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Menschenhandel und Zwangsprostitution Razzia in Merseburg: Polizei zerschlägt mutmaßlichen Schleuserring

Bei einer Großrazzia in fünf Bundesländern haben Ermittler am Donnerstag auch Objekte in Merseburg durchsucht. In Halle wurden drei Hauptverdächtige festgenommen. Sie sollen junge Vietnamesinnen zur Prostitution gezwungen haben.

Aktualisiert: 26.02.2026, 18:47
Razzia in Merseburg und vier weiteren Bundesländern: Rund 320 Einsatzkräfte durchsuchten 31 Objekte wegen Menschenhandels und Zwangsprostitution. Drei Hauptverdächtige wurden in Halle festgenommen.
Razzia in Merseburg und vier weiteren Bundesländern: Rund 320 Einsatzkräfte durchsuchten 31 Objekte wegen Menschenhandels und Zwangsprostitution. Drei Hauptverdächtige wurden in Halle festgenommen. (Symbolfoto: Marijan Murat/dpa)

Merseburg/Halle/MZ/RUC. - Rund 320 Einsatzkräfte durchkämmten nahezu zeitgleich 31 Objekte – darunter Privatwohnungen, Geschäftsräume und Bordellwohnungen. Allein in Sachsen-Anhalt waren neben Merseburg auch Halle, Zeitz, Eisleben und Dessau-Roßlau betroffen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft Chemnitz mitteilen.

Halle als Zentrum des Netzwerks

Halle soll der Dreh- und Angelpunkt des Netzwerks gewesen sein. Dort nahmen die Beamten drei Hauptverdächtige widerstandslos fest: eine 47-jährige Vietnamesin, ihren 42-jährigen Bruder sowie ihren 47-jährigen deutschen Lebensgefährten. Gegen alle drei hatte eine Ermittlungsrichterin am Amtsgericht Chemnitz Haftbefehle erlassen. Die Vorwürfe: bandenmäßiges Einschleusen von Ausländern, Menschenhandel und Zwangsprostitution.

Ermittlungen begannen vor zwei Jahren

Die Ermittlungen hatten im Frühjahr 2024 begonnen, als die Chemnitzer Kripo auf mehrere vietnamesische Frauen stieß, die sich ohne Papiere in Deutschland aufhielten und in Bordellwohnungen der Prostitution nachgingen. Nach und nach sei ein organisiertes Netzwerk aus Auftraggebern, Wohnungsgebern, Anzeigen-Inserenten und Geldabholern zum Vorschein gekommen.

Junge Frauen seien in Vietnam gezielt mit dem Versprechen einer gut bezahlten legalen Tätigkeit in Deutschland angeworben und ins Land gebracht worden. Hier habe man ihnen Pässe und Handys abgenommen und sie unter Druck gesetzt, sich in Bordellwohnungen zu prostituieren.

145.000 Euro in Hallenser Wohnung

In der Wohnung der beiden vietnamesischen Hauptverdächtigen in Halle fanden die Ermittler allein rund 145.000 Euro Bargeld. Insgesamt wurden an den Durchsuchungsorten etwa 214.000 Euro sichergestellt.

In einer Berliner Wohnung entdeckten die Beamten zudem rund 33.000 Euro Falschgeld, in Leipzig eine Schreckschusswaffe. Außerdem beschlagnahmten sie Dutzende Handys, Computer und umfangreichen Schriftverkehr.

Illegale Prostitution: 19 Frauen in Bordellwohnungen angetroffen

In den Bordellwohnungen in allen fünf Bundesländern trafen die Ermittler insgesamt 19 vietnamesische Frauen an, die offenbar der illegalen Prostitution nachgingen. Opferschutzbeauftragte der Polizei und Mitarbeiter einer Hilfsorganisation haben den Frauen Unterstützung angeboten.

Die drei Festgenommenen sollen Freitag einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Die Ermittlungen seien noch lange nicht abgeschlossen – nun gehe es darum, die sichergestellten Beweismittel auszuwerten und die Schleusungswege weiter aufzuklären.