Kaltes Tal bei Bad Suderode

Kaltes Tal bei Bad Suderode: Ein Entenhaus für den Fischteich

Bad Suderode - Das Kalte Tal hinter Bad Suderode zählt vielleicht zu den idyllischsten Tälern des Harzes. Ein kleines Bächlein rinnt entlang des forstbotanischen Wanderweges hinab. In Höhe des Fischteiches hinter dem Felsenkeller gibt es seit zwei Monaten wieder ein Wasserrad aus Eichenholz. Das konnte mit Hilfe von Spenden wieder aufgebaut werden. Als bei der Einweihung im Mai Silke Uhlmann von der Initiative ein Herz für Bad Suderode die Idee aussprach, dass da auf dem Teich eigentlich nur noch ein Entenhäuschen fehle, sprang Carsten Kiehne vom Harzklub-Zweigverein sofort darauf ...

Von Detlef Anders

Das Kalte Tal hinter Bad Suderode zählt vielleicht zu den idyllischsten Tälern des Harzes. Ein kleines Bächlein rinnt entlang des forstbotanischen Wanderweges hinab. In Höhe des Fischteiches hinter dem Felsenkeller gibt es seit zwei Monaten wieder ein Wasserrad aus Eichenholz. Das konnte mit Hilfe von Spenden wieder aufgebaut werden. Als bei der Einweihung im Mai Silke Uhlmann von der Initiative ein Herz für Bad Suderode die Idee aussprach, dass da auf dem Teich eigentlich nur noch ein Entenhäuschen fehle, sprang Carsten Kiehne vom Harzklub-Zweigverein sofort darauf an.

Der Wanderwart arbeitet seit drei Monaten beim VHS-Bildungswerk Quedlinburg als Betreuer einer Wohngruppe von zehn Flüchtlingskindern aus Albanien, Syrien und Afghanistan in Bad Suderode. Das wäre etwas für die Jungs, dachte er. Kiehne holte Heiko Schumann (47), Tischler und VHS-Mitarbeiter, quasi mit ins Boot und der baute mit einigen der Flüchtlingskindern das Entenhäuschen. Seit Dienstag schwimmt es nun auf dem Fischteich, mit zwei Ankern am Teichgrund so befestigt, dass es nicht ans Ufer abgetrieben wird.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich mal freiwillig in den Dreck-Tümpel steige“, gestand Kiehne, nachdem er fast im tiefen Schlamm stecken geblieben war, und Schumann über angesichts der vielen Äste und Zweige auf dem Grund des Fischteiches, die das Vorankommen erschwerten, stöhnte. Die Kinder hatten zuvor nicht nur beim zweitägigen Bau in der Holzwerkstatt mitgeholfen, sondern auch beim Transport zum Teich.

Schumann hatte sich eine Entenhaus-Vorlage aus dem Internet heruntergeladen und dann den Bauplan entwickelt. Drei oder vier der Kinder, die zwischen zehn und 17 Jahre alt sind, hätten dann beim Bau geholfen. „Es ist klar, dass von den zehn Mann nicht alle mitmachen.“ Vorkenntnisse habe keiner. „Es ist schön, dass die Jugendlichen mitbekommen, dass sie selbst Hand anlegen können, was tun können und dass sie einen Erfolg sehen, wenn sie vorbeikommen.“ Und so auch dem Ort, in dem sie leben, etwas zurückgeben. „Vielleicht erkennen sie durch solches Ausprobieren, was ihnen Spaß macht, wo ihre Stärken liegen, welches Talent sie haben.“ Anxhelo Jonnuzi aus Albanien beispielsweise würde gern Musik machen. Der 16-Jährige, der nach seinen Erlebnissen auf der Flucht älter aussieht, könne gut singen, weiß Kiehne.

Einige der Kinder begeistern sich für Fußball und trainieren bereits bei Germania Gernrode in den Nachwuchsteams, sagt Kiehne. „Integration - das ist das, was ich so schätze.“ Die Jungs seien motiviert und würden nun auch drei Tage im Harz mit ihm wandern gehen.

Der Harz sei für die Flüchtlingskinder ein „Dschungel - das ist ja nicht der Wald“. Immer wieder werde er gefragt, ob es dort Tiger, giftige Schlangen, Löwen oder Krokodile gebe. Doch Kiehne kann nur mit Stubentigern dienen und vor Wildschweinen warnen.

Und vielleicht können Anxhelo und die Jungs aus der Wohngruppe ja schon bald zum Entenfüttern an den Teich kommen und sich daran erfreuen, dass ihr Entenhaus angenommen wird.

(mz)