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Wohnen, wo gemahlen wurde

Von HANS-DIETER SPECK 26.07.2011, 06:51

NAUMBURG. - 90 Meter über Marktplatzniveau

Und sie schwärmen schon von der Aussicht, die sie von hier oben aus haben, von der knapp 25 Meter hohen Mühle auf einer Anhöhe über dem Saaletal, exakt 90 Meter über Marktplatzniveau. Zuallererst aber wird das Äußere, der Baukörper, in Ordnung gebracht. Gerüste stehen am Bau, es wird gearbeitet. Die Mühle, errichtet mit 250 000 Backsteinen, ist in baulich stabilem Zustand. Die Kuppel allerdings musste ab- und die zehn Tonnen schwere Hauptwelle ausgebaut werden. Sanierung und Ausbau liegen in den Händen bewährter Firmen aus der Region, der Naumburger Zimmerei Franke für die Holzkonstruktionen und Fenster, der Dachdeckerfirma Michel aus Markwerben und der Firma Hagedorn aus Naumburg, die den Baukörper restauriert. Die Bauplanung hat Frank Kiaupa übernommen. "Wir machen viel selbst, sind in unserer Freizeit fast immer auf dem Bau", sagen die Naumburger, die beruflich im Entsorgungsbereich und im Gesundheitswesen tätig sind.

Im Jahr 1879 in Betrieb genommen

Da greifen dann schon mal Eltern, Verwandte und Bekannte mit zu. Mit deren Hilfe haben die Bauherren bislang 2 500 Ziegel aus dem Dachbereich abgeputzt und zur Wiederverwendung gestapelt. Die Holländermühle war 1879 als damals modernstes Windbauwerk in Betrieb genommen worden und mit fünf Flügeln und mehreren Mahlwerken leistungsfähiger als die kleinen Bockwindmühlen ringsum im Land. Doch da die Zeit der Windmühlen Ende des 19. Jahrhunderts eigentlich schon vorbei war und die Winde in der Nähe des Sperlingsholzes auch nicht so wehten, wie sie sollten, wurde schon sehr bald auf elektrischen Strom umgestellt. Über 100 Jahre war die "Holländer" in Betrieb, zuletzt wurde ausschließlich Mischfutter produziert. Am 1. Januar 1992 verließ der letzte Müllerbursche das Werk für immer. Danach dämmerte die Mühle fast zwanzig Jahre im Dornröschenschlaf. Aus dem sie nun erweckt wurde. Vom Verkaufsangebot erfuhren Bauer und Schmieder aus dem Internet. "Wir sind dann viele Male um die Mühle geschlichen, haben gerechnet und überlegt", sagen die Zwei. "Eine Mühle kauft man ja nur einmal im Leben." Die Holländermühle ist Baudenkmal und eines der Wahrzeichen der Stadt. "Vom Denkmalschutz erhielten wir jede Menge Auflagen", weiß Bauer, betont indes, sie seien vernünftig und umsetzbar. Auf Fördermittel können die Bauherren nicht hoffen. Die Mühle liegt nicht im förderwürdigen Naumburger Stadtkerngebiet, wird kein Museum, auch nicht Hotel oder Gaststätte.

Richtfest noch in diesem Jahr

Mühlentechnik haben die neuen Besitzer ohnehin nicht mehr vorgefunden. Äußerlich bleibt das gewohnte Bild erhalten: Die Kuppel wird wieder aufgebaut, und auch die Antriebswelle kommt unter das Dach. Ob daran wieder einmal fünf Flügel montiert werden, behalten sich Bauer und Schmieder als eine zukünftige Option vor. Die zweite in Deutschland noch erhaltene Holländer Mühle mit allen fünf Flügeln haben sie sich schon mal angesehen. Diese wird in dem zwischen Braunschweig und Wolfsburg gelegenen Wendhausen von einem Mühlenverein betrieben. Am Flemminger Weg werden derweil nahe liegende Termine ins Auge gefasst: Das Richtfest noch in diesem Jahr und der Einzug 2012 / 2013. Die Adresse haben die neuen Mühlenbesitzer von der Stadt bereits amtlich bekommen: Holländermühle, Ferdinand-Lassalle-Siedlung 51. "Einen Briefkasten haben wir aber noch nicht angebracht", sagt Andrea Schmieder.