Bad Suderode

Bad Suderode: Vereine feiern Bergparade im Kurpark

Bad Suderode - Das „Glück auf“ im Kurpark von Bad Suderode war kaum verklungen, als viele der Zuhörer voller Überzeugung meinten: „Jetzt kann Weihnachten kommen“. Seit neun Jahren gibt die Bergparade in dem Kurort am dritten Adventssonntag eine besondere Einstimmung auf die bevorstehenden Festtage. Die heilige Barbara als Schutzpatronin der Bergleute wird dann dem Festumzug durch den Ort voran getragen, Menschen im traditionellen Habit der Bergleute folgen ihr. Die einzigartige Verbindung zwischen bergmännischer Tradition und dem besonders in der dunklen Jahreszeit wohltuendem Einsatz unzähliger Lichter wissen sehr viele der Akteure und Zuschauer zu schätzen. Oder lernen sie erstmals kennen, wie beispielsweise Niza Piotrowski aus Wienrode. „Mein Mann und ich sind viel an den Wochenenden unterwegs. Heute sind wir extra wegen der Bergparade nach Bad Suderode gefahren. Die kennen wir noch nicht.“ In einem Heftchen mit Veranstaltungsterminen im Harz hatten die Piotrowskis von dem besonderen Angebot gelesen. Da beide sich für Trachten und vor allem Brauchtum interessieren, war das Ziel des Sonntagsausfluges schnell ...

Von sigrid dillge

Das „Glück auf“ im Kurpark von Bad Suderode war kaum verklungen, als viele der Zuhörer voller Überzeugung meinten: „Jetzt kann Weihnachten kommen“. Seit neun Jahren gibt die Bergparade in dem Kurort am dritten Adventssonntag eine besondere Einstimmung auf die bevorstehenden Festtage. Die heilige Barbara als Schutzpatronin der Bergleute wird dann dem Festumzug durch den Ort voran getragen, Menschen im traditionellen Habit der Bergleute folgen ihr. Die einzigartige Verbindung zwischen bergmännischer Tradition und dem besonders in der dunklen Jahreszeit wohltuendem Einsatz unzähliger Lichter wissen sehr viele der Akteure und Zuschauer zu schätzen. Oder lernen sie erstmals kennen, wie beispielsweise Niza Piotrowski aus Wienrode. „Mein Mann und ich sind viel an den Wochenenden unterwegs. Heute sind wir extra wegen der Bergparade nach Bad Suderode gefahren. Die kennen wir noch nicht.“ In einem Heftchen mit Veranstaltungsterminen im Harz hatten die Piotrowskis von dem besonderen Angebot gelesen. Da beide sich für Trachten und vor allem Brauchtum interessieren, war das Ziel des Sonntagsausfluges schnell festgelegt.

Das "Arschleder" darf nicht fehlen

Seit Anfang an ist Peter Lange bei der Bergparade dabei. Er gehört zum Bergverein Hüttenrode, der in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feierte. Lange trug am Sonntag die braunschweigische Berguniform, selbst das so genannte „Arschleder“ fehlte nicht. Voller Stolz erzählte er von den Aktivitäten des Vereins, der ein wunderschönes Zechenhaus betreibt und die Grube Braunesumpf in ein Besucherbergwerk umwandeln will. „Wir haben eine enge Verbindung zu den Bad Suderödern und sind seit Beginn der Bergparade jedes Jahr hier“, sagte Lange. Dass der Beruf des Bergmanns nicht nur jede Menge Geschichte hat, bewies das jüngste Mitglied des Hüttenroder Vereins, Alexander Stephan. Der 16-Jährige will nach dem Schulabschluss die Geheimnisse des Bergbaus lernen. Ob er seine Ausbildung zum Bergmann im thüringischen Nordhausen oder im sächsischen Schneeberg absolviert, steht noch nicht fest. „Aber ich freue mich darauf und will es unbedingt machen“, so der junge Mann, der leider ohne historische Uniform blieb.

Die Bergparade diente der öffentlichen repräsentativen Darstellung einer Gemeinschaft, die ihren täglichen Broterwerb im Bergbau oder Hüttenwesen hatten. Bei diesem besonderen Aufzug wurde an hochgestellten Persönlichkeiten vorbei marschiert.

Entstanden ist diese Tradition in Sachsen, im Erzgebirge. Sie hat sich im Laufe der Jahrhunderte ständig verändert. Mit der Einführung der Rangklassen, der Revierfarben und anderer Vorschriften nahm die Bekleidung der sächsischen Berg- und Hüttenleute ab 1768 einen uniformartigen Charakter an. Aufbau, Marschfolge und Anlass sowie die Anzahl der Teilnehmer waren und sind unterschiedlich und bewegte sich zwischen 100 und 3 000 teilnehmenden Personen, die sich aus Bergbau, Hüttenwesen oder auch beiden rekrutierten.

In Sachsen gibt es heute in der Vorweihnachtszeit noch etwa 18 Bergparaden, u. a. in Dresden, Freiberg oder Seiffen. Aus Niedersachsen ist der Umzug in Goslar bekannt. In Sachsen-Anhalt ist einzig Bad Suderode vertreten. (dd)

Sechs Vereine aus drei Bundesländern

Insgesamt sechs Vereine aus drei Bundesländern nahmen in diesem Jahr an der im Bundesland Sachsen-Anhalt einzigartigen Veranstaltung teil. Mit dabei waren die Nordhäuser aus Thüringen, deren Bergverein rund einhundert Mitglieder hat, von denen 30 weiblichen Geschlechts sind. Die Bergbaufreunde aus Elbingerode und Hüttenrode und der wegen diverser Weihnachtsmarktauftritte verspätete Spielmannszug aus Hasselfelde gehörten ebenso zu denen, die von der Neuen Kirche bis zum Kurpark marschierten, wie die Mitglieder des fast 100 Jahre alten Bergmannsverein aus dem niedersächsischen Vallstedt. Gastgeber war traditionell die Berg- und Hüttenknappschaft, die dem Harzklub-Zweigverein Bad Suderode angehört. Sie pflegt nicht nur den alten Bergparadenbrauch, sondern sorgt auch mit vielen Kleidungsstücken dafür, dass Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes in Augenschein genommen werden kann. Kinder und Erwachsene zeigten im Umzug und bei der Aufstellung im Kurpark, wie Bergleute und Hüttenarbeiter einst gekleidet waren.

Wochenlange Vorbereitung

„Wir haben es zusammen mit den anderen Vereinen im Ort geschafft, wieder eine wunderbare Bergparade auf die Beine zu stellen“, freute sich Carsten Kiehne, Pressesprecher der Vereinigung. In den zurückliegenden anderthalb Monaten sei kaum ein Tag vergangenen, an dem nicht für das große Ereignis vorbereitet wurde. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Unzählige Lichter gaben dem Kurpark eine heimelige Atmosphäre. Weithin sichtbar leuchteten Schlägel und Eisen, die traditionellen Bergmannswerkzeuge. Auf den Terrassen im Park machten die Traditionspfleger aus Nah und Fern ihre bergmännische Aufwartung. Rings um den Behringer Brunnen im Park boten Händler in liebevoll gestalteten Marktbuden Leckeres zum Essen und Trinken oder Schönes zum Verschenken an. Wer wollte, konnte am offenen Feuer Stockbrot zubereiten oder sich auch an anderen Plätzen im Ort kulinarisch und musikalisch verwöhnen lassen. (mz)