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MerseburgMerseburg: Vom Leben und Sterben am Fürstenhof

MERSEBURG/MZ. - In 14 Vorträgen näherten sich die Referenten auf unterschiedlichen Wegen jener Materie, die noch vor drei Jahren Außenstehenden kaum bekannt war: Die Prunksärge in der Gruft - lange bitter vernachlässigt, brutal zerstört, nun aufs Sorgsamste ...

Von ELKE JÄGER 20.11.2011, 17:13

In 14 Vorträgen näherten sich die Referenten auf unterschiedlichen Wegen jener Materie, die noch vor drei Jahren Außenstehenden kaum bekannt war: Die Prunksärge in der Gruft - lange bitter vernachlässigt, brutal zerstört, nun aufs Sorgsamste restauriert.

Den Vereinigten Domstiftern zu Merseburg und Naumburg gelang der Spagat, sowohl Wissenschaftler und Restauratoren als auch die interessierte Öffentlichkeit gleichermaßen für das Thema zu begeistern. Rund 120 Teilnehmer verfolgten die Referate über das Leben und Sterben am Merseburger Fürstenhof.

"Sonst beschäftigt man sich ja nicht mit Särgen", meinte Kim Ludwig aus Wallendorf. Die 20-jährige Bibliotheksfachangestellte war durch den Flyer aufmerksam geworden. "Hochinteressant" fand auch Brigitte Paskarbeit aus Bad Lauchstädt die Ausführungen, von denen sie nichts verpasste. Zahlreiche Merseburger, zum Beispiel Stadtführer, saßen mit im Saal.

Erstmals überhaupt ist eine Gruft als Ganzes restauriert worden, erklärt Domstiftsbibliothekar Markus Cottin, der sich selbst mit detektivischem Spürsinn auf Spurensuche begab. Nun steht die Merseburger Fürstengruft geballt im Fokus wissenschaftlichen Interesses. So entsteht ein überaus vielschichtiges Bild. Zu den einzelnen Facetten gehört die wettinische Begräbniskultur ebenso wie die Baugeschichte des Doms, die Bildhauer des Figurenschmucks der Särge, Musik und Trauerzeiten oder konservierungswissenschaftliche Untersuchungen. Die hat das Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Museen zu Berlin vorgenommen, das die Restaurierung der Särge mit vorbereitet hat. Direktor Prof. Stefan Simon zeigte sich beeindruckt vom Ergebnis: "Man kann den Domstiftern zu der tollen Leistung, die hier erzielt wurde, nur gratulieren. Das hat überregionale Bedeutung." Sein Kollege Dr. Stefan Röhrs, einer der Referenten, schätzte das interdisziplinäre Klima der Tagung. Er hatte unter anderem die chemische Zusammensetzung der Särge und den Umwelteinfluss auf Metall und Farbe untersucht. Eva Düllo wiederum beschäftigte sich mit der textilen Bespannung und sprach von prachtvollen Stoffen, Samt und Seide.

Für Restauratorin Mandy Reimann war es wie ein persönlicher Rückblick, als sie den ersten Besuch in der Gruft schilderte. Den "erbarmungswürdigen Zustand" der Särge, die Schäden und Zerstörungen. Und dann die Freude, als nach langwieriger Feinarbeit die einstige Schönheit sichtbar wurde. Sie stellte aber auch klar: Die Totenruhe bleibt gewahrt. Alle Särge wurden fest verschlossen.

Für Markus Cottin waren es zwei arbeitsreiche, spannende Tage. Sein Resümee ist kurz und knapp: "Hochzufrieden!" Und trotz vieler neuer Ansätze: Manche Fragen blieben unbeantwortet. Noch.