiern. (mz)