Beschädigung am Schloss

Zerstörung am Schloss in Merseburg: Vandalen zerstören die Rabenfigur am historischen Rabenkäfig

Merseburg - Vandalen hatten den Käfig am Merseburger Schloss in der Nacht zum Dienstag schwer beschädigt.

Von Undine Freyberg und Dirk Skrzypczak

Kopfschütteln bei allen, die davon hören. „Ich habe es gesehen, als ich am Morgen zum Schloss kam“, sagte Matthias Sanke, der Leiter der Musikschule, der MZ. Alles war mit rot-weißem Polizeiband abgesperrt Rund um den Rabenkäfig lagen die Einzelteile der Rabenskulptur, die bisher den historischen Käfig schmückte - der Kopf, das Gefieder auch Teile des goldfarbenen Rings, den der Rabe im Schnabel trug, konnten sichergestellt werden.

Rabenskulptur aus Buntsandstein heruntergeschlagen

Vandalen hatten den Käfig am Merseburger Schloss in der Nacht zum Dienstag schwer beschädigt. Der oder die Täter sind auf noch unbekanntem Weg aufs Schlossgelände gelangt und vermutlich über den 2006 neu errichteten metallenen Teil des Rabenkäfigs bis zum steinernen Teil geklettert und haben die Rabenskulptur aus Buntsandstein heruntergeschlagen. Die Figur aus dem Jahr 1887 zerschellte auf dem Boden. Beim Herunterfallen hat sie noch ein Teil des Dachs des Käfigs und eine Bank beschädigt.

Der Wachschutz war gegen 3.30 Uhr am Dienstagmorgen alarmiert worden, weil die Alarmanlage im Besucherinformationszentrum des Doms losgegangen war. Das Sicherheitspersonal fand eine offene Seitentür am Schloss, dem Sitz der Kreisverwaltung. Ob aus dem Schloss etwas gestohlen wurde, war am Dienstagmorgen noch unklar. Die beiden Raben blieben indes unverletzt und sind nach wie vor in ihrem Käfig.

Fotoaufnahmen vom beschädigten Rabenkäfig gemacht

Sie hatten sich allerdings zumindest am Vormittag nicht blicken lassen, weil vor ihrem Käfig doch ein ziemliches Tohuwabohu herrschte. Die Merseburger Feuerwehr war mit ihrer Drehleiter angerückt, um einem Mitarbeiter der Kriminalpolizei, die Chance zu geben, Fotoaufnahmen vom beschädigten Rabenkäfig auch aus der Luft zu machen. „Meine Kollegen waren zwar schon in der Nacht da, aber das müssen wir noch dokumentieren“, so der Kripo-Mann. Konnten denn überhaupt Spuren gesichert werden? „Eigentlich nicht“, schüttelt er den Kopf. „Es sieht schlecht aus für unsere Ermittlungen.“

Auf der Facebook-Seite der MZ überschlagen sich unterdessen die Kommentare. Die Vandalen werden als Vollidioten und Bekloppte beschimpft. „Wenn die Täter gestellt werden, über Jahre in den Käfig sperren! Und täglich, wie früher, mit Fäkalien bewerfen“, fordert zum Beispiel ein Leser.

Rabenkäfig gehört zu den Touristenattraktionen in Merseburg

Auch Horst Fischer vom Merseburger Altstadtverein ist entsetzt über den Vorfall am Rabenkäfig. „Ich kann das nicht verstehen. Diese Figur hat Krieg und Umwelteinflüsse und vieles mehr überstanden und dann passiert so etwas. Wer macht sowas? Also, eigentlich bin ich sprachlos.“ Aus seiner Sicht ist der Rabenkäfig einer der am meisten besuchten Orte in Merseburg. Deshalb sei das besonders schlimm. „Und was das erst kostet, diese Figur zu ersetzen.“

Der Rabenkäfig gehört zu den Touristenattraktionen in Merseburg und ist ein beliebtes Fotomotiv. Er erinnert an die Sage von Merseburgs berühmtesten Bischof Thilo von Trotha (1443 - 1514). Der Erzählung nach hatte der Bischof einen Diener verdächtigt, einen goldenen Siegelring gestohlen zu haben. Der Bedienstete wurde hingerichtet. Später fand man das Schmuckstück. Der Herrscher soll so bestürzt gewesen sein, dass er einen Rabenkäfig errichten ließ - als ewige Buße für den blutigen Irrtum. Rabe und Ring zieren auch das Familienwappen der von Trothas. Forschungen haben freilich ergeben, dass das Wappen bereits vor der Zeit des Bischofs existierte. (mz)