Magdalénien Magdalénien: Höhle gab Namen

Lengefeld - Marcel Hoff, Lara Peter und Tom Noack graben in der Geschichte. Mit Spatel, Pinsel und Bürste sind sie im Magdalénien unterwegs, einer archäologischen Kulturstufe aus dem jüngeren Abschnitt des Jungpaläolithikums. Über 15.000 Jahre alt sind die Knochenteile, die sie in mühevoller Kleinarbeit freilegen, vermessen und wissenschaftlich dokumentieren. „Es handelt sich um eine der größten Fundstellen aus dieser Zeit“, berichtet Grabungsleiter Joel Orrin. Zu finden ist sie oberhalb der Saale in der Nähe des Bad Kösener Ortsteils Lengefeld.
Seit 2008 Projekt mit Landesamt
Nur einige Zentimeter unter seiner Oberfläche birgt der Acker zahlreiche Schätze, über die der Wissenschaftler vom Institut für Prähistorische Archäologie der Universität Köln fast ins Schwärmen kommt: Knochen von Rentieren und Wildpferden, die dort vor Tausenden von Jahren offenbar gejagt, erlegt und als Speise zubereitet worden sind. „Darauf deutet eine noch gut erhaltene und komplette Feuerstelle hin, die wir ebenfalls freilegen konnten“, so Orrin weiter.
Die Grabungen, die vor vier Wochen begonnen hatten und die heute enden, wurden von 17 Studenten der Universitäten Köln und Erlangen vorgenommen. Sie setzten damit ein gemeinsames Forschungsprojekt fort, das die beiden Bildungsstätten gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie in Halle bereits im Jahr 2008 gestartet hatten. Geleitet wird es inzwischen von Professor Jürgen Richter vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Philosophischen Fakultät der Kölner Uni. „Wir können hier Forschungsgrabungen vornehmen und alle Stücke einzeln bewerten, stehen damit nicht unter Zeitdruck wie etwa bei archäologischen Untersuchungen im Vorfeld von Baumaßnahmen“, lobt Orrin das Projekt.
Weitere wissenschaftliche Analyse
Mit ihren Funden innerhalb der jährlich etwa jeweils 30 Quadratmeter großen Grabungsareale konnten die zukünftigen Wissenschaftler nachweisen, dass im Saaletal bereits in prähistorischer Zeit Menschengruppen als Jäger und Sammler lebten. Weitere Aufschlüsse soll nun die Analyse der Knochenfunde ermöglichen. Dazu wurden sie sorgsam verpackt, um sie unbeschadet nach Köln bringen zu können. Orrin: „Dort werden sie unter verschiedenen wissenschaftlichen Aspekten untersucht, um schließlich ein Gesamtbild entstehen zu lassen.“ Ergänzend dazu wurde das gesamte Gelände von einer Drohne überflogen, um ein Drei-D-Modell herstellen zu können. Nach Auswertung der Fundstücke werden sie dem Landesamt als deren Eigentümer übergeben.
Einblicke in die Ergebnisse des Projektes und die Magdalénien-Zeit im Saaletal gewährt bereits eine vom Heimatverein Saaleck initiierte Ausstellung in der benachbarten Burg Saaleck. So wird es die Vereinsmitglieder freuen, dass die Grabungen nahe Lengefeld im nächsten Jahr fortgesetzt werden - hoffentlich mit weiteren Funden.