Bürgerstiftung

Bürgerstiftung: Bürgergeld wird zu Bronze

Quedlinburg/MZ. - Nach 36 Jahren verabschieden sich die Münzenberger Musikanten von der wohl attraktivsten Freilichtbühne Quedlinburgs, vom Marktplatz. Vorerst müssen sie im Zuge der Neugestaltung des Platzes ihre Instrumente einpacken. In etwa einem Jahr soll die von Wolfgang Dreysse geschaffene Figurengruppe, die per Foto selbst japanisches Hochglanzmagazin ziert, wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren. Doch dann wird man zu ihren Füßen den Klängen nicht mehr im Rund, sondern im Kleeblatt ...

Von Uwe Kraus 22.05.2012, 17:15

Nach 36 Jahren verabschieden sich die Münzenberger Musikanten von der wohl attraktivsten Freilichtbühne Quedlinburgs, vom Marktplatz. Vorerst müssen sie im Zuge der Neugestaltung des Platzes ihre Instrumente einpacken. In etwa einem Jahr soll die von Wolfgang Dreysse geschaffene Figurengruppe, die per Foto selbst japanisches Hochglanzmagazin ziert, wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren. Doch dann wird man zu ihren Füßen den Klängen nicht mehr im Rund, sondern im Kleeblatt lauschen.

Das Musikanten-Projekt sehe vor, die Gruppe auf eine Bronzeplatte zu stellen, auf der ein Münzhaufen angedeutet werde. Daraus könnte spiralförmig ein Rinnsal fließen. "Wenn wir aber an Brunnenwasser sparen müssen, können die Kinder da wenigstens ihre Murmeln rollen lassen," so Quedlinburgs Oberbürgermeister Eberhard Brecht (SPD). So werden die Münzenberger auch nach ihrer Metamorphose vom Denkmal zum Wasserspiel ein einladender Ort zum Verweilen, Ausruhen, Schauen und Reden sein.

Er begründete den Umzug nicht nur mit der Neugestaltung des Marktes, sondern auch mit Schäden an der gemauerten Oberfläche. Die Neugestaltung der Sitzflächen soll die Kommunikation stärken. "Genau dem, die sozialen Begegnungen zu fördern, hat sich auch unserer Stiftung verschrieben", betont Josef Dahl, Vorstandsvorsitzender der 2007 gegründeten Bürgerstiftung der Stadt. Nachdem Eberhard Brecht klargestellt hat, dass "das Kostenvolumen der Marktplatzumgestaltung zwar die Beseitigung der Bauschäden umfasst, aber nicht den Entwurf und den Bronzeguss für die Neuaufstellung der Musikanten", will die Bürgerstiftung ein besonderes Projekt starten.

"Wir rufen die Bürger der Stadt zu zweckgebundenen Spenden für dieses Wahrzeichen der Stadt auf", so Dahl. Sein Vorstandskollege in der Stiftung, der langjährige Quedlinburger Chefarzt Uwe Klein, verweist auf den Zweck der Stiftung, die kulturelle wie soziale Zwecke fördern will. "Ich denke, für etwas Anfassbares setzen sich die Quedlinburger finanziell bestimmt ein." Ihn beeindrucken die Rentner und anderen Einwohner der Stadt, die durchaus mit fünf oder zehn Euro im Monat an der Bürgerstiftung beteiligt sind, ebenso wie das kommunale Wohnungsunternehmen, das jährlich eine runde Summe überweist. Er ist sich sicher: "So wie die Bürger sich für das Blumenmädchen vor dem Bahnhof eingesetzt haben, so werden sie es für die Musikanten tun."

Josef Dahl verweist auf die vielen Zustiftungen. "Wir sind mit unseren 115 000 Euro Stiftungsvolumen keine große Bürgerstiftung, aber die Zahl derer, die sich mit ihrem Geld engagieren, spricht dafür, dass die Bereitschaft, für die Belange der eigenen Stadt etwas zu geben." 2007 sei die Stiftung mit einem Kapital von 64 000 Euro gestartet. Unterdessen hätten 350 Quedlinburger und Menschen außerhalb der Stadtgrenzen zugestiftet. Aus den Zinserträgen konnten auch 2012 drei Vereine unterstützt werden.

Der Bank-Fachmann Dahl verweist jedoch auf eine Besonderheit: "Diesmal soll nicht das Stiftungskapital mit Zuwendungen erhöht werden, sondern es wird um zweckgebundenen Spenden für das Kunstwerk geworben." Die Summe von 31 000 Euro in zwölf Monaten in den Spendentopf zu bekommen, sei "vom Zeitstrahl her eine Herausforderung". Ihm sei es wichtig, dass es sich um das erste Projekt der Bürgerstiftung handele. "Wir verstehen uns als Sprachrohr der Bürgerinteressen. Die Gründung der Stiftung wurde vielerorts auch als Weckruf für Quedlinburg interpretiert." In der Stiftung sollen Geld und Kompetenz gebündelt werden.

Schließlich will man mit der Kraft der Bürger der Stadt etwas für die Einwohner dieser Stadt erreichen. Und nicht nur für jene. Schließlich sei der Markt das Aushängeschild einer jeden Stadt. "Als ich 1990 erstmals in Quedlinburg war, zu den Bildern die ich schoss, gehörten die Münzenberger Musikanten", erinnert sich Robert Knüppel, der kürzlich aus dem Kuratorium der Bürgerstiftung ausschied, aber verspricht, seinen Beitrag für die Musikanten zu leisten. Der Vorstandsvorsitzende ist sich mit seinen Kollegen und dem Kuratorium der Stiftung sicher, dass das ehrgeizige Ziel zu schaffen sein wird. "Über die Bürgerstiftung kann jeder aktiv das Leben der Kommune mitgestalten und sich selbst einbringen."