Lynchmord in Merseburg?

Kubaner in Merseburg ertrunken: Staatsanwaltschaft bereitet Spekulationen um Lynchmord ein Ende

Merseburg - 1979 waren in Merseburg zwei Kubaner ums Leben gekommen. Ein TV-Beitrag nährt Spekulationen um einen Lynchmord. Für die Staatsanwaltschaft ist der Fall jedoch abgeschlossen.

Von Undine Freyberg 08.01.2017, 09:15

Für zwei junge Männer aus Kuba endete der Sommer 1979 in Merseburg tödlich. Sie waren nach einer Auseinandersetzung in der Diskothek „Saaletal“ geflüchtet und gemeinsam mit anderen Landsleuten von der Neumarktbrücke in die Saale gesprungen, wo sie ums Leben kamen.
Aufgrund von Vermutungen, die besagten, die Männer könnten ermordet worden sein, was in einem MDR-Bericht geäußert wurde, sah sich die Staatsanwaltschaft Halle veranlasst, zu prüfen, ob es einen Anfangsverdacht für eine Mordermittlung gibt.

Mord in Merseburg? Staatsanwaltschaft Halle sieht keine Anzeichen für Anfangsverdacht

Ergebnis: „Wir haben keine Anzeichen für einen solchen Anfangsverdacht finden können“, sagte Staatsanwalt Klaus Wiechmann auf Anfrage der MZ. 

„Wir haben dazu die noch vorhanden Unterlagen von Polizei, Rechtsmedizin, Staatsanwaltschaft und Staatssicherheit geprüft. Darin haben wir keinerlei relevante Hinweise finden können, die eine neue Untersuchung nötig machen würde. Wir konnten auch nicht feststellen, dass etwas manipuliert worden sein könnte.“

TV-Beitrag spricht von Lynchmord - Staatsanwaltschaft sieht das anders

Die Unterstellung des TV-Beitrags, es habe sich hier um Lynchmord gehandelt, habe sich anhand der Unterlagen nicht verifizieren lassen. „Der Fall ist damit für uns abgeschlossen“, so Wiechmann. 

Zumal es eine eindeutige Todesursache gebe. „Die beiden sind ertrunken. Das ging aus den Sektionsprotokollen eindeutig hervor.“ Es habe darin auch keinerlei Hinweise auf andere äußere Verletzungen gegeben. „Es war ja behauptet worden, die Männer seien mit Weinflaschen beworfen und davon tödlich getroffen worden. Darauf gab es keine Hinweise.“

Prügelei auf der Brücke nach Partynacht: Was geschah am 12. August 1979?

Am Nachmittag jenes 12. August wurde in der Disko, die umgangssprachlich nur „Strandkorb“ oder „Korb“ genannt wurde, getanzt. Doch dann begann offenbar eine Schlägerei zwischen Deutschen und jungen Kubanern, die in der DDR eine Ausbildung machten.

Die Kubaner flüchteten in Richtung Neumarktbrücke. Ein Anwohner, der damals auf der anderen Seite der Saale wohnte, hat die Prügelei auf der Brücke beobachtet. „Und dann habe ich nur noch gesehen, wie welche von der Brücke ins Wasser gesprungen sind“, sagte er der MZ. Tage später habe er gehört, dass zwei Männer ums Leben gekommen seien.

Kubaner konnten offenbar nicht schwimmen - und sind ertrunken

Staatsanwalt Wiechmann: „Die Männer konnten offenbar nicht schwimmen. Andere Kubaner, denen es offenbar ähnlich ging, waren laut der Akten von Merseburgern aus dem Wasser gezogen worden.“ Das Ganze habe jedenfalls nichts mit Rassismus zu tun gehabt, wie behauptet worden war. Die Auseinandersetzung habe andere Gründe gehabt.
Den „Strandkorb“ gibt es nicht mehr. Die Diskothek war 1983 abgebrannt. (mz)