Mit Hexen-Flut ins Guinness-Buch

Thale//MZ. - Aus dieser 130 000 Einwohner zählenden Stadt kommen in den nächsten Tagen etwa 40 junge Tänzer in den Harz, die zeitweilig als baltische Hexen und Teufel durch die Mythenstadt Thale spazieren werden.

Von Stephan Neef 21.08.2008, 16:37

Aus dieser 130 000 Einwohner zählenden Stadt kommen in den nächsten Tagen etwa 40 junge Tänzer in den Harz, die zeitweilig als baltische Hexen und Teufel durch die Mythenstadt Thale spazieren werden.

Das Ensemble Pynimelis gehört zu den zehn Tanzgruppen aus sieben Ländern, die vom 25. August bis 1. September am 9. Internationalen Cioff-Folklore-Festival für Kinder- und Jugendensembles teilnehmen, das in Thale und weiteren fünf Harz-Städten stattfindet. Die Großveranstaltung, 1992 vom Thalenser Harzensemble ins Leben gerufen, ist inzwischen das älteste und namhafteste Kinder-Folklore-Festival Deutschlands, wie Organisationschef Hans-Joachim Wiesenmüller weiß. Und so gibt es jährlich zahlreiche Bewerbungen aus aller Welt, 2008 erstmals auch aus Mexiko. Wiesenmüller hätte die Mexikaner zu gern engagiert. Doch finanzielle und logistische Hürden verhinderten das Gastspiel, auch Westeuropäer oder Afrikaner werden deshalb nicht in den Harz kommen. Die zehn- bis 17-jährigen Gäste stammen diesmal aus Russland, Moldawien, der Ukraine, Bulgarien, Polen und Litauen. Die Litauer sind die renommiertesten Teilnehmer: Die Tanzgruppen, Orchester und Chöre des insgesamt 370-köpfigen Ensembles gastierten bereits in 25 Ländern, selbst zweimal in Australien. Deutschland gehört neben England, Frankreich oder Spanien zu den häufigsten Zielländern von Pynimelis-Künstlern.

"Lasst uns Brücken bauen" heißt das Motto des diesjährigen Treffens, für das Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (ptl.) die Schirmherrschaft übernahm. Veranstalter ist traditionsgemäß der Verband für künstlerisches Volksschaffen Thale. Obwohl das Festival wieder als "bunter Reigen der Musik, der Tänze und der Lieder" angekündigt wird, soll es mehr sein, als eine internationale Folklore-Show. Das zeigt bereits die Eröffnungsgala am 25. August im Güntersberger Kinder- und Erholungszentrum (Kiez), in dem die etwa 240 Teilnehmer untergebracht sind. Da wird gemeinsam eine "Flamme der Freundschaft" gezündet und ein "Baum der internationalen Solidarität" gepflanzt, der abendliche Empfang firmiert als "Freundschaftstreffen". Erster Höhepunkt ist am nächsten Tag ein "Interkulturelles Kolloquium zu Fragen und Problemen der Völkerverständigung, Fremdenfeindlichkeit, Integration, Bildung und Kultur", an dem Vertreter des öffentlichen Lebens, auch der Landesregierung oder der Kirchen, teilnehmen. Wiesenmüller nennt als wesentlichen Schwerpunkt des 9. Festivals den Versuch, mit "kulturellen Aktivitäten zum Abbau von Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung" beizutragen.

Dazu diesen zum Beispiel ein "fröhlicher Kinder-Jahrmarkt" am 27. August in Quedlinburg, ein "Kinder-Hochzeitsfest" am nächsten Tag in Wernigerode, der Ensemble-Besuch in Halberstädter Schulen am 29. August und vor allem zwei ungewöhnliche Veranstaltungen in Thale: Am 30. August soll im Zentrum der Bodestadt ein "Großer internationaler Hexen- und Teufelskreis" gebildet werden. Dabei wollen die Organisatoren über 1 000 Teilnehmer und Gäste so ausstatten und postieren, dass sie in Bruch-, Steinbach- und Karl-Marx-Straße eine möglichst lückenlose Höllenvolk-Kette bilden und damit ins "Guinness-Buch der Rekorde" kommen. Am 31. August gibt es dann auf dem Rathausplatz "Spiel und Spaß ohne Grenzen", bei dem Schulen der Festival-Städte gegen die Ensembles antreten.

Zudem soll auch gemeinsam gefeiert werden: In Güntersberge werden "Festivalkönig und -königin" gekrönt, zum Abschluss des Quedlinburger Festivaltages am 27. August gastiert die Potsdamer Folk-Punk-Band "44 Leningrad", zum Finale des Halberstadt-Tages gibt es Irish Folk mit "Heaven's Green" und - wie auch 24 Stunden später in Thale - Popmusik in großer Besetzung mit "Powerbrass" aus Goslar. Auch die Abschluss-Gala "Hand in Hand" findet auf dem Thalenser Rathausplatz statt, der diesmal den Friedenspark als Festplatz ablöst.

Wenn das Festival 2009 sein zehnjähriges Bestehen feiert, ist Festival-Chef Wiesenmüller 80 Jahre alt. "Doch so lange es mir Spaß macht, mache ich weiter", kündigt der einstige Harzensemble-Leiter an. Und bittet alle Festivalfreunde nochmals um dringend benötigte Spendengelder.