Hinweis von US-Bundespolizei FBI

Kinderporno-Verdacht gegen Pfarrer aus Braunsbedra ? Tipp kam vom FBI

Halle (Saale) - Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt gegen den katholischen Pfarrer aus Braunsbedra (Saalekreis). Der 66-Jährige soll sich umfangreich Dateien mit Kinderpornos beschafft haben.

Von Dirk Skrzypczak und Diana Dünschel 12.04.2016, 18:08

Am Dienstagmittag sind sowohl die Kirche als auch das nebenstehende Pfarrhaus im Braunsbedraer Ortsteil Neumark verwaist. Alle Türen und Fenster sind geschlossen. Auf das Klingeln an der Tür reagiert niemand, ebenso auf Anrufe. Der Pfarrer ist untergetaucht. Wo, weiß keiner.

Kinderporno-Verdacht gegen Pfarrer

Die Staatsanwaltschaft Halle führt gegen den 66-Jährigen ein Ermittlungsverfahren. Der Geistliche steht laut Staatsanwalt Dennis Cernota im Verdacht, sich kinderpornografische Dateien besorgt und sie auch besessen zu haben. Den Tipp bekamen die deutschen Ermittlungsbehörden von der amerikanischen Bundespolizei FBI.

„Aufgrund der Vernetzung durch das Internet ist das gar nicht so ungewöhnlich“, sagt Staatsanwalt Dennis Cernota. Am 5. April war das Pfarrhaus durchsucht worden. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft wurden Computer und Handys beschlagnahmt.

Bistum Magdeburg hat reagiert

Das Bistum Magdeburg hat angesichts der Ermittlungen bereits Konsequenzen gezogen.  „Der Pfarrer wurde vom Bischof beurlaubt und von seinen seelsorgerischen Pflichten entbunden. Er ist nicht mehr vor Ort“, sagte Thomas Larzer von der Pressestelle des Bistums auf MZ-Nachfrage. Man habe die zuständige Pfarrei Merseburg und die Kirchengemeinde vor Ort informiert.  Jetzt warte man die Untersuchung der Staatsanwaltschaft ab.

Alle Versuche der MZ, den Beschuldigten telefonisch zu erreichen, blieben erfolglos. Pfarrer Daniel Rudloff von der Katholischen Pfarrei St. Norbert in Merseburg wollte sich  nicht  zu dem Thema äußern. Wer die Aufgaben des beurlaubten Geistlichen übernimmt, ist noch unklar.

Gemeindemitglied berichtet Positives über den Geistlichen

„Der Pfarrer ist nicht mehr hier“, bestätigt eine Frau, die anonym bleiben möchte. Sie ist selbst langjähriges Gemeindemitglied und erzählt, dass Pfarrer Rudloff bei der  jüngsten Messe die Anwesenden über die Durchsuchung der Staatsanwaltschaft informiert habe.  Welche Vorwürfe es gegenüber dem Pfarrer gibt, habe er nicht gesagt. Sie kennt den Pfarrer, seit er im Oktober 2008 nach Braunsbedra kam. Glauben mag sie die Vorwürfe nicht, die in der Kirchgemeinde durchgesickert sind.

Der Pfarrer habe junge Messdiener wie die Konfirmanden betreut. Zu letzteren gehörte auch ihre Enkelin. Nie sei in der Gemeinde auch nur der Verdacht einer pädophilen Neigung aufgekommen. Sie könne nur Positives über ihn berichten.

Bislang keine Verhaftung

So habe er sich zuletzt sehr für die Integration der Flüchtlinge - in Braunsbedra leben nach Merseburg die meisten Asylsuchenden im ganzen Saalekreis - engagiert. Sein Haus habe für sie immer offen gestanden.  Er habe für sie Deutsch-Unterricht organisiert, im Gemeindeblatt sogar einen Aufruf gestartet, Fahrräder zu spenden, damit die Flüchtlinge bis zu einem gewissen Grad mobil sein konnten. Tatsächlich gehörte der Pfarrer gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen zu den Gründern eines „Runden Tisches“ zur Arbeit mit Flüchtlingen.

Laut Staatsanwalt Cernota gibt  es keine Hinweise, dass sich der Pfarrer Kindern unsichtlich genähert haben könnte. Da keine Flucht- oder Verdunklungsgefahr bestünde, sei der Beschuldigte auch nicht verhaftet worden. Die Dateien auszuwerten, werde einige Zeit in Anspruch nehmen. (mz)