Rechtsextremismus

„Druide“ aus Querfurt vor Gericht: Antisemit mit Rauschebart

Der 71-Jährige ist erneut wegen Volksverhetzung angeklagt. Ein früheres Urteil gegen den Mann erweist sich im Prozess jedoch als Problem

Von Robert Briest 13.05.2022, 08:52
„Druide“ Karl B. vor dem Amtsgericht
„Druide“ Karl B. vor dem Amtsgericht Foto: Katrin Sieler

Merseburg/Querfurt/MZ - Druide – der Begriff weckt popkulturelle Assoziationen zu Miraculix. Der Magier aus den „Asterix“-Comics, der mit seinem Zaubertrank das gallische Dorf entscheidend vor der römischen Invasion schützt. Weißhaarig mit langem Bart. Karl B. ist selbst ernannter Druide und ähnelt zumindest optisch der Comicvorlage stark, wenn auch mit deutlich mehr Bauchansatz. Inhaltlich versteht sich der 71-Jährige allerdings wohl eher auf verbales Giftmischen. So sieht es zumindest die Staatsanwaltschaft, die ihm Billigung einer Straftat sowie Volksverhetzung in drei Fällen vorwirft. Deshalb musste sich B., der in einem Querfurter Ortsteil lebt, am Donnerstag vor dem Amtsgericht Merseburg verantworten.

Konkret ging es dabei etwa um den Vorwurf, dass sich der Angeklagte im Sommer 2019 in dem unter deutschen Rechtsextremisten beliebten russischen sozialen Netzwerk vk.com wohlwollend zum Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke geäußert haben soll: Dies dürfe kein Einzelfall bleiben, alle „Deutschfeinde“ würden ab jetzt hingerichtet, zitierte ihn der Staatsanwalt. Die Aussage sei geeignet, beim Leser die Sorge zu erwecken, dass weitere solcher Taten folgen.

Hetze gegen Juden

Die übrigen drei angeklagten Delikte stehen unter dem Stichwort Antisemitismus. In zwei der Fälle aus dem Jahr 2020 geht es um weitere Äußerungen des Angeklagten, der gern auch sein Synonym „Burgos von Buchonia“ verwendet, auf vk.com. So soll er laut Staatsanwaltschaft dort etwa den Holocaust als Lüge bezeichnet und behauptet haben, Juden seien für die beiden Weltkriege verantwortlich, würden den Staat beherrschen und wollten die Deutschen ausrotten. Ähnliche Inhalte, so der vierte Tatvorwurf, soll er auch in Heften zusammengestellt haben, die er anschließend gegen Geld im Internet zum Verkauf anbot. Sie wurden im Zuge einer Durchsuchung in einem Querfurter Ortsteil 2019 von Beamten sichergestellt.

Der 71-Jährige trat im Saalekreis erstmals 2016 in Erscheinung. Damals lebte der selbst ernannte Druide für einige Monate auf einem Querfurter Campingplatz. Monate später klickten die Handschellen. Der Senior und einige Bekannte waren damals in das Visier der Bundesanwaltschaft geraten. Der Vorwurf lautete zunächst auf Bildung einer terroristischen Vereinigung. Den stufte die Bundesbehörde später als nicht mehr haltbar ein. B. landete dennoch mit reichlich Verzögerung auf der Anklagebank. Das Landgericht Mannheim verurteilte ihn im Februar zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung.

Der Prepperszene zugerechnet

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Antisemit, der der Prepper-Szene zugerechnet wird, aus Angst vor Anarchie sich ein Waffenarsenal angelegt hatte. Bestandteile waren laut damaliger Anklage etwa professionell sowie selbst hergestellte Schusswaffen und ein Flammenwerfer. Zudem verurteilte ihn das Gericht zu 130 Tagessätzen à 130 Euro wegen Volksverhetzung, weil er den Holocaust geleugnet und gegen Juden gehetzt hatte.

Dieses zweigeteilte und späte Urteil stellte sich nun als Problem für den Prozess am Amtsgericht dar. Der Merseburger Richter hob das Verfahren nach Unterredung mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf. Zu einem nicht benannten Termin soll es einen neuen Anlauf geben. Gründe waren unter anderem, dass aktuell noch weitere Ermittlungen gegen den 71-Jährigen in ähnlichen Angelegenheiten laufen und das Gericht die gefundenen „Hefte“ nicht von den Ermittlern erhalten hatte.

Vor allem, so sagte der Richter, müsse aber rechtlich beurteilt werden, inwieweit das Mannheimer Urteil eine Zäsurwirkung habe. Die nun angeklagten Taten sollen ja vor dem Prozess dort stattgefunden haben. Zu klären wäre vor oder in einer Neuauflage der Verhandlung am Amtsgericht, ob eine etwaige neuerliche Strafe auf die Geldstrafe oder die Freiheitsstrafe aus Mannheim anzurechnen ist – oder eine ganz neue Strafe verhängt wird.